Die entscheidenden Schlachten werden von der Seele geschlagen – Der Schriftsteller Jean Raspail im Profil

Am 5. Juli des Jahres 1925 wurde Jean Raspail in der kleinen französischen Gemeinde Chemillé-sur-Dême geboren. Er sollte später einmal einer der umstrittensten Schriftsteller Frankreichs werden, welcher mit seinen ergreifenden Dystopien und starken Ansichten die Gemüter erhitzt. Raspail, katholischer Royalist- allerdings, wie er selbst sagt, aus ethischen und nicht politischen Gründen –  bereiste in seinem bisherigen Leben weite Teile der Welt. Es führte ihn nach Südamerika, den Nahen Osten, Asien, die USA, sowie nach Afrika. Durch seine ausgeprägten Reisen entwickelte Raspail ein großes Interesse für aussterbende und an den Abgrund gedrängte Völker. Dies behandelte er u.a. in seinem Buch „La Hache des Steppes“ (Das Beil der Steppe, 1974). Zwischen 1950 und 1970 leitete er selbst zahlreiche Expeditionen und Reisen. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.

Da er stets die Rechte der Indianer verteidigt hat, sei es eine Selbstverständlichkeit, auch die Rechte seines eigenen Volkes zu verteidigen – so Raspail. In seinen Büchern behandelt Raspail den Untergang des christlichen Europas durch Werteverfall, Geschichtsvergessenheit, Kriminalität und Masseneinwanderung fremdvölkischer Gruppen in Zusammenhang mit der fortschreitenden Islamisierung des Kontinents.
Sein bekanntestes Buch ist zweifelsohne Das Heerlager der Heiligen, welches erstmals 1973 erschien. Wie der Schriftsteller und von ihm befragte Anwälte in der deutschen Neuauflage von 2015 versichern, könnte das damals bereits „umstrittene“ Buch heute aufgrund der verschärften Gesetze in der Form nicht mehr erscheinen.

„Schon zu meiner Zeit war die Meinung darüber so geteilt, daß das, was für mich nur die schlichte Feststellung der Unverträglichkeit der Rassen war, wenn sie in einer gemeinsamen Umwelt leben, vom größten Teil meiner Zeitgenossen als Aufruf zum Rassenhaß und als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgelegt wurde.“

Dieser Ausspruch Raspails spricht Bände über die Mentalität, welche bereits zu damaliger Zeit in Europa herrschte. Es sei eine alptraumhafte Vision gewesen, die ihn zum Schreiben des Buches veranlasst habe. Das Heerlager erzählt die Geschichte der Invasion Europas durch eine gewaltige Flotte, welche aus über einer Millionen Indern besteht. Die Masse besteht aus ausgehungerten und verelendeten Subjekten aus der Unterschicht, Krüppel, „Unberührbare“ und ähnlicher Elendsobjekte. In Europa sehen sie das ihnen versprochene Paradies. Ihr Plan, mit alten Dampfern der Kolonialzeit die Reise anzubrechen, erfährt vor Ort große Unterstützung durch säkular-humanistisch gesinnte Intellektuelle und Politiker. Einzig der europäische Konsul stellt sich der Menschenmasse in den Weg, als sie die Schiffe besteigen will. Mit einem verzweifelten Schuss streckt er einen der Millionen Inder nieder, um von der Menge verzehrt zu werden. Auf ihrem Weg nach Europa hält die Armada nichts auf. Lediglich ein Schiff verliert sie aufgrund der Überlastung durch die Masse. Die europäischen Länder sind nicht willens, ihre Marine zum Schutze der Heimat einzusetzen. Lediglich Ägypten schickt ein Marineboot gegen die Armada, um Sorge dafür zu tragen, daß die Flotte weiter nach Europa fährt und nicht in Ägypten an Land geht. Das bezeichnende an der Erzählung ist, daß die europäischen Führer und Eliten nichts unternehmen, um die Flotte aufzuhalten. Im Gegenteil, die Invasoren werden als die neuen – besseren – Europäer gepriesen. Lediglich eine handvoll aufrechter Männer greift zu den Waffen und stellt sich der anrückenden Menschenflut. Doch dies nur, um am Ende von ihren eigenen Landsleuten durch einen militärischen Luftschlag vernichtet zu werden. Die Parallelen zu unserer Zeit sind unübersehbar, oftmals gar eins zu eins übertragbar. Fast möchte man behaupten, Raspail sei Hellseher. Markant ist vor allem das Verhalten des Papstes im Buch, welchen sich der derzeitige Usurpator des Thrones Petri offensichtlich realiter zum Vorbild genommen hat. So sieht Raspail im säkularisierten Christentum auch den Hauptgrund für das Versagen der europäischen Völker bei dem Abwenden der Katastrophe. Für die Männer Europas gibt es im Heerlager keine weltliche Hoffnung mehr. Die Offenbarung des Johannes findet verstärkt motivische Anwendung im Buch. Das entchristlichte Europa ist reif für die Schlachtung. Die Endzeit ist angebrochen.

„Was ich nicht begreifen kann, was mich in einen Abgrund betrübter Ratlosigkeit stürzt, ist die Frage, wie und warum so viele mit den Fakten vertraute Franzosen und so viele französische Politiker wissentlich, methodisch und auf geradezu zynische Weise die unausweichliche Opferung eines bestimmten Frankreichs (laßt uns an dieser Stelle auf das Adjektiv ‚ewig‘ verzichten, das so viele zarte Gemüter reizt) auf dem Altar eines überspitzten utopischen Humanismus vorantreiben. Ich stelle mir dieselbe Frage angesichts der allgegenwärtigen Organisationen, die bald für dieses, bald für jenes Recht streiten, all der Stiftungen, Denkfabriken und subventionierten Ämter, der Netzwerke aus Manipulatoren, die jedes Rädchen des Staates infiltriert haben (Bildung, Verwaltung, politische Parteien, Gewerkschaften etc.), der zahllosen Antragsteller, der korrekt gleichgeschalteten Medien und all dieser Vertreter der ‚Intelligenz‘, die Tag für Tag ungestraft ihr betäubendes Gift in den immer noch gesunden Körper der französischen Nation spritzen.“

Raspail verwendet in seinen Büchern neben royalistischen und monarchistischen vor allem katholische Elemente. Manch einer mag ihn als Nostalgiker bezeichnen. Allerdings ist fraglich, inwiefern dies trifft. Es geht Raspail um die Seele und das Herz Europas, das, was Europa zu dem gemacht hat, was es (nicht mehr) ist. Für Raspail steht fest, daß diese Seele der Katholizismus ist. Die Geschichte Europas als Geschichte der Katholischen Kirche im Zusammenspiel mit den Königshäusern. Ohne diese Seele sei nach Raspail Europa dem Untergang geweiht. Allerdings lässt er eine seiner Figuren betonen, dass für ihn ein Unterschied zwischen katholisch und Christ sein besteht. Für ihn geht es weniger um die Religion, als um eine traditionalistische Weltanschauung. So ist das Heerlager auch ein einziger, letzter Abgesang auf das Abendland.

Auf die Frage, was er sein möchte, antwortete Raspail in seiner auf Deutsch publizierten Aufsatz- und Interviewsammlung „Der letzte Franzose“:

„Bischof. Ich wäre gern ein bedeutender katholischer Prälat, herrlich anzusehen, unnachgiebig im Dogma, vierzig Personen zu Tische empfangend, umgeben von Dienern mit weißen Handschuhen, in einem prächtigen Bistum…“

Ein Roman Raspails, welcher seinen katholischen Royalismus vollst zum Ausdruck bringt, ist Sire, welcher die abenteuerliche Reise eines jungen Bourbonenprinzen durch Frankreich bis zur Kathedrale Notre Dame de Reims erzählt, wo er schließlich im Geheimen zum König geweiht wird. Der Roman spielt im Jahre 1999, 175 Jahre nach dem letzten französischen König. Neben den Versuchen des Geheimdienstes, die Krönung zu verhindern, behandelt Raspail insbesondere den Werteverlust, den moralischen Zerfall Frankreichs, aber auch die zunehmende Geschichtsvergessenheit. Die Europäer fühlen sich weder mit ihren Völkern, noch ihrem Vaterland mit seiner Geschichte verbunden.

„Die Mehrheit hat die Liebe für ihr Vaterland vollständig verloren.“

Da er den Menschen als Geschöpf Gottes sieht, ist Raspail die moderne Lustgesellschaft, welche durch eine Mischung aus Liberalismus und Nihilismus gekennzeichnet ist, höchst zuwider. Der Mensch hat für ihn als Gottesgeschöpf die Pflicht, entsprechend für sich selbst Sorge zu tragen.

„Jeder Mensch ist zuerst König seiner selbst, ihm ist eine geistige Vorherrschaft über sich selbst aufgetragen, die eine heilige Ordnung ist. Darin liegt auch der Grund, warum ich bestimmte moralische Entartungen – wie etwa Homosexualität und Drogenkonsum – nicht mag. Das ist kein moralistisches Urteil, das ich hier fälle; aber derlei Dinge bedeuten eine Besudelung dessen, was uns in diesem inneren Königreich anvertraut wurde, und das schön ist.“

Ein weiterer Punkt, welchen er als große Bedrohung ansieht, ist die Vermassung der Völker, das heißt die Auslöschung des Individuums. Neben der rassischen Botschaft ist dies auch die Hauptbotschaft des Heerlagers, die fremden Völker treten weniger in ihrer spezifischen Eigenart als Inder, Afrikaner oder Moslem auf, sondern als gesichtslose, anonyme Masse. Wie eine Flut ergießen sie sich über Europa und begraben jeden, der in ihrem Weg steht. Neben dem Überlebenskampf der europäischen Völker ist es auch der Kampf der Persönlichkeit, des Charakters und des wertvollen Menschens gegen die Diktatur der Masse. Exemplarisch verdeutlicht er dies in seinem Essay „Die Tyrannei des Duzens“. In ihm beschreibt Raspail die Verelendung der französischen Sprache, insbesondere die schädlichen Konsequenzen, welche sich aus dem verstärkten Duzen und Vernachlässigung des Siezens ergeben. Ebenso beklagt er die Übertonung des Vornamens, wobei der Familienname meist vollkommen untergeht.

„Offenbar fühlen sich die Leute in dieser Anonymität wohl. Darin schwimmt es sich vortrefflich, da kann man sich genußvoll im Strom treiben lassen, da schlägt man keine Wellen, man gleicht tausend anderen, und man verspürt keinerlei Drang, seinen Namen gleich einem Banner aufblitzen zu lassen und dieses Banner über dem Getümmel zu errichten.“

Wer in Raspails Werken den Ansporn zum Sieg auf realpolitischer Ebene sucht, tut dies vergeblich. Für Raspail begehen wir in unseren Tagen den Endkampf Europas, welcher jedoch aus weltlicher Sicht schon entschieden ist. Es ist das Transzendente und Heilige, welches manchem Hoffnung schenken könne. Ein gläubiger Patriot, welcher aus christlichen, insbesondere katholischen, Quellen Kraft schöpfen kann, vermag in Raspails Werken trotz allem Pessimismus die nötige Zuversicht und Kraft gewinnen, in diesen dunklen Tagen den Ravelin wider alle Hoffnungslosigkeit besetzt zu halten. Für den politischen Streiter jedoch, welcher den Sieg in dieser Welt davonzutragen gewillt ist, kann Raspails Werk leicht als defätitisch unbrauchbar, ja gar schädlich erscheinen. Alain de Benoist nannte Raspail den „Propheten des Untergangs“. Mit Raspail führt man die Banner Europas in die letzte Schlacht, jedoch nicht wieder aus ihr heraus. Doch ist dieser Untergang noch einmal ein letzter Abgesang auf die einstige Größe, die Idealisierung jener wenigen Getreuen, die die Fahne bis zur letzten Sekunde hochhalten. So kann man aus Rapails Werken nicht nur eine defaitistische Haltung herauslesen, sondern auch einen trotzigen Stolz, sich, seinen Werten und seinem Erbe bis zum bitteren Ende treu zu bleiben. Die grade einmal 20 letzten Verteidiger Frankreichs, die sich am Ende des Heerlagers der Vernichtung Europas entgegenstellen, wissen genau, dass es ihr Untergang sein wird. Doch einem modernen Nibelungenlied gleich bleiben sie auf ihrem Posten und versuchen erst gar nicht, den herannahenden Flugzeugen zu entkommen. Ihr eigener Stolz, vor sich selber zu bestehen, sich treu zu bleiben. ist stärker als jeder schändliche Versuch, noch einmal mit dem Leben davon zu kommen. Diese moralische Größe, die auch in der europäischen Geschichte unzählige Vorbilder hat – man denke, um bei Frankreich zu bleiben, nur an die Freiwilligen der „Charlemagne“, die sich in den Kessel von Berlin 1945 hineinkämpften, um bis zur letzten Patrone Widerstand zu leisten –  mag Beispiel für manchen sein, der angesichts eines scheinbar übermächtigen Feindes aufgeben mag.

„Der Westen ist hohl. Er hat keine Seele mehr. Ob es um Nationen, um Rassen und Kulturen oder um das Individuum geht, es ist immer die Seele, die die entscheidenden Schlachten gewinnt. Bei uns vermag ich kaum noch etwas davon zu erkennen.“

Das wir uns als Nationalrevolutionäre nicht unbedingt allen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen Raspails anschließen, ändert nichts daran, dass er einer der wenigen Großen der politischen unkorrekten Schriftsteller der heutigen Zeit ist. Als 91-jähriger Franzose der traditionellen französischen Rechten ist es nicht weiter verwunderlich, dass für ihn Katholizismus und Royalismus wichtige Bezugspunkte sind. Große Teile der französischen Rechten haben bis heute den Untergang des Ancient-Regime nicht verkraftet, ihren vollkommen richtigen Kampf gegen die Nachfolge der Revolution von 1789 wird nicht mit modernen, revolutionären Ideen gekämpft, sondern mit einem Zurück zu den Zuständen vor der Revolution. Einzig in den Straßenkämpfen des 6. Februar 1934, als die revolutionäre französische Jugend aufstand, und in den  Verschwörern der Organisation de l´armee secrète und ihrem Putsch von 1961 lässt sich so etwas wie ein Aufflammen des revolutionären Kampfeswillen sehen. Heute scheint sich Frankreich zunehmend dem langsamen Wärmetod (Konrad Lorenz) hinzugeben. Es wird sich zeigen, ob nach den verlorenen Präsidentenwahlen am 7. Mai noch einmal eine letzte Chance kommen wird  und sich noch einmal eine erneuerungswillige Jugend zusammenfindet, die die Fahne aufhebt und sich dem Untergang entgegenstellt, oder ob Frankreich als europäische Nation und die französische Kultur und das französische Volk untergehen.