Die Zerstörung Fuldas im Zweiten Weltkrieg

 

Ich nehme an, es ist klar, daß die Wohngebiete die Zielpunkte sein sollen, nicht etwa die Schiffswerften oder Flugzeugfabriken. Generalstabschef der britischen Luftwaffe, Charles Portal, am 15. Februar 1942

 

September 1944

Noch im Sommer 1944 war die kleine Domstadt Fulda mit ihren 34.000 Einwohnern von den Wirren des Krieges verschont geblieben. Nur einzelne Bomber, die auf dem Rückweg von ihren Zielen weiter west- oder südwärts noch nicht alle Bomben abgeworfen hatten (z.B. weger schlechter Sicht), luden ihre Fracht über der Stadt ab. Die Schäden waren gering. Dies geschah so am 20.07.44. Zwei Reichsbahnangehörige und drei Ausländer starben. Dann aber sollte der 11. September 1944 kommen.

Die 8. US-Luftflotte startete mit über 1000 viermotorigen Maschinen und 663 Begleitschutzjägern den Angriff auf Treibstoffwerke im Reich. Deutsche Jäger gingen zum Gegenangriff über und fügten den Amerikanern schwere Verluste zu. Da 106 Bomber weder ihr Primärziel, noch ihr Zweitziel bombardieren konnten, luden sie die geladenen Sprengbomben nun auch über den Wohnvierteln Fuldas ab:

Fliegeralarm – Alles in die Luftschutzräume! Rauchzeichen am Himmel erscheinen. Nur noch Sekunden bis die Erde bebt. Türe schließen. Dann rauscht, pfeift und heult es. Jetzt kracht es und der Boden im Keller zittert. Das elektrische Licht flackert. Dann ein ohrenbetäubender Schlag. Das Gebäude wackelt. Die Druckwelle geht durch den Raum. Der Boden hebt sich kurz. Putz und Mörtel spritzen von der Decke. Das Licht ist aus. Frauen und Kinder schreien. Durch die Fenster spritzen die Funken der Bomben. Der Keller ist voll von Staub. Das Atmen fällt schwer. Taschentücher vor Mund und Nase helfen. Nach einiger Zeit geht es nach draußen. Nebel aus Staub erschweren die Sicht. Wo vorher Häuser standen, liegen nur noch Trümmer. Sofort beginnt das Bergen von Toten, Verletzten und Verschütteten. Häuser brennen. Zwischen den Ruinen liegen noch Blindgänger, die jederzeit hochgehen können. Im Keller des Knabenkonvikts schlug eine Bombe ein und tötete 22 Schüler mit ihrem Direktor. Fulda hatte sich sichtlich verändert. 27% Aller Gebäude wurden zerstört oder beschädigt. 341 Einwohner waren tot und 46 vermisst.

Tags darauf am 12. September: Während noch verschüttete Menschen geborgen wurden und die Aufräumarbeiten in Gang waren, kam es zu einem erneuten Angriff. Einige amerikanische Bomber wurden durch Vernebelungsaktionen der Hydrierwerke im mitteldeutschen Raum gestört und warfen dort keine Bomben ab. So wurde Fulda erneut das Ziel der amerikanischen Terrorflieger. Beim Rückflug warfen 46 Maschinen über 400 Sprengbomben ab und töteten 171 Menschen. An beiden Tagen starben 512 Menschen.

 

November 1944

Die Briten flogen mit ihren schweren Maschinen zunächst nur nachts, weil sie sonst leicht von deutschen Jägern heruntergeholt worden wären (Lancaster- und Halifax-Maschinen). Ende 1944 ging die Lufthoheit aber voll auf die Alliierten über und die Briten flogen auch tagsüber.

Der Oberbefehlshaber über die britischen Bomber, Arthur Harris, war bekannt dafür, Flächenbombardements auf Wohnviertel zu befehlen. Auf Drängen der Amerikaner sollte aber am 26.11.44 der Verschiebebahnhof in Fulda von den Briten ins Visier genommen werden. Diesmal war Fulda Primärziel. Geladen wurden neben 1000-Pfund und 500-Pfund Bomben auch die sogenannten „Wohnblockknacker“ mit 1812 kg Gewicht. Mitgeführt wurde eine neue elektronische Spezialausrüstung, das Radargerät GH. Mit ihm sollten die Bomber auch bei bedecktem Himmel (ohne Sicht) ihr Ziel finden. Der Himmel über Fulda war vollständig mit Wolken bedeckt, aber das neue Gerät hatte sich schon bei anderen Einsätzen bewährt. Kurz vor Fulda wurden die Impulse des Radargeräts aber immer schwächer. Die ersten Flugzeuge warfen ihre Bomben ab und setzten Luftmarkierungen für die anderen Bomber aus, die dann ebenfalls ihre Bomben abwarfen. Dann ging es zurück. Ein Besatzungsmitglied einer Lancaster erzählte über seine Ängste an jenem Tag. Vor der Flak hatten sie keine Angst, denn die Stadt war unverteidigt. Angst hatten sie vor den deutschen Jägern, besonders vor den neuen Düsenjägern, die wegen ihrer hohen Geschwindigkeit nicht vom Himmel geholt werden konnten und daher meist am Boden zerstört wurden. Die Piloten flogen an diesem Tag zurück, ohne zu wissen, was eigentlich passiert war. Wegen der zu großen Entfernung der britischen Bomber blieben die Signale der Führungsstation kurz vor Fulda aus. Die Bombenabwürfe zerstreuten sich. Die 1812 kg-Bomben, die normalerweise Gebäude im Umkreis von 80 Metern zertrümmerten, trafen ins Umland, ins freie Feld oder in wenig bebautes Gebiet. So entging die Stadt nur knapp der nächsten Katastrophe. Durch über 850 Bomben starben dennoch 13 Personen.

 

Dezember 1944

Am 27.12.44 sollte sich dann die nächste Katastrophe ereignen. Dies war der erste Angriff der Amerikaner mit Fulda als Primärziel. Bahnanlagen, Wohngebiete, Krankenhäuser wurden mit etwa 1400 Sprengbomben verwüstet.

Der Grezzbachbunker lag unter dem Verschiebebahnhof und bot für 1000 Personen Platz. Deutsche und Ausländer warteten dicht gedrängt auf das Ende des Angriffes. Plötzlich ist eine Detonation zu hören. Mörtel platzt von der Decke ab und das Gewölbe reißt auf. Es könnte einstürzen. Die Leute müssen raus. Dann eine zweite Detonation. Der Luftdruck schleudert die Menschen umher. Das Licht ist aus. Menschen schreien. Dann stürzt das Gewölbe ein und begräbt einen Teil der Schutzsuchenden. Der Eingang ist auch verschüttet. Wenn keine Hilfe kommt, droht den Überlebenden Tod durch Ersticken. Mit Spitzhacken und Schaufeln versucht man verzweifelt, den Weg von innen freizuräumen. Dieses Unterfangen muss aber aufgegeben werden. Das Atmen fällt immer schwerer. Bergungsmannschaften versuchen ihr Möglichstes voranzukommen. Sieben Stunden nach der Katastrophe kommt der Durchbruch. Eine halbe Stunde später verließen nur 68 Überlebende das Massengrab. An diesem Tag starben ohne Militärpersonen 707 Menschen, darunter 242 Ausländer.

 

Anfang 1945

In Fulda beerdigte man noch die Toten vom 27.12., als es am 03.01.45 erneut zu einem Angriff kam. Von der abgeworfenen Menge war dies der größte Angriff. 2425 Sprengbomben und 15.510 Stabbrandbomben wurden in 9 Minuten abgeworfen. Die für die Amerikaner schlechte Wetterlage verursachte eine große Streuung. 32 Bombenopfer waren zu beklagen. Im Februar und März gehen die Bombardierungen weiter. Am 25.03.45 sterben noch einmal 91 Menschen.

 

Bilanz

Seit dem 20.07.44 wurden 14 Luftangriffe auf Fulda geflogen. Die Geschichtsschreibung der BRD behauptet, die Angriffe galten ausschließlich militärischen Zielen. Dies wirkt merkwürdig, angesichts der Tatsache, dass die Wohnviertel der Stadt eingeäschert wurden. Kriegswichtige Fabriken, die die Alliierten mit einer hohen Priorität einstuften, gab es überhaupt nicht in Fulda. 22.000 Brandbomben und 12.000 Sprengbomben zerstörten vor allem Wohnungen und töteten Zivilisten. In einem Schreiben des Fuldaer Standesamtes vom 27.05.1946 an den Bürgermeister der Stadt werden 1396 Zivilisten genannt, die ihr Leben verloren. Getötete Militärpersonen wurden dem Standesamt nicht übermittelt und müssen hinzugerechnet werden. Alleine am 11./12. September starben 47 Militärpersonen. Die getöteten Militärpersonen der übrigen Bombardierungen können nur geschätzt werden. Insgesamt starben also über 1500 Personen. Fulda hat bei allen Städten unter 50.000 Einwohnern, abgesehen von Hanau, die meisten Luftkriegstoten zu verzeichnen.

Die Opfer des Bombenterrors waren vor allem Frauen, Kinder, Alte und ausländische Arbeiter. Oft wird in Geschichtsbüchern der BRD davon gesprochen, dass Zwangsarbeiter an den grausamen Arbeitsbedingungen gestorben sind. In Fulda hielten die Arbeiter, meist Russen und Polen, die Angriffe zusammen mit den Einwohnern in Schutzräumen aus. Jedes vierte Bombenopfer in Fulda war ein Ausländer.

Die Bombardierung der Wohnviertel hat nicht dazu beigetragen, den Krieg zu verkürzen. Sie stillte lediglich den Blutrausch von Deutschenhassern, die das deutsche Volk verschwinden sehen wollten.