Über rechte Punks und linke Spießer – Teil 3/4

Vielleicht noch wichtiger als die Verwirrungen der amerikanischen Rechten, ist der weitere Kontext, in dem dies alles stattfindet. Die Alt-Right ist die vielleicht erste wichtigere politische Bewegung, die sich in den Subkulturen des Internets formiert hat. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass man von fast schon zwei Internets sprechen könnte, nicht, weil sie getrennt existieren, sondern weil die Art und Weise, mit dem ihre jeweiligen Nutzer mit diesem Medium interagieren, völlig unterschiedlich ist.

Auf der einen Seite findet man das Netz, wie es von Menschen genutzt wird, die es am Rande als ein Werkzeug nutzen. Sie kaufen ein, lesen Nachrichten oder nutzen Facebook, Twitter oder Wikipedia. Aus der Sicht des anderen Internets ist das das „Normieland“ oder –„space“, wobei „Normie“ ein abwertender Begriff für all jene ist, die man in der Popkultur verordnen kann, und aus dem schon eine grundsätzliche Ablehnung des Mainstreams spricht.

Das andere Internet ist mehr als eine Sammlung von Diensten, sondern ganze digitale Parallelwelt mit ihrer eigenen Kultur und Sprache, Fraktionen, Politik und Kriegen, die sich über Jahrzehnte organisch gebildet haben und für Außenseiter nur schwer zu durchdringen sind. So ist beispielsweise das nie endende Gejammer der Medien über den Hass im Netz auf die dort gängigen Umgangsformen zurückzuführen, die vor allem eines sind: brutal.

In den Anfangszeiten des Internets entstanden die ersten großen Gruppierungen im Umfeld von Onlinespielen, deren Nutzer größtenteils aus pubertären jungen Männern bestanden, die entsprechende Umgangsformen an den Tag legten. Das Internet mag gewachsen sein, die damals etablierte Sprache hat sich aber gehalten und ist in jedem Aspekt der Netzkultur zu finden.

Dinge, die im echten Leben niemand leichtfertig aussprechen würde, gehören im Netz zum guten Ton. Todes- und Gewaltdrohungen, Beleidigungen und Provokationen, „Rassismus“ und „Homofeindlichkeit“ gehören zum Alltag und tragen dabei jedoch meist kaum mehr Gewicht als Sticheleien unter Freunden. Getrieben wird das Ganze von einem absolut nihilistischen Weltbild, das weder Moralvorstellungen noch Tabus anerkennt, mit Kinderpornographie als die vielleicht einzige Grenze.

Auch wenn es einige Ausnahmen gibt, zu denen wir noch kommen, ist das meiste was im Netz gesagt wird, wenig mehr als bedeutungsloser Unsinn und ohnehin interessierte sich kaum jemand dort für die politische und kulturelle Entwicklung in der realen Welt. Man war glücklich, im Internet die Flucht vor genau dieser gefunden zu haben und das Letzte, was man wollte, war, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Dem war zumindest so lange so, bis die reale Welt und ihre Politik den Weg ins Netz fanden und sich seinen Bewohnern aufzwangen.

Es ist noch gar nicht so lange her, vielleicht 10 Jahre, als sich in der weiteren Gesellschaft die Erkenntnis durchsetzte, dass Computerspiele, Comics und andere, ehemals verpönte jugendorientierte Randmedien, sich eigentlich schon vor etlichen Jahren zu Massenmedien gewandelt hatten. Mit Erschrecken stellte man fest, dass der Großteil dieser Medien die Bedürfnisse und Fantasien ihrer Zieldemografie, (junge, weiße) Männer befriedigten und dabei alles andere als politisch korrekt waren. Für besonderes Entsetzen unter linken Sittenwächtern sorgte die Rolle und Darstellung von Frauen, die allesamt Supermodels waren und deren einzige Daseinsberechtigung darin bestand, unter dem Einsatz exzessiver Gewalt, vom männlichen Protagonisten gerettet zu werden.

Schrecklich archaisch vor allem für solch moderne Medien dachte man sich, und die Apostel Adornos sandten ihre Prediger aus, um dies zu ändern, ganz vorne dabei Feministinnen wie Anita Sarkeesian und Zoe Quinn. Ihre Botschaft war einfach. Schämen sollten diejenigen sich, die an diesen Medien Freude fanden. Schlimme Menschen waren sie, die Frauen hassen und verachten würden. Auch mehr Minderheiten, Schwarze, Schwule und Transsexuelle müssten Repräsentation in diesen Medien finden und schlussendlich sollten doch bitte auch die Umgangsformen im Netz an die Bedürfnisse der Dauerempörten angepasst werden.

Wir erwähnten es bereits, aber wir wollen hier noch einmal explizit festhalten, dass ein Teil der Kritiker, darunter die erwähnte Anita Sarkeesian, noch nicht einmal aus dem Umfeld dieser Medien stammt, sie also von dem Problem, über das sie sich beklagten, gar nicht betroffen waren. Dies ist wichtig anzumerken, weil es die Natur der Kritik und den Charakter der involvierten Personen weiter verdeutlicht. Einfach gesagt: Linke Aktivisten sahen eine andere Gruppe Spaß haben, entschieden, dass sie damit nicht einverstanden seien, und machten sich daran, das zu tun, was Marxisten am besten können, die Welt noch ein wenig trostloser zu machen.

Den Konsumenten der betroffenen Medien war all dies zunächst noch völlig egal, dort stieß die Kritik auf taube Ohren. Bei den Unternehmen, bei denen die Kritiker ebenfalls vorstellig wurden, war dies jedoch anders. Diese meinten, um noch breitere Schichten erreichen zu können, müssten sie mit der Zeit gehen und setzten die Forderungen nach Vielfalt und Feminismus eifrig um, meist gegen den Willen ihrer alten Fans und diese nicht selten dabei sogar noch beleidigend.

Die Folgen für deren Marken kann man sich ausmalen, als die alten Zielgruppen sich vergrault fühlen, jedoch keine neuen kamen. Bis jetzt führte dies bei den wenigsten Unternehmen zu einem Umdenken, auch wenn nicht wenige rückläufige Verkaufszahlen und damit schmerzhafte finanzielle Verluste hinnehmen mussten.

Im Gegensatz dazu hat bei den Konsumenten sehr wohl ein Umdenken stattgefunden, nachdem sie feststellen mussten, dass sie ihre Welt, und sei es nur eine digitale, gegen die Vereinnahmung linksliberaler Kräfte schützen zu müssen. Es folgte ein Gegenangriff, der weite Teile des Netzes für liberale Aktivisten zu No-Go Areas machte und zu einem permanenten, manchmal kalten, manchmal heißen Krieg zwischen den Konsumenten auf der einen Seite und Medien, Unternehmen, sowie linken Aktivisten auf der anderen geführt hat. Die Konsumenten führen diesen Krieg mit ihrem Portemonnaie und einer nicht endenden Flut an Kommentaren und Videos, in denen sie ihren Unmut über die politische Korrektheit kundtun oder sich über diese einfach lächerlich machen. Ihre Gegner können dagegen nicht viel mehr tun, als die Kommentarspalten zu deaktivieren und über den Hass zu klagen, der ihnen entgegenschlägt.

Im Netz macht ein Bild seine Runden, welches sehr treffend die Gefühle beschreibt, die man im Netz linken Moralisten gegenüberbringt. Es zeigt einen traurigen Pepe the Frog, das Maskottchen der Gegenkultur des Netzes, in einer SA-Uniform und eine offensichtlich alternative Frau mit gefärbten Haaren und einem Galgenstrick um den Hals, vor dem Hintergrund eines hypothetischen vierten Reiches. Darunter die Bildunterschrift: „Warum habt ihr mich gezwungen, das zu tun? Alles, was ich wollte, war Videospiel zu spielen.“

Wie vieles im Netz ist die Aussage dieses und ähnlicher Bilder bis ins Extrem zugespitzt, doch in ihrem Kern transportiert sie eine wahre Botschaft.

Das Bild zeigt jedoch noch etwas, nämlich die seltsame Allianz, in der sich plötzlich Rechte, klassische Liberale und eigentlich unpolitische Normalbürger finden. Dies breite Spektrum ist auch der Grund, warum die Alt-Right, die zu einem gewissen Maß aus dieser Szene stammt und aus ihr rekrutiert, ein Sammelbecken für so unterschiedliche Strömungen und Charaktere ist. Es ist weniger ein politisches Ziel, das diese Menschen vereint, als vielmehr die Ablehnung des derzeitigen Systems.

Warum das alles wichtig ist? Weil dieses zweite Internet ein integraler Bestandteil der modernen Jugendkultur ist. Viele sind mindestens ebenso stark durch seine Kultur geprägt worden, als durch die ihrer Länder und Familien.

Die Folgen kann man am deutlichsten in der Unterhaltung sehen, die diese Generation für sich selbst auf Plattformen wie Youtube oder TikTok produziert. Vieles davon mag absolut belanglos sein, anderes jedoch nicht und so findet man Provokation, politisch inkorrekte Anspielungen oder gar offene Kritik, meist humorvoll verpackt, überall dort, wo es die immer strengere Zensur im Netz nicht sofort löscht. Dass dies bei Weitem keine Randerscheinung ist, zeigt sich am Erfolg des schwedischen Youtubers PewDiePie (Felix Kjellberg), welcher über 87 Millionen Abonnenten verfügt und mit seiner Satirenachrichtensendung Pew News regelmäßig mehr Menschen, vor allem Jugendliche, erreicht als manche Medienvertreter. PewDiePies Erfolg beruht darauf, dass er die Sprache des Netzes spricht und dessen kulturelle Gepflogenheiten versteht, wozu auch ein Humor gehört, der vor nichts zurückschreckt. So versuchte er beispielsweise über Fiverr (eine Seite zum Vermitteln von Dienstleistungen) zwei Inder dazu anzuheuern, ein Schild mit der Aufschrift „Tod allen Juden“ in einem Video zu präsentieren. Das Ganze war offensichtlich als Scherz gedacht und der Spruch einfach das Anstößigste, was ihm zu diesem Zeitpunkt einfiel. Das Originalvideo zeigt deutlich, dass er selbst nicht damit gerechnet hatte, dass die beiden seiner Aufforderung tatsächlich nachkommen würden.

 

Video des beschriebenen Vorfalls

 

Ein Zusammenschnitt weiterer Beispiele

 

Wie das zweite Video zeigt, war dies nicht das erste und letzte Mal, dass PewDiePie Witze auf Kosten der politischen Korrektheit machte und vor allem, dass diese Witze nicht selten eine unterschwellige Kritik der Zustände enthalten.

Aus diesen Gründen ist PewDiePie eine beliebte Zielscheibe für Presseschmierer, darunter Größen wie die Washington Post und das Wall Street Journal, die ihn als Nazi oder Extremisten darstellen wollen oder ihm zumindest Kontakte zur Alt-Right unterstellen.

Zum Missmut der Schreiberlinge hat dies seinem Erfolg wenig Abbruch getan, auch wenn Disney und Google/Youtube die Zusammenarbeit mit ihm eingestellt haben. Bei seinen Fans ist er jedoch nach wie vor beliebt und sein Kanal noch immer am Wachsen, während weltweit immer mehr Medienhäuser Journalisten vor die Tür setzten müssen.

Was die Anschuldigungen gegen PewDiePie angeht, zur Alt-Right zu gehören, muss man zuerst einmal ganz deutlich sagen, dass er als Person dieser nicht eindeutig zuzuordnen ist. Auch wenn die meisten es eigentlich besser wissen müssten, sollte man sich nicht vom Enthusiasmus überrumpeln lassen, wenn die Medien alles und jeden zum Nazi machen. Nur weil jemand einen dummen Spruch gemacht hat und dafür nun zum nächsten strammen Rechten erklärt wird, ist er noch lange nicht unser Freund. In Großbritannien betitelte die Presse erst vor Kurzem einen Mann als „Nazi Hassverbrecher“. Sein „Verbrechen“ (und ja er musste dafür eine Strafe zahlen): Er brachte seinem Mops bei, auf das Kommando „Sieg Heil“ die rechte Vorderpfote zu einem kruden Führergruß zu heben und stellte ein Video davon ins Netz. Er tat dies, um seine Lebensgefährtin zu necken, die, wie er, ebenfalls in dem Video erklärt, immer so von ihrem süßen Hundchen schwärmen würde, weshalb er dieses in „das am wenigsten süße Etwas verwandeln wollte“, das er sich vorstellen konnte, was für ihn ein Nazi sei. Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass das ein Witz auf Kosten der rechten Szene war. Kein normal denkender Mensch würde darin eine Befürwortung des NS oder rechter Politik sehen, es sei denn, man sehe in der Zuschreibung, das denkbar Unliebenswürdigste zu sein, ein Kompliment.

Für uns ist es an dieser Stelle egal, ob die Presse aus Dummheit so gehandelt oder bewusst gelogen hat. Festzuhalten ist, dass wir bei der Bewertung der Quantität und Qualität der neu entstandenen Gegenkultur kritisch vorgehen müssen, so sehr wir uns auch einen Durchbruch wünschen mögen.

In gewisser Weise ist aber auch nachvollziehbar, warum die Medien derart auf solche und ähnliche Vorfälle reagieren. Denn grundsätzlich ist diese Art des Humors, besonders der PewDiePies, sehr ähnlich zu dem der Alt-Right, was nicht verwundert, wenn beide derselben Subkultur entspringen.

Die beiden Gruppen haben sich auch weit weniger auseinanderdividiert, als man dies vielleicht glauben könnte, was zusammen mit der Tatsache, dass im Netz, zumindest in politisch inkorrekten Kreisen, die Berührungsängste zwischen Menschen unterschiedlicher politischer Gesinnung weitaus geringer sind als in der Realität. Im Netz debattieren auch mal klassische Liberale mit Vertretern der extremen Rechten, als sei es das Normalste auf der Welt. Dies führt dazu, dass es sehr einfach ist, fast schon ohne es zu merken, von einem Ende des „rechten“ Spektrums zum anderen zu kommen, denn die Übergänge sind nahezu fließend.

Der linke Mainstream hat natürlich erkannt, dass die Jugendkultur des Netzes dabei ist, sich in eine Richtung zu entwickeln, die nicht die ihre ist. Verzweifelt versuchen sie daher, mit Seiten und Kampagnen wie no-hate-speech.de ihrem Moralismus einen „coolen“ und „hippen“ Anstrich zu verpassen, scheitert damit jedoch auf ganzer Linie. Ihre plumpen Imitationen des Originals erinnern dann nicht selten an die unfreiwillig komischen Versuche konservativer Christen, die Jugend durch christlichen Rap oder Metall zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen.

Während Christen nicht verstanden haben mögen, dass die Grenzüberschreitung einen großen Reiz der Gegenkultur an sich ausmacht, kann man davon ausgehen, dass die moderne Linke dies sehr wohl weiß. Helfen tut ihr das jedoch herzlich wenig, denn es ist ihre hypersensitive Empörungskultur, die es ihr nicht erlaubt, irgendwelche Grenzen zu überschreiten, aus Angst irgendwessen Gefühle zu verletzen, denn wie die Linke selbst erklärt, ist das Verletzen von Gefühlen praktisch mit körperlicher Gewalt gleichzusetzen.

Dass die Linke diese hohen Standards nicht auf ihre Gegner anwendet und vor rein gar nichts zurückschrecken wird, um diese lächerlich zu machen, wissen wir alle. Doch wenn auf jedem Kanal, zu jeder Uhrzeit ein Witz über Trump oder die AfD dem nächsten folgt, dann wird dies nicht nur sehr schnell seinen Reiz verlieren, sondern im Gegenzug Leute dazu einladen, sich wiederum darüber lustig zu machen. Was genau das ist, was passierte, als das sogenannte NPC Meme vor einigen Monaten geradezu explodierte, gefolgt von der geistigen Gesundheit etlicher Journalisten.

NPC steht für Non-Player Character und bezeichnet eine Figur in Computerspielen, die nicht von einem Menschen kontrolliert wird und die meist nur über ein limitiertes und vorprogrammiertes Repertoire an Sprüchen verfügen, die sie endlos wiederholen. Das Meme stellt linke Journalisten, Promis und Politiker als solche seelen- und persönlichkeitslosen Automaten dar, die ihr Publikum mit den immer gleichen inhaltsleeren Aussagen füttern. Das Publikum wiederum wird ebenfalls als eine Ansammlung nicht denkender, austauschbarer Roboter dargestellt, die auf die ihnen zugeworfenen Schlagworte ebenfalls mit vorprogrammierten Antworten reagiert.

Die Presse war rasend vor Wut. Artikel über Artikel erschien, in denen sie über den Hass lamentierten, den man ihnen so ungerechtfertigt entgegenbringen würde. Für die, die sie mit diesen Bildern beglückten, war dies natürlich ein sicheres Zeichen dafür, einen Volltreffer gelandet zu haben, und verdoppelten daher ihre Anstrengungen, bis Twitter dem ganzen schließlich einen Riegel vorschob und rund 1500 Accounts bannte.

 

Ein Beispiel des NPC Memes. Achtung lautes Audio!

 

Zum Nachlesen: Teil 1, 2