17./ 18.10.1936 – Einweihung des Weintores in Schweigen

Vor 80 Jahren wandte sich Josef Bürckel, Gauleiter des „Gau Saarpfalz“,  mit den Worten „Das Tor ist offen“ in seiner Festrede zum angrenzenden Elsaß hin und forderte zur deutsch- französischen Verständigung auf. Die Franzosen sollten die von Deutschland dargebotene Friedenshand ergreifen.

Das nach Plänen der Landauer Architekten Peter und Mittel erbaute Weintor in Schweigen wurde am 17./18. Oktober 1936 eingeweiht. Die Weihehandlung nahm der nach wie vor für die Pfalz zuständige bayerische Ministerpräsident Siebert vor. Dem größten Fest ging ein Jahr vorher die Eröffnung „ Der Deutschen Weinstraße“ am 19./20. Oktober voraus. Wie kam es dazu?

Bei allem wirtschaftlichen Aufschwung der Jahre 1933/34 war ein Wirtschaftszweig in der Pfalz nun erst recht in Not geraten: der Weinbau. Außer unter ungünstigen Witterungsverhältnissen litt er vor allem unter einer Absatzkrise und der mit diesem einhergehenden Unmut der Bevölkerung bereitete der Gaugeschäftsstelle in Neustadt erheblichen Kummer. Als Gauleiter Bürckel an einem Julitag des Jahres 1935 mit seinem engsten Gefolge im Schweigener Gasthof „Zum Bayrischen Jäger“ einkehrte, kam die Notlage der Winzer ausführlich zur Sprache. Ein ursprünglich gefaßter Plan, durch den Bau einer Pfälzer-Wald-Hochstraße vom Donnersberg bis zur Hohen Derst südlich Bad Bergzabern für Fremdenverkehr und damit für den Weinhandel zu werben, wurde fallen gelassen.

Stattdessen beschloß man jetzt den Ausbau der Verbindungsstraßen durch die pfälzische Reblandschaft am Fuße des Gebirges entlang von Ort zu Ort, d.h. von Schweigen bis Grünstadt, später bis Bockenheim vor der rheinhessischen Grenze. Das Vorhaben wurde unverzüglich in Angriff genommen, bereits 3 Monate später konnte Bürckel die von ihm so genannte „Deutsche Weinstraße“ für eröffnet erklären. Den Abschluß der Feier bildete eine Fahrt entlang der Weinstraße  bis Bockenheim; in allen Ortschaften wurde die Autokolonne des Gauleiters festlich begrüßt!

Den Winzern wurde auf diese Weise geholfen; Pfälzer Land und Pfälzer Wein besaßen nun eine Gütemarke, die sie in allen deutschen Gauen bekannt machte. Und was das Wort an die Franzosen betrifft, so sollte man aus Bürckels Mund noch weitere Bekundungen dieser Art hören. Neben dem Weinstraßenprojekt wurden Arbeiten zur Urbarmachung bisher ungenutzten Bodens und zur Errichtung von Wohnsiedlungen eingeleitet, unter anderem in Landau auf dem Horst und auf der Wollmesheimer Höhe. Dabei gewann Josef Bürckel Sympathien nicht nur durch das, was er tat, sondern ebenso sehr durch die Atmosphäre, die von ihm ausging.

Ausschnitt Deutsche Weintor-Karte

Die Deutsche Weinstraße

Am Rande der breiten Rheinebene, an den Hängen des Wasgaus und der Haardt, zieht sich das pfälzische Weinbaugebiet, das größte Deutschlands, in einem breiten Streifen entlang. Er beginnt an der französischen Grenze und verläuft etwa 80 Kilometer weit bis zum Hessenland. Unübersehbar ist die Zahl der Rebstöcke, die eine köstliche Stufenleiter der Pfalzweine von den leichten Tisch- und Schoppenweinen der Oberhaardt bis zu den herrlichen Tropfen der Mittelhaardter Spitzenweine hervorbringen. Dazu hilft ein geradezu unwahrscheinlich mildes Klima. Denn hier reifen Mandeln, Feigen und Edelkastanien.

Seit etwa zwei Jahrtausenden kennt man in der Pfalz den Weinbau. Er führte dazu, daß diese Gebiet eng besiedelt wurde, und so reiht sich ein malerisches Weindörfchen ans andere, von denen so manches zu einer stattlichen Weinstadt emporgewachsen ist, und alle sind sie verbunden durch eine uralte Verkehrsstraße, die jetzt den Namen „Deutsche Weinstraße“ trägt. Sie führt mitten durch das weite Rebengelände mit seinen Hügeln, die den Übergang vom Gebirge zur flachen fruchtbaren Ebene bilden. Kastanienwälder säumen sie nach Westen zu ein, Burgruinen blicken von den Höhen der Haardt und des Wasgaus herüber und erzählen von den vielen Kriegswirren, die dieses deutsche Grenzland und sein treues Winzervolk in früheren Jahrhunderten über sich ergehen lassen mußten.

Eine herrliche Landschaft breitet sich zu beiden Seiten der Weinstraße aus, und es war keine Überraschung, wenn ein deutscher Fürst die Pfalz einen Garten Deutschlands nennt. 

16000 Hektar umfaßt ihre Weinanbaufläche, und auch nach der Ertragsmenge steht sie an der Spitze der deutschen Weinbaugebiete. Hier reifen die köstlichsten Edelweine der Welt heran, die den Ruhm der Pfalz begründet und ihren Namen in alle Welt hinaus getragen haben. So ist die Pfalz des Deutschen Reiches Weinkeller, durchzogen von der Deutschen Weinstraße.

Sie ist nicht geschaffen, in raschem Fluge durcheilt zu werden. Oft schlängelt sie sich durch die alten malerischen Dorfgäßchen und eröffnet auf diese Weise immer neue reizvolle Ausblicke auf die romantischen Fachwerkbauten der Weindörfer, die stattlichen, oft aus vergangenen Zeiten stammenden Weingüter, alte Rathäuser und Gaststätten. Man muß hier und da einmal die Fahrt unterbrechen und sich einladen lassen von den gemütlichen Weinstuben der Pfälzer Wirte, in denen man zum köstlichen offenen Wein kräftige Kost erhält. In fast allen Orten haben auch die Winzer sich zusammengeschlossen zu Genossenschaften und Vereinen, die ihren Wein in eigenen Ausschankstätten abgeben. Auch die schlichten Straußwirtschaften, in denen der Winzer den selbstgebauten Wein ausschenkt, sind charakteristisch für die Weinlandschaft.

Rund 80 Kilometer der Weinstraße haben wir durchmessen, nicht gezählt die vielen Abstecher in die Nachbarorte, die man ebenfalls zur Weinstraße rechnet. Reich an Eindrücken wird jeder von diesem köstlichen deutschen Landstrich scheiden, der ihm unvergeßliche Eindrücke von deutschem Grenzland, deutschen Menschen, deutscher Kultur und deutschem Bodenreichtum geschenkt hat.

Die Ausführungen wurden aus der Deutschen Weinstraße- Karte von 1937 und dem Buch „ Damit es nicht vergessen wird…“ von Johannes Nosbüsch entnommen.

Dürkheimer Faß

In diesem Zusammenhang sollte das Dürkheimer Faß nicht unerwähnt bleiben. Das 80. jährige Jubiläum war im Jahr 2014. Die dazugehörenden Bilder sind dem damaligen Einweihungsheftchen von 1934 entnommen worden, die technischen Angaben kann man sich auch aus diesen Bildern entnehmen.

Einweihung Weintor 1936

Einweihnungsheft Dürkheimer Fass

Erklärung Dürkheimer Fass

Zerschossener Reichsadler am Weintor