Kampf um ar-Raqqa

Im Krieg in Syrien hat die Schlacht um die selbsternannte Hauptstadt des sogenannten „Islamischen Staat“ (Daesh) begonnen. Die Stadt wurde von den US-unterstützten kurdischen Truppen der „Syrian Democratic Forces“ (SDF) umstellt und nach und nach wird Stadtteil um Stadtteil eingenommen.

Dabei kommt es zu hohen zivilen Opferzahlen aufgrund amerikanischer Luftangriffe. Da sich die Daesh-Terroristen unter den Zivilisten verstecken und die Zivilbevölkerung zum Widerstand aufgefordert haben, ist ein „sauberer“ Krieg beinahe unmöglich. Eine Erfahrung, die auch die russische und syrische Armee schon machen mussten, mit dem Unterschied, dass westliche Medien gerne über die angeblich rücksichtslose Kriegsführung der Syrer herziehen. Damit soll das Bild vom volksfeindlichen Diktator Assad gezeichnet werden, dem gegenüber die „freiheitsliebenden und demokratischen“ Rebellen gestellt werden. Allein in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai jedoch kamen bei Luftangriffen der US-geführten Anti-Daesh-Mission über 100 Menschen ums Leben.

Zu schweren Luftangriffen der syrischen und russischen Luftwaffen kommt es insbesondere in der Region um Daraa, die eine der Keimzellen des Aufstandes in Syrien war.

Im Westen des Gouvernements Raqqa sind derweil sowohl Truppen der syrischen Armee als auch der SDF auf dem Vormarsch. In atemberaubendem Tempo verliert Daesh hier Dorf um Dorf, Stadt um Stadt und Stellung um Stellung. Die letzten im Gouvernement Aleppo befindlichen Daesh Truppen drohen eingekesselt zu werden.

In der Region um Tabqa am Assad-Stausee kam es unterdessen zu einem Vorfall zwischen syrischer Armee und amerikanischer Luftwaffe. Ein amerikanisches Militärflugzeug hatte ein syrisches Flugzeug abgeschossen, da es laut den Amerikanern kurdische Stellungen attackieren wollte. Die russische Armeeführung dementierte dies und erklärte, das Flugzeug wollte einen Angriff gegen Daesh fliegen. Als Reaktion auf die neuerliche US-Aggression setzte die russische Armee erneut das Abkommen zur gemeinsamen Luftraumzusammenarbeit aus.

Der Vorfall stellt keinen Einzelfall dar. Die Amerikaner gehen seit dem Amtsantritt Donald Trumps weitaus offensiver und vor allem unverhohlener in Syrien vor, als noch unter dessen Vorgänger Barack Obama. Im Süden Syriens, bei at-Tanf, haben die Amerikaner einen großen Militärstützpunkt errichtet, der nahe an der Grenze zu Jordanien liegt. Von dort aus werden neue Rebelleneinheiten ausgebildet und vorerst gegen Daesh eingesetzt.
Unverkennbar ist jedoch der langfristige Planungsansatz hinter der US-kontrollierten Zone: Die Amerikaner setzen alles daran, auch nach dem Ende von Daesh in der Region präsent zu bleiben. Die Syrer betrachten die Zone in den Regionen Rif-Dimaschq und Homs jedoch als unrechtmäßige Landnahme. Aus diesem Grund gab es schon mehrere Versuche die Region einzunehmen, die jedoch alle schon in weiter Distanz in der Wüstengegend vereitelt wurden.

Östlich davon ist es der syrischen Armee jedoch erstmals gelungen, einen Anschluss an die irakische Grenze zu erkämpfen. Auch dies könnte strategisch wichtig werden, da es eine Nachschubroute zu den Iranern ermöglicht.

Daesh gelingen unterdessen nur sehr selten leichte Ersatzangriffe für Raqqa und da der Fall der Stadt sich andeutet, setzt man nun alles daran, Deir-ez-Zor einzunehmen. Die Stadt liegt nach wie vor mitten im Daesh-kontrollierten Gebiet und ein Erfolg hier könnte ein wichtiges Zeichen in die eigenen Reihen der von Niederlage zu Niederlage getriebenen Terroristen sein.

Ein weiterer Rückschlag ist auch der angebliche Tod des schon oftmals für ausgeschaltet erklärten selbsternannten Daesh-Kalifen al-Baghdadi. Dieser soll bei einem Luftangriff getötet worden sein.

Ein vor kurzem erschienener Artikel im „Wall Street Journal“ zeigt unterdessen, dass Israel diverse Rebellengruppen in einem weitaus größerem Ausmaß als angenommen unterstützt. Ziel der Israelis ist es unter anderem, die Hisbollah klein zu halten und die Achse Hisbollah – Syrien – Iran zu schwächen. Zahlreiche Rebellengruppen sind willkommene Handlanger. Israel versorgt Rebellen mit Lebensmitteln, Munition und Geld. Zudem wurden etwa 3.000 verletzte Rebellen seit 2013 in israelischen Krankenhäusern behandelt. Der Kommandeur der Gruppe Fursan al-Joulan, Abu Suhayb bekannte beispielsweise, dass seine Einheit monatlich etwa 5.000 Dollar von Israel erhalte. Fursan al-Joulan, die etwa 400 Kämpfer umfasst, ist eine Gruppe in der Region Quneitra, nahe dem von Israel besetzten Gebiet. Moatasam al-Golani, Sprecher der Gruppe, sagte: „Israel steht auf heroische Weise an unserer Seite“. Weiter führt er aus: „Wir würden nicht überleben ohne Israels Hilfe“.

Die türkisch-unterstützten Rebellen in Nordwest Syrien liefern sich derzeit Feuergefechte mit kurdischen Truppen in der Region Afrin. Das kleinere der beiden kurdisch-kontrollierten Gebiete (neben Kobane) war lange Zeit eine eher ruhigere Gegend, nun kommt es zu anhaltendem beiderseitigen Artilleriebeschuss, begonnen durch türkische Angriffe.