Vor 100 Jahren: Wie die SPD-Führung Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hinrichten ließ

Barrikadenkämpfe während des Aufstands.

 

Spartakusaufstand/Bürgerkrieg

Nachdem die Novemberrevolution 1918 in Deutschland ausgebrochen war, wurde eine provisorische Regierung (Rat der Volksbeauftragten) aus SPD und ihrer Abspaltung der USPD gebildet. Diese Regierung zerbrach aber an den unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Regierungsform. Die SPD unter Friedrich Ebert entschied sich für die parlamentarische Demokratie, die USPD für das Rätesystem. Als sich die Meinungsverschiedenheiten zuspitzten, traten die USPD-Mitglieder aus der provisorischen Regierung aus. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (Jüdin) gehörten zu einem Zirkel innerhalb der USPD, der sich Spartakusbund nannte. Zur Jahreswende hatten sie in Anwesenheit einer Delegation aus Moskau unter Führung von Karl Radek (Jude) die KPD gegründet. Da Liebknecht und Luxemburg die parlamentarische Demokratie ablehnten, wollten sie die freien Wahlen am 19. Januar verhindern und den Rat der Volksbeauftragten mit Waffengewalt stürzen. Ihre Losung lautete „Alle Macht den Räten! ” Es war abzusehen, dass ihre Macht durch die freien Wahlen geschmälert werden würde, weil auch bürgerliche Parteien an ihnen teilnahmen.

Am 4./5. Januar 1919 begann in Berlin der sogenannte „Spartakusaufstand“ auch „Januaraufstand“ genannt. Nachdem der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn (USPD)(Jude) vom preußischen Innenminister Paul Hirsch (SPD)(Jude) in Absprache mit dem Rat der Volksbeauftragten abgesetzt wurde, kam es zu Protesten gegen die Absetzung. Die USPD organisierte zusammen mit den Revolutionären Obleuten eine Demonstration in deren Zug Berliner Druckereien und Verlagshäuser besetzt wurden. Unter anderem wurde die Druckerei des SPD-Blattes „Vorwärts“ besetzt.

Die KPD-Führer brauchten eigentlich mehr Zeit um den Umsturz zu organisieren, gerieten aber in Zugzwang und beteiligen sich am Aufstand. Um die Januarkämpfe zu leiten wurde im Polizeipräsidium ein Revolutionsausschuss aus 33 Personen gebildet. Ihm gehörten Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck von der KPD an. Die Leitung hatten Karl Liebknecht von der KPD , Georg Ledebour von der USPD (Jude) und Paul Scholze von den Obleuten inne. Sie erklärten die Regierung für abgesetzt und sich selbst für die neue Regierung: „Der unterzeichnete Revolutionsausschuß hat die Regierungsgeschäfte vorläufig übernommen.“

Es erklang immer wieder der Ruf, sich zu bewaffnen. In einer am 6. Januar gehaltenen Rede erklärte Liebknecht: „Es heißt für uns, Gewehr bei Fuß stehen, aber auch Gewehr geladen. Es gibt keine Ruhe, es gibt keine Rast, bis unser Ziel erreicht ist, bis die Regierung Ebert-Scheidemann der Abscheu der ganzen Welt geworden ist. Es lebe die Weltrevolution[…].

Die USPD, KPD und die Obleute riefen am 8. Januar gemeinsam dazu auf, die Regierungsmitglieder zu ermorden: „Sie gehören ins Zuchthaus, aufs Schafott“ und „Gebraucht die Waffen gegen eure Todfeinde.“

Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) wurde vom Vorsitzenden der provisorischen Regierung Friedrich Ebert (SPD) beauftragt den Aufstand niederzuschlagen. Am 10. Januar erteilte Noske den Befehl, mit Freikorpseinheiten und regulären Truppen die von den Kommunisten besetzten Gebäude zu räumen. Am 10. Januar eroberte die Brigade Reinhard das spartakistische Hauptquartier in Spandau. Bis zum 11. Januar wurde das Gebäude des „Vorwärts“ vom Regiment Potsdam erobert. Weitere Gebäude und Straßen im Zeitungsviertel wurden bis zum 12. Januar erobert. Am 13. Januar rückten die umliegenden Truppen in die Stadt ein.

Den Männern der Freikorps, die zum größten Teil aus Frontsoldaten bestanden, war es keine Motivation, der SPD aus ihrer misslichen Lage zu helfen, die ohne die Soldaten keine Chance gehabt hätte, das Land zu regieren. Ihre Motivation war vielmehr eine Bolschewisierung Deutschlands zu verhindern. Schließlich machte die um die Jahreswende 18/19 von Liebknecht und Luxemburg gegründete KPD keinen Hehl daraus, dass sie sich Russland als Vorbild nahm, wenn sie der Parteibezeichnung „KPD“ noch „Sektion der Kommunistischen Internationale“ anhängten. In Russland herrschte seit der Oktoberrevolution Mord und Terror. Sie fragten sich: Sollte dies auch mit Deutschland geschehen? Sollten uns die regieren, die durch ihre Novemberrevolution erst das Chaos möglich machten und den Hunger nach Deutschland zurückbrachten? Karl Liebknecht rief schon am 8. April 1916 von der Tribüne des Reichstages zur Revolution auf. In der skandinavischen Zeitung „Frederiksborg Avis“ vom 9. März 1916 war ein Interview mit Liebknecht abgedruckt. Liebknecht: „Es ist hoffnungslos, ein Ende des Krieges zu erwarten, wenn das revolutionäre Proletariat nicht eingreift.“ Auf die Frage, wann dieses Eingreifen stattfinden werde, antwortete er: „ Das können wir nicht mit Bestimmtheit wissen. Nur wissen wir: es ist schon auf dem Wege. Und die Straßenkundgebungen, die sowohl an Größe wie an Heftigkeit zunehmen, sind die Sturmzeichen, die sein Nahen verkünden…“ Und so kam es, dass im November 1918 nicht die Feindmächte Deutschlands in Berlin einmarschierten, ja überhaupt keinen Fuß in Deutschland setzten, sondern Berlin von Deserteuren und Meuterern aus Deutschland selbst übernommen wurde. Siehe folgenden Artikel: Vor 100 Jahren: Das Ende des Ersten Weltkrieges.

 

Hinrichtung von Liebknecht und Luxemburg

Eine etwas spezielle Organisation war die Garde-Kavallerie-Schützen-Division unter ihrem Hauptmann Waldemar Pabst. Sie war im Grunde auch gar keine Freikorpseinheit, sondern eine reguläre Heeresdivision, die nicht demobilisiert wurde. Die SPD brauchte einen Schutz gegen die Kommunisten und die Oberste Heeresleitung bot ihn ihr. Pabst und die Garde-Kavallerie-Schützen-Division wurden von Großindustriellen finanziert, die fürchteten, dass sie bei einer Machtübernahme der Kommunisten ihr Vermögen verlieren würden. So wurden sie finanziert von Hugo Stinnes, Othmar Strauß (Jude) und Salomon Marx (Jude).

Nach der Niederschlagung des Aufstandes am Abend des 15. Januar wurden Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Wilhelm Pieck bei Pabst, im Eden-Hotel, wo sein Stab Quartier genommen hatte, abgeliefert. Die drei Kommunistenführer wurden verhört. Pabst rief Noske in der Reichskanzlei an und verlangte einen Erschießungsbefehl. Noske konnte dem nicht nachkommen. Das Gespräch soll wie folgt abgelaufen sein:

Pabst: »Ich habe Luxemburg und Liebknecht. Geben Sie entsprechende Erschießungsbefehle.« Noske: »Das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben. Rufen Sie doch Lüttwitz an, er soll den Befehl geben.« Pabst: »Einen solchen Befehl kriege ich von dem doch nie! « Noske: »Dann müssen Sie selber wissen, was zu tun ist.«

 

Gustav Noske bei der Besichtigung des Freikorps Hülsen in Berlin. (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R27092 / CC-BY-SA 3.0 )

 

Noske gab keinen Befehl. Er wollte die Verantwortung nicht tragen. Pabst sollte ohne Befehl handeln. Noske schrieb später in „Von Kapp bis Kiel“:

„Daß im Eden-Hotel, wo sich der Stab der Division einquartiert hatte, manches getan und geplant wurde, was außerhalb des ihm [Pabst] gesteckten Rahmens lag, ist mir nicht unbekannt geblieben.“

Pabst bestätigte das Gespräch in seinen Memoiren. Er schrieb, dass die „Exekution“ durchgeführt werden musste, darüber bestand bei Herrn Noske und mir nicht der geringste Zweifel, als wir über die Notwendigkeit der Beendigung des Bürgerkrieges sprachen. Aus Noskes `Andeutungen´ musste und sollte ich entnehmen, auch er sei der Ansicht Deutschland müsse so schnell wie möglich zur Ruhe kommen. (…) Über das `dass´ bestand also Einigkeit. Als ich nun sagte, Herr Noske, geben Sie bitte die Befehle über das `Wie’, meinte Noske: `das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben. Das soll der General tun, es sind seine Gefangenen.´”

Als sich Pabst dazu entschlossen hatte zu handeln, dachte er sich für Liebknecht und Luxemburg fingierte Todesursachen aus. Liebknecht sollte „auf der Flucht“ erschossen worden sein und Luxemburg, da sie hinkte und die Flucht daher nicht in Frage kam, sollte beim Transport ins Gefängnis von einem Unbekannten “aus einer erregten Menschenmenge heraus” erschossen worden sein. Pieck habe aufgeschnappt, dass er auch erschossen werden sollte, tat alles dies zu verhindern und kam frei. Laut Pabst habe er “seine eigenen Genossen in einem Umfange verraten, der es uns ermöglichte, die weiteren Aufstände in Berlin rasch niederzuschlagen.“

Weil der Eisenbahnreferent der Division Hauptmann Petri nichts von der bevorstehenden Exekution wusste, befürchtete er, Liebknecht und Luxemburg könnten freikommen. Daher bestach er den Posten vor dem Eden-Hotel Otto Runge, die beiden zu töten.

Otto Runge, der als Posten vor dem Eden-Hotel abgestellt wurde, traktierte die Gefangenen mit seinem Gewehrkolben als sie einzeln herausgeführt wurden. Liebknecht wurde dann planmäßig von Heinz von Pflugk-Harttung, Ulrich von Ritgen, Heinrich Stiege (Vierteljude) und Rudolf Liepmann (Jude) erschossen. Luxemburg wurde ein so heftiger Schlag mit dem Gewehrkolben versetzt, dass diese ohnmächtig wurde. Nachdem man sie fortfuhr, wurde sie vermutlich von Herman Souchon erschossen und ihre Leiche in den Landwehrkanal geworfen.

Zur Vertuschung der Tat wurde eine Presseabteilung unter dem Pabst-Vertrauten Friedrich Grabowski (Jude) gegründet, um schon am nächsten Morgen die falsche Version veröffentlichen zu können.

Am nächsten Tag, dem 16. Januar, kam Pabst in die Reichskanzlei. Noske und Ebert gaben ihm die Hand. Was geschehen war, ließ sich nicht verbergen. Es gab zu viele Zeugen im Hotel. Die Gesprächsteilnehmer wollten keinen Prozess, aber der Druck durch die Öffentlichkeit war zu groß. Man einigte sich auf ein kriegsgerichtliches Untersuchungsverfahren. In Abstimmung mit dem neuen Reichsjustizminister Otto Landsberg (Jude) von der SPD wurde nicht die Strafjustiz, sondern das Feldgericht der Garde-Kavallerie-Schützen-Division selbst tätig. Pabst hatte den Anwesenden auch gedroht, falls man ihn verhafte, stehe seine Division schon bereit, um den Reichstag zu besetzen und ihn zu befreien. Für eine Befreiungsaktion hatte er schon Truppen bereitgestellt.

Am 8. Mai 1919 kam es zum Prozess. Man hielt im Grunde über sich selbst Gericht. Am Kopfende des Gerichtssaal hing ein übergroßes Bildnis von Wilhelm II. . Einer der Richter war Wilhelm Canaris, Offizier aus dem Stab der Division (Canaris war später Leiter des militärischen Geheimdienstes der Wehrmacht und Verschwörer gegen Hitler). Pabst (der nie Angeklagter war, sondern nur Zeuge) und Canaris unternahmen alles, die wahren Umstände zu verschleiern. Das Urteil des Gerichts: Otto Runge, der Luxemburg schwer misshandelte, wurde wegen Totschlags zu zwei Jahren Gefängnis und der Transportführer Vogel wegen Beiseiteschaffen einer Leiche und Falschmeldung zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Der Verteidiger Fritz Grünsbach (Jude) bestach Runge mehrfach mit Schweigegeld, damit dieser nicht über seine Kollegen redete und gab ihm Instruktionen, wie die, auf unzurechnungsfähig zu plädieren. Man hatte sich durch die geheimen Medizinalräte Leppmann (Jude) und Straßmann (Jude) die Unzurechnungsfähigkeit Runges bescheinigen lassen, um die Strafe abmildern zu können. Weil Vogel seine Strafe als ungerecht empfand und nach dem Urteil auspacken oder ins Ausland gebracht werden wollte, fand man eine andere Lösung. Er wurde mit gefälschten Überstellungspapieren aus dem Gefängnis befreit und ins Ausland gebracht. Canaris organisierte einen gefälschten Pass und die falschen Überstellungspapiere mit Noske als vermeintlichen Auftraggeber. Seitens der Kommunisten kam es zu Protesten über die Prozessführung und das Urteil. Da die Angelegenheit aber von der SPD gedeckt wurde, legten der Reichspräsident und der Justizminister keinen Einspruch gegen den Prozess ein.

Nach Pabst Ansicht, hätte sich die SPD nicht ohne den Einsatz von militärischen Kräften halten können. Er schrieb später in einem Brief an den Verleger Heinrich Seewald. „Es wird Ihnen nicht allzu schwer fallen, aus diesen Zeilen zu erkennen, warum ich bisher noch nie von der alten SPD gerichtlich verfolgt worden bin, ebensowenig Canaris u.s.w. nie Schwierigkeiten hatten.“

In der Nachkriegszeit gab Pabst mehrere Interviews, in denen er das Geschehen schilderte und etwas mehr Licht in das Dunkel brachte. Nach seinem Tod fand man im Nachlass auch die Abschrift eines Briefes vom 26.06.1969:

„Der Noske war damals vorbildlich und die Partei (bis auf ihren halbkommunistischen Flügel) hat sich in dieser Affäre damals tadellos benommen. Dass ich diese Aktion ohne Noskes Zustimmung gar nicht durchführen konnte (mit Ebert im Hintergrund) und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben es begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin und warum die kriegsgerichtliche Verhandlung so verlaufen ist, Vogel aus dem Gefängnis befreit wurde u.s.w., alles ohne ernsthaften Widerspruch der Regierung. Als „Kavalier“ habe ich das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.“

Handschriftlich notierte Pabst auf einem Brief Dieter Ertels vom 09.01.1969:

„Die Tat war geschehen auf meine Veranlassung und nicht ohne Kenntnis höherer Stellen, sonst hätte man wohl kaum vor meiner Person Halt gemacht!!“

Die SPD und vor allem Ebert und Noske waren mitverantwortlich für das Geschehene, für die Hinrichtung und die Verschleierung. Hätten sie kein schlechtes Gewissen gehabt, hätten sie den Notstand ausgerufen und das Standrecht verhängt. So aber schufen sie ein Schmierentheater der Korruption. Diese Art der Politik hat sich bei der SPD bis heute gehalten. Ihr Ziel hat sie damals aber erreicht. Nach den Wahlen Anfang des Jahres wurde Ebert Reichspräsident und sein Parteikollege Philipp Scheidemann Regierungschef.

Es obliegt dem Leser selbst zu entscheiden, ob es notwendig war, bei der Rettung Deutschlands vor dem Bolschewismus zwei Märtyrer entstehen zu lassen. Den weiteren Bürgerkrieg hat es jedenfalls nicht verhindert. In den darauffolgenden Monaten kam es zu den sogenannten Märzkämpfen. In Berlin starben über 1200 Menschen. Auch hier retteten die Freikorps und regulären Truppen Deutschland vor der Machtübernahme der Kommunisten. Man darf bei der Auseinandersetzung nicht vergessen, warum die Weimarer Republik überhaupt nach Weimar benannt ist und nicht nach der Hauptstadt Berlin. Berlin war wegen der kommunistischen Umsturzversuche zu unsicher für die Nationalversammlung geworden. Die Nationalversammlung tagte daher auch unter dem Schutz der heute so verhassten Freikorps in Weimar.





2 Kommentare

  • Ein sehr aufschlußreicher Bericht der von den meisten Medien so nicht veröffentlicht wird. Die SPD war nie schuld an irgendetwas.

    Monarchist 15.01.2019
    • Die SPD und Liebkecht/Luxemburg haben die Novemberrevolution 1918 im Stillen vorbereitet, geplant und exekutiert. Dass Terroristen gegen den Staat hart behandelt werden, hat sich bis heute nicht geändert. Sie sind für unvollstellbares deutsches Leid verantwortlich, dass nach 1918 herrschte. Was dachten sich diese zwei Kanaillen? Jeder Terrorist bewegt sich stets auf denkbar dünnem Eis. Alle nach ihnen benannten Straßen, Parks, Einrichtungen usw. sollten schleunigst ihre alten Namen zurückerhalten (oder neue bekommen), damit die Namen Liebknecht und Luxemburg dem ewigen Vergessen anheimfallen können, wo sie hingehören.

      H 16.01.2019