Die Opioide-Schwemme und ihre Profiteure

In den letzten Jahren hat in vielen Ländern der „westlichen Welt“ die Zahl der Drogenkonsumenten und Drogentoten stark zugenommen. Betroffen ist neben vielen anderen Staaten auch die BRD – in viel schlimmerem Ausmaß jedoch die USA. Millionen US-Amerikaner, insbesondere aus der Mittelschicht, sind abhängig von Heroin oder Schmerzmitteln. Die Politik spricht mittlerweile sogar von einer Epidemie.

Allein 2015 wurden in den USA so viele Schmerzmittel verschrieben, dass rechnerisch jeder Einwohner drei Wochen lang rund um die Uhr damit versorgt werden könnte. Es gab in dem Jahr unfassbare 52.000 Drogentote – an einer Opioide-Überdosis sterben im Schnitt 91 Personen pro Tag.

Doch warum sind gerade die USA Spitzenreiter auf diesem Gebiet? Wer hier nachforscht, muss vor allem auf den Umgang des Landes mit Schmerzmitteln achten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Morphium zum Trend – schnell gespritzt ist der Patient kostengünstig und glücklich schmerzfrei. Ein Trend, der damals keineswegs auf die USA beschränkt war – die Schmerzmittelgabe gehörte auch in Deutschland lange Zeit zur Normalität. Gerade im Zweiten Weltkrieg wurde insbesondere auf die Vorteile geschaut und so auch Mittel, die wir heute als illegale Drogen klassifizieren, leichtfertig vergeben. Die Schattenseite dieser Medikation fiel jedoch schnell ins Auge: die Patienten brauchten immer häufiger das Medikament und stets eine höhere Dosis.

Nachdem die Gefahr der Abhängigkeit erkannt wurde, ächteten viele die Substanzen – was in vielen Ländern heute noch der Fall ist. Nur unter strengsten Bedingungen wurden die Medikamente freigegeben.

Ein Leserbrief und seine Folgen

Doch in den USA begann 1980 eine Umkehr. Ein Arzt namens Hershel Jick recherchierte darüber, bei wie vielen Patienten in der Klinik, wo er tätig war – die Opioide erhalten hatten – Vermerke über eine Abhängigkeit vorlagen. Ein niedriges Ergebnis war der Fall und der Arzt schrieb einen kurzen Leserbrief darüber an eine medizinische Fachschrift, die ihn schließlich abdruckte.

Die laienhafte Studie wurde vermehrt aufgegriffen und rasch verbreitet. In mehr als 600 Fachaufsätzen wurde der knappe Zweizeiler als Beweis für die angebliche Unbedenklichkeit von Opioiden aufgeführt. Weitere – wenig aussagekräftige – Studien folgten und die Sicht der US-Amerikaner auf das Thema veränderte sich.

Nun schlug die Stunde der Firma Purdue Pharma. 1996 brachte sie das Schmerzmittel Oxycontin auf den Markt. Obwohl Oxycontin als Droge Klasse 2 eingestuft wurde, vertrieb Purdue Pharma das Medikament auch bei leichten Beschwerden. Die Makler der Firma wurden zum Vertrieb angestachelt und ihnen winkte eine großartige Gewinnspanne. Nicht selten wurden sie mit Sprüchen wie: „$$$$$$$$$$$$$ It’s Bonus Time in the Neighborhood!“ angeschrieben. Und tatsächlich: Das Geschäft florierte. Das Unternehmen verteilte Startersets an Arztpraxen und brachte eigene Medizinschulungen für Ärzte heraus.

Die Erkenntnisse aus den früheren Schmerzmittelepidemien wurden belächelt, als „Opiophobie“ verlacht und die Droge verschrieben, was das Zeug hält. Es dauerte nicht lange, bis sich die negativen Folgen bemerkbar machten. Patienten, denen das Mittel nicht mehr verschrieben wurde oder die sich ihre Schmerzmittel nicht mehr leisten konnten, stiegen auf den Schwarzmarkt oder auf Drogen wie Heroin – frisch aus Mexiko geliefert – um.

In Amerika stiegen die Gewinne von Purdue von wenigen Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf über 31 Milliarden Dollar im Jahr 2016. Doch der Triumphzug von Purdue Pharma hat grade erst begonnen. Über Subfirmen werden neue Märkte erschlossen, vor allem in Brasilien, China und Mexiko.

Doch wer steckt hinter der hierzu Lande nur Insidern bekannten Firma?

Purdue Pharma gehört der Sackler-Familie. Ein Familienclan aschkenasischer Juden, denen die Firma zu 100 Prozent gehört. Ihr Vermögen wird laut dem Forbes auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Etwa 20 Familienmitglieder teilen die Gewinne unter sich auf.

Der CEO – also der Chef des operativen Geschäfts von Purdue Pharma – ist Dr. Craig Landau. Er hat seine medizinische Ausbildung an der Icahn Mount Sinai School of Medicine, New Yorks jüdischer Medizinschule gemacht, und stammt wie die Sacklers von der amerikanischen Ostküste. Carl Icahn, Namensgeber der Universität ist ein bekannter jüdischer Investor, der bislang erfolglos versuchte bei Purdue mit einzusteigen.

Schon 2007 wurde Purdue in einem großen Prozess verklagt, der das Produkt aber offenbar nicht weniger rentabel machte. Vertreter von Purdue waren damals: Michael Friedman, Präsident der Firma, Howard R. Udell, Topanwalt des Unternehmens und Dr. Paul D. Goldenheim, ehemaliger Medizindirektor. Friedman ist Mitglied der Agudath Shalom Vereinigung Stamford und vertreten im Rat der Hebräischen Universität Jerusalem. Howard R. Udell war Jude und verstarb 2013 in New York. Er diente schon früh der Sackler-Familie, war etwa 30 Jahre lang bei Purdue Pharma und war unter anderem an der Sacklermedizinschule Tel Aviv vertreten. Dr. Paul D. Goldenheim arbeitete in vielen Bereichen für Purdue Pharma, jedoch auch in weiteren Medizinunternehmen. Zu dem verfasst er medizinische Aufsätze. Seine Ausbildung machte er unter anderem am Beth Israel Institut in Massachusetts.