Die europäische Politik mit den Augen des Auslands betrachtet – Das politische System des Westens als abschreckendes Beispiel (Teil 1)

Deutschland ist seit 1945 kein souveräner Staat mehr, sondern ein im Sinne des „nation building“ geschaffenes Besatzungskonstrukt. Die von den West-Alliierten planmäßig betriebene Umerziehung sollte darin ihren Abschluss finden, dass die Deutschen diese nach Ende der offiziellen Besatzungszeit fortan in eigener Regie betreiben. Angesichts der bedingungslosen Westbindung der im Zuge der Entnazifizierung ausgetauschten Eliten mit all ihren Facetten kann dieser Prozess als erfolgreich abgeschlossen gelten.

Den übrigen europäischen Mächten erging es allerdings nicht viel besser. Vom zweiten dreißigjährigen Krieg 1914-1945 ausgelaugt, sanken die einstigen Großmächte in einem im Endergebnis vergleichbaren Maße zum geopolitischen Anhängsel der, seit dem Zusammenbruch des Ostblocks, einzig verbleibenden Supermacht USA herab. Wirtschaftlich ist Deutschland und Europa ein Riese, politisch und militärisch dagegen ein Zwerg.
An diesem Zustand soll nach dem Willen der europäischen Eliten nichts geändert werden. Das Bekenntnis zur „westlichen Wertegemeinschaft“ unter Anerkennung der unangefochtenen Führungsrolle der Vereinigten Staaten wird auf allen Ebenen als unumstößliche Selbstverständlichkeit dargestellt, so dass Ansätze zur Eigenständigkeit Europas als unabhängige Großmacht ausschließlich an den politischen Rändern gedacht werden.

Dabei ist die Nibelungentreue zum „großen Bruder“ aus Übersee für einen Großteil unsere aktuellen Probleme verantwortlich und schadet den ureigenen Interessen der europäischen Staaten und ihren Völkern. So waren es die USA, die auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland drängten, obwohl diese in erster Linie die europäische Wirtschaft treffen. Es waren die USA, die durch mutwillig angezettelte Kriege Nordafrika und den Nahen Osten destabilisierten und damit die anhaltende Asylflut auslösten. Es ist auch die einseitige Parteinahme zugunsten Israels, verbunden mit dem kulturellen Imperialismus des „american way of life“, die die islamische Welt in zunehmende Feindschaft gegen uns treibt. Von den verursachten Problemen ist in den USA wenig zu spüren. Tausende Kilometer von den Orten des Geschehens entfernt, von Ozeanen im Westen und Osten und vom verbündeten Kanada im Norden geschützt, ist es Europa, das die amerikanischen Suppen auslöffeln muss.

Behindert werden die europäischen Nationen dabei nicht nur durch das militärische Übergewicht der USA, sondern vor allem durch die geistigen Beschränkungen der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“. Was hierzulande seit 70 Jahren als unumstößlich und alternativlos, nämlich als die ultimative Lehre aus der bis 1945 eigenständigen europäischen Geschichte gilt, nämlich das bedingungslose Bekenntnis zum „Westen“ und dessen heiligen Kühen Parlamentarismus, Liberalismus und Kapitalismus, wird andernorts ebenso wachsam wie kritisch beäugt. Wo alle einer Meinung sind, wird meistens gelogen. Ein Blick von außen lässt oftmals deutlich werden, was den im Hamsterrad Gefangenen verborgen bleibt.

Einen solchen tiefen Blick von außen auf Europa und seine Entwicklung der letzten Jahrzehnte unternahmen unlängst chinesische Vordenker in der 10. Ausgabe des Parteimagazins Hongqi Wengao (Manuskript der Roten Fahne) der kommunistischen Partei Chinas.

Es ist vor allem die Politik des „großen Austauschs“ in Form der Duldung millionenfacher illegaler Einwanderung, die als Moment der Destabilisierung wahrgenommen wird. Die Asylflut und das mit ihr eingetretene Chaos habe in direkter Konsequenz zum Austritt Großbritanniens aus der EU und zum Erstarken von fundamentaloppositionellen Bewegungen geführt. Am Ende könne durchaus auch der Zerfall der EU stehen, denn die Asylkrise sei auf bereits vorher vorhandene Krisenerscheinungen gestoßen, die durch den Kontrollverlust drastisch verstärkt worden seien.

Als solche benannt werden insbesondere die schweren wirtschaftlichen Lasten, die Infiltrierungen von Terroristen mit Flüchtlingsstatus nach Europa, das größer gewordene Ungleichgewicht der ethnischen Zusammensetzung und der rasante Aufstieg des Populismus.

Angesichts dieser bereits vorhandenen Probleme hätte die Politik mehr Vorsicht walten lassen müssen, um unkontrollierbare Kettenreaktionen zu vermeiden. Doch davon keine Spur.

Teil 2 folgt …

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