72 Jahre Bombardierung Saalfelds – Gedenken des Stützpunktes Thüringer Wald/Ost

Der diesjährige Jahrestag der Bombardierung Saalfelds vor 72 Jahren war für die Mitglieder des Stützpunktes Thüringer Wald/Ost eine Pflichtveranstaltung erster Güte. Nicht eine Pflicht im Sinne, dass man aktiv sein müsse, sondern ein innerer Auftrag. Ein stummer Befehl aus der Welt von gestern. Ein Befehl, den man nicht hören kann, sondern fühlt. Die innere Unruhe des Gewissens zwingt uns dazu.

Wir als Nachgeborene der heutigen Generation, die auf dem Spielfeld der Geschichte ihren Platz ein genommen haben und auch besetzen, sind in der Pflicht Unrecht und Mord auch nach 72 Jahren zu  benennen. Sieben Jahrzehnte sind seit der Bombardierung Saalfelds vergangen, eine lange Zeit die sicherlich geholfen hat, Wunden zu heilen und über Generationen hinweg zu lindern. In dieser Zeit ist viel geschehen und das Leid, Elend sowie die Sorgen und der Kummer sind immer mehr verschwommen. Man könnte sicherlich sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt. Das mag stimmen, auch wenn es eher ein Vergessen oder Verdrängen der Wissenden ist. Wir, die wir keine Zeitzeugen oder direkte Nachkommen der Opfer sowie der Zeit sind, stehen außen vor, so könnte man meinen.
Das stimmt zumindest in soweit, dass wir emotional wenig befangen und somit sachlicher die Ereignisse um den 9. April 1945 betrachten können und dies auch tun. Es ist seit diesem Ereignis  ein Menschenleben vergangen und wir müssen schockiert feststellen, dass es keinen mehr interessiert. Gut, könnte man jetzt meinen, warum interessiert es uns dann? Warum können wir nicht die Zeit, Zeit sein lassen?

Dies Antwort ist banal. Weil wir eben nicht losgelöst von Volk, Tradition und Heimat leben wollen. Wir interessieren uns im Gegensatz zu der Masse für das Gestern, Heute und Morgen. Unser Leben orientiert sich nach dem Kant`schen Imperativ und einer Lebensordnung, die auf Gleichgewicht und Ordnung basiert. Wie könnten wir daher die Menschen und ihre Schicksale von Gestern vergessen oder ignorieren und wie können wir Unrecht schweigend hinnehmen? Es ist für uns einfach unvorstellbar. Wir wissen, dass wir ein Teil einer ewig alten Blutlinie sind und wir sind uns bewusst, diese zu erhalten.

Die Bombardierung der alten Stadt Saalfeld ist im Jahre 1945 so kurz vor Kriegsende ein Akt der Unmenschlichkeit gewesen, den wir beim Namen nennen. Dadurch das Deutschland am Boden lag, die Niederlage und Kapitulation so offenkundig gewesen ist, wurden in unserer Heimatregion Menschen geopfert, die so unnütz und sinnlos gewesen sind, dass einem Menschen mit Empathie das Herz bluten muss. So kurz vor der Kapitulation wurden 1300 Tonnen von Bomben auf eine Stadt abgeworfen, die keinen kriegswichtigen Aspekt mehr erfüllte. Die Maschinerie der Vernichtung und des Mordes der Alliierten lief sinnlos weiter, vernichtete Städte, Straßen, Häuser und Menschen.
Diese sinnlos getöteten Deutschen und Ausländer sind es, die uns an diesem Tag einen inneren Drang spüren lassen, der uns antreibt an das zu Gedenken, was für die losgelöste Menschenmasse von heute schier unmöglich erscheint. Ein Lazarettzug, der ausgebombt die Überreste Verwundeter auf dem Bahnhofsgelände zerstreute, Zivilisten, die nicht schnell genug in Deckung gehen konnten oder eben die Verschütteten in Luftschutzbunkern, sind es, die uns antreiben.
Auch im Jahre 2017 gedachten wir ihnen. Die restlichen Saalfelder gingen spazieren, Eisessen oder verschwendeten ihre Zeit vor dem Fernseher. Auch mussten wir feststellen, dass die Patrioten, Kameraden oder scheinbar geschichtlich Interessierte diesen Tag vergessen haben oder aber überhaupt nicht kennen. Es ist ein schwarzer Tag in der Geschichte Saalfelds, dass wir mit unserer handvoll Mitstreiter die Einzigen waren, die neben dem Gedenkfasching des Bürgermeisters und seiner Lohnsklaven gedenken und sich erinnern.
Unsere Toten werden jedoch erst dann wirklich tot sein, wenn der letzte Deutsche sie vergessen hat. Dem wollen wir auch zukünftig entgegentreten.