Stilles Gedenken an Reinhold Elstner

Bereits seit 2003 findet sich alljährlich zum 25. April in der Münchner Innenstadt eine stumme Schar ein. Für eine Stunde stehen die Männer und Frauen still und in sich gekehrt, wie eine Ruheoase zwischen all dem bunten Treiben und lautem Trubel der bayerischen Landeshauptstadt. So auch dieses Jahr wieder. Bei strömendem Regen wanderten alle Gedanken ehrfürchtig zu einem Mann, der seit nun mehr 22 Jahren nicht mehr unter uns weilt: Reinhold Elstner!

Elstner war ein einfacher Mann. Sein Lebenslauf gleicht dem vieler Männer seiner Generation. Geboren wurde er 1919 im deutschen Sudetenland. Als Frontkämpfer stand er im Osten, kämpfend gegen den Bolschewismus. Am Ende des Krieges geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der Heimkehr ins Vaterland half er als Diplom-Chemiker beim Wiederaufbau Deutschlands, auch wenn er nicht mehr in seine sudetendeutsche Heimat zurück konnte.

Wie viel Zeit auch verstrich, er vergaß nie seine Wurzeln und wünschte sich stets eine Rückkehr in seine Heimat. Mit der Zeit wurden die Stimmen für deutsches Recht jedoch immer leiser, wogegen andere lauthals brüllten und volksfeindlich die Alleinschuld und den Schuldkult predigten. Immer unerhörter wurden Wortmeldungen späterer Generationen, die jeden Anstand gegenüber den Altvorderen vermissen ließen. Nach und nach schieden seine Kameraden, die den großen Krieg mit- und überlebt haben leise dahin. Und auch er wusste, dass seine Kraft sich dem Ende neigt. Mit Entsetzen sah er, welches Bild der Nachwelt von seiner Generation gezeichnet wurde.

Mit letzter Kraft und letztem Mut wollte Elstner nun doch noch einmal den Kampf wagen – nicht mit dem Gewehr in der Hand auf dem Schlachtfeld, sondern viel mehr als Licht in dieser dunklen und volksvergessenen Zeit. Er setzte einen Abschiedsbrief auf, worin er auch Samuel Johnson zitierte:

„Ich weiß nicht, was mehr zu fürchten ist – Straßen voller Soldaten, die ans Plündern gewöhnt sind, oder Dachkammern voller Schreiberlinge, die ans Lügen gewöhnt sind.“

In all seiner Verzweiflung beschloss er das Höchste zu geben, was ein Mensch geben kann: sein Leben!

Weiter heißt es im Abschiedsbrief:

„50 Jahre unendlicher Verleumdung und Verteufelung eines ganzen Volkes sind genug. 50 Jahre ungeheuerlicher Beleidigung deutscher Soldaten sind genug! (…) Was nun im „Jubiläumsjahr“ [1995] als Niagara-Lügenflut über unser Volk herniederstürzen wird, kann man nur ahnen. Mit meinen 75 Jahren kann ich nicht mehr viel tun, aber doch soviel, daß ich mit meinem Flammentode als Fanal ein sichtbares Zeichen der Besinnung setzen will. Und wenn auch nur ein Deutscher zur Besinnung kommt und den Weg zur Wahrheit findet, dann war mein Opfer nicht vergebens.”

Am 25. April 1995 setzte er letztlich ein Fanal, in dem er sich auf den Stufen der ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Feldherrnhalle selbst entflammte.

Wenn es auch nur 20 Deutsche waren, welche dieses Jahr das Gewissen packte und zur Mahnwache nach München trieb, so ist es doch ein Beweis dafür, dass er, seine Generation und die Wahrheit letztlich noch in diesem Land präsent sind. Auch sein Geist lebt in uns fort – denn tot sind nur jene, die vergessen werden!

Reinhold Elstner – HIER!