Nationalisten gewinnen Wahlen in Korsika

Nachdem schon die erste Wahlrunde klar an die korsischen Nationalisten ging, gewannen diese nun auch die zweite Wahlrunde – und zwar mit einer absoluten Mehrheit. 56,5 Prozent der Wähler stimmten in der zweiten Runde für das nationalistische Bündnis von Gilles Simeoni und Jean-Guy Talamoni.
Nach der ersten Runde vor einer Woche lagen die korsischen Nationalisten mit ihrer Liste „Pè a Corsica“ (Für Korsika) klar vorne und erzielten 45 Prozent der Stimmen. Die nationalistischen Parteien – darunter linke wie rechte – unter ihren Anführern Gilles Simeoni und Jean-Guy Talamoni streben eine größere Autonomie für Korsika an, aber wollen im Gegensatz zu den Katalanen vorerst keine vollständige Loslösung von Frankreich.
Notwendig wurde die Wahl aufgrund einer Verwaltungsreform, da die zwei korsischen Départements zukünftig eine Region bilden. Dahinter stand in der Vergangenheit durchaus auch der Pariser Gedanke, Autonomiebestrebungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ab dem 1. Januar 2018 besteht Korsika aber dann nur noch aus einer einzigen Verwaltungseinheit, für die jetzt in zwei Runden 63 Abgeordnete gewählt wurden.
Gilles Simeoni, der seit 2015 Präsident der korsischen Territorialverwaltung ist, sagte vor der Wahl: „Es geht heute nicht um die Unabhängigkeit, daran denkt nur eine Minderheit, in unserem Bündnis bilden die Befürworter einer Autonomie die Mehrheit. Wir wollen, dass Korsika in den nächsten zehn Jahren vollständig autonom wird, mit allen Rechten und Handlungsmöglichkeiten. Diese Forderung wird auch von anderen politischen Bewegungen getragen, bei der Linken wie bei der Rechten, die Mehrheit der Korsen will es so. Und ich hoffe sehr, dass wir diese Forderungen bei den Verhandlungen mit der französischen Regierung werden durchsetzen können.
Die Nationalisten haben drei Hauptforderungen aufgestellt:
Im Zuge der Autonomie Korsikas muss Frankreich die korsische Sprache neben dem  Französischen als offizielle Sprache anerkennen. Außerdem fordern die Nationalisten die Freilassung korsischer Häftlinge aus den Gefängnissen auf dem französischen Festland. Die Nationalisten fordern für ihre Unabhängigkeitskämpfer, die sie richtigerweise als politische Häftlinge ansehen, Amnestie. Die Nationalisten fordern darüber hinaus eine völlige Steuerhoheit Korsikas und ein Vorkaufsrecht der Einheimischen beim Kauf von Immobilien auf Korsika – um gegen wohlhabende Franzosen vom Festland eine Chance zu haben.
Nun gilt es abzuwarten wie der französische Präsident Macron auf das klare Wählervotum reagiert und ob er zu Verhandlung bzgl. der Autonomie Korsikas bereit ist.
Jahrzehntelang kämpften auf Korsika Befreiungsgruppen gewaltsam für eine Unabhängigkeit von Frankreich. Die wichtigste Untergrundgruppe, die nationale Befreiungsfront Korsikas (FLNC), erklärte im Sommer 2014 das Ende des bewaffneten Kampfes.





3 Kommentare

  • Vom Standpunkt des straff geführten Nationalstaates sind Autonomiebestrebungen nicht begrüßenswert:

    durch den deutsche Partikularismus (Kleinstaaterei) stehen heute z. B. Luxemburg, Liechtenstein, die Schweiz und die Niederlande außerhalb des deutschen Staates und wurdem ihm in dieser Zeit entfremdet. Dieser Vorgang der Entfremdung – d. h. das Verblassen des Zusammengehörigkeitsgefühls – ist für den Nationalstaat als Ganzes schädlich. Die Staatskunst besteht darin, dieses Gefühl nicht einschlafen zu lassen. Was wird die Mehrheit der Franzosen sagen, wenn „korsische Nationalisten“ in einigen Jahren ihre Abspaltung vom Mutterland verkünden? Auch Napoleon war Korse. Hat er für den Ruhm Korsikas oder Frankreichs gekämpft? Der Einwand wird sein: „ja, aber wenn die Mehrheit ..?“. Die Mehrheit entscheidet nicht immer im Sinne des Ganzen …

    Für ein Europa der Vaterländer? Nun, dann muss man aufpassen, wo man Autonomie gewährt. Schnell ist der nächste Schritt Separatismus bzw. ein Ausscheiden aus dem einheitlichen Staatsgebilde. Wie ihr selbst schreibt: „… aber wollen in Gegensatz zu den Katalanen VORERST keine vollständige Loslösung von Frankreich.“ Oft werden die Kräfte der Autonomie/des Separatismus ja auch von außen geschürt. Man denke an die Bestrebungen des Rheinland-Separatismus in den 20-er Jahren, dessen Hauptunterstützer (und Hauptnutznießer) Frankreich war. Preußen war den Alliierten schon immer ein Dorn im Auge, weil es zahlreiche deutsche Kleinstaaten einschmolz (Königreich Hannover, Oldenburg usw.), um sie alle dem Ganzen (Deutschland) unterzuordnen.

    Auch die politischen Hintergründe in Korsika halten hier evtl. noch einige Überraschungen bereit …

    P 15.12.2017
    • Bei deiner Betrachtung vergisst du völlig die völkische Komponente. Die Korsen sind keine Franzosen, genau wie die Katalanen keine Spanier sind. siehe hierzu unseren Artikel zum Thema Katalanien.

      Daher greift das gängige Argument der Abspaltung Bayerns von Deutschland nicht, da dies kein eigenes Volk ist. Es sind Deutsche.

      App-04 15.12.2017
      • Die völkische Komponente kenne ich bei Korsen und Katalanern nicht so genau, ihr mögt recht haben. Ansonsten wissen wir: auch völkisch nicht kongruente Volksteile können volksstreu (straatstragend) sein. Würden z. B. die Sorben in Deutschland rebellieren und unter Berufung auf ihr völkisches Anderssein Autonomierechte fordern, so wäre das dem deutschen Staat nicht förderlich. Ich bin Befürworter der Umsiedlungslösung: Sprachinseln und/oder sonstige versprenkelt siedelnde Minderheiten sollten, wo das möglich ist, geschlossen in ihre Mutterländer überführt werden (wie dies ab 1940 von D versucht wurde, s. Wolhyniendeutsche).

        P 17.12.2017