Landraub in Mitteldeutschland: Großkonzerne setzen auf Boden

Große Konzerne aus dem Einzelhandel, der Pharmaindustrie oder der Immobilienbranche kaufen in großem Stil landwirtschaftliche Flächen in Mitteldeutschland auf. Konzerne wie Aldi, Munich Re oder die Zech Group profitieren von günstigen Bodenpreisen und ehemaligen „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG)“. Die Preise für Ackerland steigen dadurch deutlich in die Höhe und werden insbesondere für kleine und mittelständische Bauern unerschwinglich. Eine Studie des Thünen-Instituts zeigt auf, dass immer mehr mitteldeutsche Agrarbetriebe in der Hand von überregionalen Investoren sind.

 

Kapitalanlage deutscher Boden: ein angesagter Trend

Durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es für Investoren schwieriger geworden, zuverlässige Kapitalanlagen zu finden. Deshalb investieren Finanzhaie und Großkonzerne vermehrt in unkonventionelle Geschäfte wie die Pflegebranche oder Boden. Hier lassen sich zumindest momentan große Renditen erzielen. Während Land für mittelständige Bauernhöfe eine große finanzielle Belastung darstellt, haben große Konzerne riesige finanzielle Potenziale, die gewinnbringend eingesetzt werden sollen. Daher sind Landkäufe kein großes Risiko. Deshalb hat ein regelrechtes Rennen um den verfügbaren Boden eingesetzt, der die Preise in die Höhe treibt. So zeigt eine Statistik des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern, dass der durchschnittliche Verkaufspreis landwirtschaftlicher Flächen durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) von 5 400 Euro je Hektar 2007 auf fast 25 000 Euro je Hektar 2016 gestiegen ist. In Sachsen-Anhalt werden 23 000 Euro je Hektar aufgerufen und in Thüringen 17 000 Euro.

Auch der hohe Anteil fremder Investoren lässt sich durch Zahlen belegen. So hat das staatliche Thünen-Institut festgestellt, das 2017 34 Prozent von 853 untersuchten landwirtschaftlichen Betrieben in der Hand von überregionalen Investoren waren. Ein Anstieg um 12 Prozent im Vergleich zu 2007. 157 Firmen wurden in diesem Zeitraum übernommen – 42 Prozent davon von branchenfremden Investoren. In ganz Deutschland gehören mittlerweile mehr als die Hälfte der Agrarfläche Nichtlandwirten.

 

Krumme Geschäfte – Von der EU subventioniert

Um maximale Profite erzielen zu können, nutzen die Investoren zweifelhafte Tricks. So werden landwirtschaftliche Flächen nicht direkt gekauft, sondern Anteile an einer Agrargesellschaft mehrheitlich übernommen. So wird das Grundstückverkehrsgesetz ausgehebelt. Das 1961 erlassene Gesetz dient eigentlich dem Schutz der Landwirtschaft vor dem Ausverkauf ihres Bodens. Für den Aufkauf von solchen Gesellschaften bedarf es im Gegensatz zur direkten Investition in landwirtschaftliche Flächen keiner Genehmigung. Wenn Investoren nur 94,9 Prozent der Anteile kaufen, sparen sie sich zusätzlich die Grunderwerbssteuer. Auch die Gemeinden, in denen sich die Flächen befinden, zählen hierbei zu den Verlierern, denn Gewinne und Ertragssteuern fließen dorthin ab, wo der Investor seinen Sitz hat.

Wer viele Hektar Land besitzt, bekommt zudem auch viel Geld aus den Agrarsubventionstöpfen der EU. Denn die EU bezuschusst landwirtschaftliche Betriebe in erster Linie direkt nach Hektar. Für einen Hektar Land werden dieses Jahr 261 Euro aus Brüssel überwiesen. Davon profitieren natürlich bevorzugt große Landbesitzer und nicht kleine, oftmals ökologischer wirtschaftende Höfe. Unter den Top 15-Empfängern von Agrarsubventionen befinden sich neben Behörden auch Konzerne wie Landgard oder der schwedisch-dänische Milchbetrieb Arla oder Südzucker.

Ein Beispiel für einen branchenfremden Investor stellt die Munich Re dar. Der Münchner Rückversicherer hat einen Konzernjahresumsatz von 49,1 Milliarden Euro. Zum Konzern gehört unter anderem die Ergo Group. Die Munich Re investierte unter anderem in die Konkursmasse von Deutschlands ehemalig größtem Agrarkonzern, der KTG Agrar, und sicherte sich dort 2400 Hektar. Die Munich Re wandte den weiter oben beschriebenen Trick an, und sicherte sich 94,9 Prozent der Anteile der Tochtergesellschaft ATU Landbau. Die Munich Re ist eine Aktiengesellschaft, deren größter Anteilseigner die jüdische Fondsgesellschaft BlackRock ist.

 

„Raumgebundene Volkswirtschaft“ heißt deutschen Bauernstand stärken!

Die Partei „Der III. Weg“ fordert in Punkt zwei ihres 10-Punkte-Programms eine raumgebundene Volkswirtschaft. Großbetriebe sollen verstaatlicht werden. Die Landwirtschaft soll gestärkt werden. Anstatt deutschen Boden zum Spekulationsobjekt für kapitalistische Finanzhaie verkommen zu lassen, braucht es einen gesunden Mix aus staatlicher, kleiner und mittelständischer Landwirtschaft. Aus diesem Grund gehen Aktivisten der Partei immer wieder für die Interessen unseres Bauernstandes auf die Straße, der im kapitalistischen System zu den Verlierern zählt. Das Bauernsterben muss ein Ende haben um den freien, stolzen Bauernstand auf den Platz zu heben, der ihm gebührt. Unterstützt mit aller Kraft, die regionale Landwirtschaft!





1 Comment

  • Es herrschen Verhältnisse wie in den “Goldenen Zwanziger Jahren” in Berlin, als ganze Straßenzüge für ´nen Appel und ´n Ei den Besitzer wechselten.

    Nicht umsonst bekommt der Juso-Vorsitzende Kühnert hohe Sympathien, auch sein Vorschlag der Verstaatlichung der Großindustrie wie BMW, … , der wird – logisch – von der Hochfinanz (auch von der AfD!) verteufelt, ist jedoch in weiten Teilen des Volkes gut angekommen. Das weiß er auch und zeigt es durch sein Selbstbewußtsein. Zuspruch bekommt auch Die Linke für die ´Mietendeckelung´ in Berlin.

    Ganz wichtige Themen, die für das Volk von existentieller Bedeutung sind, mit denen Politik gemacht werden muß – auch wie in den zwanziger Jahren!

    WR 25.11.2019

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