Buchbesprechung: „Obersturmführer Klemens Behler – vorgeschobener Beobachter mit Ritterkreuz“

Wer das idealtypische Erscheinungsbild des fanatischen Soldaten der Waffen-SS beschreiben möchte, dem fällt sofort das bekannte Plakat „Eintritt ab dem vollendeten 17. Lebensjahr“ ein. Darauf ist der spätere Ritterkreuzträger Klemens Behler zu sehen, dessen Biographie vom bekannten Militärhistoriker Ralph Tegethoff vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Der in Bochum geborene Behler wächst in einem patriotisch eingestellten Elternhaus auf. Es verwundert daher kaum, daß er die Laufbahn eines haupt-amtlichen HJ-Führers einschlagen will. Doch der sich entwickelnde Zweite Weltkrieg durchkreuzt seine Pläne und es erfolgt stattdessen seine Freiwilligen-meldung zur Waffen-SS.

Am 1. August 1940 wird Behler Soldat bei der Leibstandarte-SS „Adolf Hitler“ in Berlin-Lichterfelde. Wenige Tage nach seiner Einberufung besucht Professor Ottomar Anton die „LAH“ und hält Ausschau nach einem Modell, das er für ein Werbeplakat der Waffen-SS porträtieren möchte. Seine Wahl fällt auf den jungen Bochumer, der ihm zuvor bereits bei Übungen aufgefallen ist. Das fertige Plakat wird erstmalig im darauffolgenden Sommer, nach dem Beginn des Kampfes gegen die Sowjetunion, in der Öffentlichkeit zu sehen sein.

Nun wird es auch für Behler ernst: Nach neunmonatiger, gründlicher Ausbildung wird die „LAH“ im Mittelabschnitt der Ostfront und in der Südukraine eingesetzt. Schon bald erleidet er eine schwere Verwundung und wird zur Ersatzbatterie der SS-Artillerieschule I versetzt. Wegen guter Führung geht es für Behler danach zur Führerausbildung an die Junkerschule Bad Tölz. Der frischgebackene SS-Untersturmführer findet schon bald an der Front Verwendung als vorgeschobener Beobachter („VB“) aber auch bereits als Batterieführer. Neben einem übermächtig erscheinenden Gegner sind es vor allem die klimatischen Verhältnisse, die den Männern zu schaffen machen. Es folgen die ersten Auszeichnungen für Behler, wie das Eiserner Kreuz II. Klasse (2. Mai 1943) und das allgemeine Sturmabzeichen in Silber (August 1943).

Um die Jahreswende 1943/1944 wird Behlers Artillerie-Regiment in das neu aufgestellte III. (german.) SS-Panzerkorps übernommen, die neue Bezeichnung lautet SS-Art.Rgt.54 „Nederland“. In der Beurteilung eines Vorgesetzten heißt es über Behler: „Während der Absetzbewegungen vom Oranienbaumer Kessel hatte Behler erneut Gelegenheit, mit dem ihm eigenen Draufgängertum seine persönliche Tapferkeit sowie seine schneidige Einsatzbereitschaft unter Beweis zu stellen. […] Ohne zu zögern ging Behler sofort nach Einbruch der feindlichen Kräfte zum infanteristischen Einsatz über. Er fasste versprenge Teile der Infanterie zusammen und setzte sich mit ungefähr 20 Mann im Westteil des Ortes zur Verteidigung fest. […] Fünf Stunden leistete Behler so mit seiner Gruppe dem Feind energischen Widerstand und verließ als letzter Führer mit seiner Gruppe Keikino.

In den schweren Kämpfen erwirbt sich Behler die Nahkampfspange in Bronze. Im weiteren Verlauf der Einsätze im Nordabschnitt der Ostfront kämpft er mit seiner Batterie am Narwabrückenkopf und erfährt, mit welchem Mut der Verzweiflung seine baltischen Kameraden der Waffen-SS, aber auch die Zivilbevölkerung versuchen, ihre Heimat vor dem drohenden kommunistischen Schicksal zu bewahren.

Es folgen die ersten Kurlandschlachten, weitere Auszeichnungen und Beförderungen. Schließlich erwirbt er sich durch sein unerschrockenes Handeln das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. SS-Sturmbannführer Hofer begründet dies wie folgt: „Zu Beginn der 4. Kurlandschlacht am 23. Januar 1945 zerschlug Obersturmführer Klemens Behler, Chef der 3. Batterie des SS-Artillerieregiments 54 „Nederland“, durch wirksame Feuerleitung im Raum Perekuln mehrfach starke feindliche Angriffe auf die Hauptkampflinie. Am folgenden Tag drückte der Gegner beiderseits die Hauptkampflinie ein. Klemens Behler setzte die artilleristische Feuerleitung über Funk auf starke Sowjetkräfte in den Einbruchsstellen fort. Nachmittags erzwang er im Nahkampf den Ausbruch aus der Igelstellung und richtete seine B-Stelle in der Nähe seiner Feuerstellung auf den Höhen von Ozoli ein. Dort verhinderte er durch sein entschlossenes Eingreifen mehrmals das Auseinanderbrechen der Hauptkampflinie.“ Eine schwere Kopfverwundung mit Beschädigung der Schädeldecke ist der Preis, den Behler für seinen Einsatz bezahlt, dennoch ist der Transport in ein Heimatlazarett wie eine Lebensversicherung für ihn. Am Abend des 22. März 1945 wird ihm in einer schlichten Zeremonie das fünf Tage zuvor genehmigte Ritterkreuz überreicht. Obwohl er gerade erst mit dem Leben davongekommen ist, hält es Behler nicht mehr im Lazarett aus. Die letzten Kriegstage verbringt er bei seinen Kameraden im berüchtigten Kessel von Halbe.

Bezeichnend für die Kriegsgeneration ist es, daß Männer wie Behler auch im Zivilleben nach dem Krieg schnell wieder Tritt fassen. Der Westfale studiert Maschinenbau und ist beruflich sehr erfolgreich. Was zudem für heutige Verhältnisse undenkbar ist: Behler nimmt an insgesamt zwölf Reserveübungen der Bundeswehr teil und wird 1974 sogar zum Oberstleutnant der Reserve befördert.

Ralph Tegethoff beschreibt minutiös und stets sehr spannend den militärischen Werdegang eines Soldaten, den die Opferbereitschaft für sein Vaterland immer wieder ganz knapp am eigenen Tod vorbeiführt. Eine große Anzahl an Photos, Urkunden und weiterem exklusivem Material macht die Lektüre zu einem Erlebnis. Vielleicht wird der Erdenball nie wieder Männer sehen, die imstande sind, Ähnliches zu leisten.

Erschienen im Balmung Verlag, 2017 – 118 Seiten, 160 Bilder und Dokumente, Atlas-Großformat – 23,90 EUR





1 Comment

  • Das Buch ist absolut zu empfehlen. Obersturmführer Klemens Behler hat einen sehr interessanten Lebenslauf vorzuweisen, der gute Einblicke in die Welt der SS gibt und aufzeigt, was Mut, Willensstärke, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen alles auf die Beine stellen können. Auch ist der Obersturmführer das Idealbild des nordischen Menschen, welches gut den Unterschied zu anderen Rassen vermittelt. Leider ist er 1998 zur großen Armee abberufen worden, aber vergessen werden wir nie.

    Kai 14.03.2018