CHAZ – Somalia statt Utopie (+Videos)

Ein “Sommer der Liebe” könne es werden. Das Ganze sehe eher wie ein Straßenfest aus und sei ganz sicher keine bewaffnete Übernahme und auch keine Militärjunta sei in ihren Straßen unterwegs. So schwärmte Seattles Bürgermeisterin Jenny Durkan über die als CHAZ oder CHOP bekannte Gegend in Seattle, in der Anarchisten, BLM Aktivisten, Hippies und Kommunisten eine autonome Zone ausgerufen hatte. Doch das Experiment von einem Leben ohne Polizei ist nach keinen drei Wochen schon in der harten Realität angekommen und liegt in tausend Scherben auf dem Boden. Die Geschichte von CHAZ sollte allen als Beispiel dafür dienen, was passiert, wenn schön klingende, aber ultimativ lebensferne Träume sich in der realen Welt beweisen müssen.

 

Hippies, Esoteriker und viele große Kinder

Eigentlich fing alles noch ganz lustig an in CHAZ (Capitol Hill Autonomous Zone) oder CHOP (Capitol Hill Organized Protest), wie die Gegend mittlerweile genannt wird. Dort kam es wie vielerorts in den USA zu Ausschreitungen nach dem Tod von George Floyd. Die Polizei versuchte sich diesen zunächst noch zu widersetzen, räumte jedoch schließlich das Feld und zog sich am 8. Juni aus dem Capitol Hill Bezirk zurück. Wer die Anordnung gab, das Polizeirevier im Zuge der Deeskalationsstrategie zu räumen, gilt als umstritten, da weder die Bürgermeisterin noch die Polizeichefin es gewesen sein wollen. In jedem Fall gab die Polizei bekannt, dass sie nur noch in Notfällen in die Gegend ausrücken würde. An ihrer Stelle besetzen Demonstranten, ein wilder Mix aus allem was die linke Szene in den USA zu bieten hat, die Polizeistation sowie um diese herum sechs Häuserblöcke und riefen eine polizeifreie Zone aus. CHAZ war geboren.

Mit das Erste, was die Demonstranten taten, war Barrikaden aufzurichten, die einige Zeit später sogar von bewaffneten Wachen bemannt wurden. Berichten zufolge sollen diese “Grenzposten” Einwohner dazu aufgefordert haben, sich auszuweisen, um zu beweisen, dass sie wirklich in der Zone wohnten. Wir wollen es uns natürlich an dieser Stelle nicht nehmen lassen auf die Ironie hinzuweisen, dass die radikalsten Anhänger einer Bewegung, die Grenzen zu jeder anderen Gelegenheit als nutzlos und böse erklärt, es nun selbst sind, die Grenzen errichten, sie von bewaffneten Männer bewachen lassen und nur die hereinlassen, die in ihren Augen das Recht dazu haben.

Hinter den Mauern spielten sich derweil neben den zu erwartenden Reden und politischen Diskussionen teils bizarre Szenen ab.

Das, was man im obigen Video bewundern kann, sind die Reste des ersten Versuches der Demonstranten, Lebensmittel anzubauen. Wie das folgende Bild zeigt, waren diese Versuche aber auch bevor Unbekannte sie zerstörten nicht sonderlich vielversprechend und muten eher an die Vorstellung eines Kindes von Gartenbau an.

Getrieben wurde dieser Versuch von der initialen Sorge Einiger, der autonomen Zone könnten die Lebensmittel ausgehen. Unbegründet war diese Sorge nicht, wurde Essen doch frei ausgegeben, was Medienberichten zufolge dazu führte, dass Obdachlose die Gelegenheit nutzten, um sich reichlich zu bedienen. So reichlich, dass am Ende nichts mehr da gewesen sein soll und die Umstürzler auf Twitter um Nachschub betteln mussten oder gleich Pizza bestellten. Nicht alle Geschmäcker waren jedoch so einfach zu befriedigen, weshalb einige nach nicht weniger als veganem Fleischersatz und Sojaprodukten riefen. Auch in der Revolution wollten scheinbar die gelangweilten Kinder der amerikanischen Oberschicht nicht auf den hippen Lifestyle verzichten. Zusammen mit den stümperhaften Versuchen im Gartenbau und der Ausgabe von Sprite in Plastikbeuteln statt Flaschen, war CHAZ zu diesem Zeitpunkt bereits zum Gespött im Netz geworden.

Zugegebenermaßen bestand nicht ganz CHAZ aus den gelangweilten Abkömmlingen der amerikanischen Oberschicht. Das nächste Video zeigt, dass zumindest einige tatsächlich wissen, was sie tun.

Wer das Video aufmerksam verfolgt hat, dem ist am Ende folgendes Schild ins Auge gefallen.

Ein Garten eigens für Indianer und Schwarze, denn die Apartheid von links neu zu etablieren ist scheinbar die neuste Front der Identitätspolitik. Klingt verrückt, doch in Kalifornien, dem linksliberalen Vorzeigebundesstaat der USA, ist man grade dabei, die Verfassung zu ändern, um Diskriminierung auf Basis von Rasse, Geschlecht, Nationalität, etc. zu erlauben. Alles im Namen der Gleichheit selbstverständlich. Ähnlich egalitär ging es bei einem „Heilkreis“ in CHAZ zu, bei dem nur „unterdrückte Minderheiten“ zugelassen waren, während Weiße sich schützend – man möchte fast schon sagen eine Mauer oder Grenze bildet – um die Unterdrückten stellen, um Eindringlinge abzuwehren. Weiter wurde die Forderung aufgestellt, dass jeder Weiße in CHAZ einem Farbigen Geld geben sollte.

Von einigen Lichtblicken abgesehen mochte man fast schon hoffen, Trump würde nicht seine Drohung wahr machen, das bunte Treiben zu beenden. Es hätte interessant werden können, welchen neuen Unfug man sich in CHAZ einfallen lässt. Ein kontrolliertes Experiment, an dem alle Welt sehen kann, was linke Politik in der Praxis bedeutet.

 

Anarchie bestellt, Anarchie bekommen

Wie es aussieht, wurde dieser Wunsch erfüllt, doch nicht so, wie man anfangs vielleicht erwartete. Denn so sehr CHAZ tagsüber wie eine drollige Hippiekommune aussah, so sehr zeigte die Anarchie ihre hässliche Seite bei Nacht. Diversen Medienberichten zufolge berichten Anwohner von „Schreien des Schreckens“ während der Nacht. Unbestätigten Berichten zufolge sollen „Aktivisten“ Schutzgeld von lokalen Geschäften verlangt haben.
Am Rand der Zone brach ein Mann bei einem Autohändler ein, stahl Geld und legte schließlich sogar noch ein Feuer. Der Eigentümer und sein Sohn konnten den Brandstifter stellen, bis plötzlich der Mob aus CHAZ eintraf, um dem Dieb(!) beizustehen. Versuche die Polizei herbeizurufen waren vergeblich, denn die erklärte schlichtweg, dass sie nicht kommen werden. So bleib dem Eigentümer nichts anderes übrig als den Mann wieder gehen zu lassen, um ein Blutbad zu vermeiden, da sowohl der Mob als auch sein Sohn Schusswaffen bei sich trugen. Weiter soll es zu mindestens einer Vergewaltigung gekommen sein und man möchte gar nicht wissen, zu wie vielen Raubüberfällen und Schlägereien es kam. Da ist der Zustand der völlig zugeschmierten Straßen fast schon nebensächlich.

Alles in allem ein wahrhaft zauberhafter Ort. Dass CHAZ nicht nach Einbruch der Dunkelheit völlig im Chaos versank, ist Leuten wie Solomon „Raz“ Simones zuzurechnen. Raz patrouillierte Nachts zusammen mit einer Truppe, die sich um ihn scharte, die Straßen von CHAZ und spielte sich dabei, Gewehr immer zur Hand, als so etwas wie eine neue Ordnungsmacht auf.

Er tat dies teilweise zum Missfallen der Anarchisten, die ihm vorwarfen, selbst die Rolle der Polizei einnehmen zu wollen. Im Internet kursiert sogar ein Video, in dem Raz und seinen Kumpanen einen Graffitischmierer frisch bei der Tat erwischen, aufmischen und ihm zurufen, dass sie jetzt hier die Polizei seien.

Für einiges Aufsehen sorgte ein anderes Video von ihm, in dem er augenscheinlich einem zufällig auf der Straße stehenden jungen Mann fragt, ob er mit einem Gewehr umgehen könne. Dieser bejaht woraufhin Raz ihm, ohne weitere Fragen zu stellen, aus dem Kofferraum eines Teslas ein Gewehr in die Hand drückt. Beim Anblick, wie dieser nicht so recht weiß, wie er seine neue Waffe auch nur halten soll, drängt sich erneut der Gedanke naiver Kinder im Abenteuerurlaub auf. War dies beim Gartenbau noch ganz amüsant, hört der Spaß sehr schnell auf, wenn Waffen im Spiel sind. Der Stabilität der Lage ist es jedenfalls höchst abträglich, Waffen an jeden Dahergelaufenen zu verteilen. Dass überhaupt nicht irgendein Hobbyrevolutionär eine unaufhaltsame Gewaltspirale lostrat, ist mehr dem Zufall und der Abwesenheit jeglicher ernsthaften Gegenwehr der Polizei und amerikanischen Rechten zu verdanken, als überlegtem und kontrolliertem Verhalten auf der anderen Seite.

An radikalen Elementen mangelte es jedenfalls nicht. So war unter anderem der Puget Sound John Brown Gun Club (PSJBGC) ebenfalls in CHAZ anwesend. PSJBGC ist eine Gruppe bewaffneter Linksextremisten, die nicht nur große Sprüche klopfen und ihre Waffen auch nicht als Accessoire tragen. Ein ehemaliges Mitglied des PSJBGC, Willem van Spronsen, griff im Juni 2019 in Takoma ein Auffanglager der US-amerikanischen Zoll- und Einwanderungsbehörde (ICE) an und versuchte dort, einen Gastank zu entzünden, wobei er getötet wurde. Wo der PSJBGC aber zumindest noch irgendeiner politischen Ideologie folgt, sind es wohl weniger idealistische Gründe die Leute, wie Raz in CHAZ ans Licht lockten. Der wegen Kindesmisshandlung verurteile Rapper trug nicht umsonst den Spitznamen „Warlord von CHAZ“. Er ist ein Beispiel für das, was man bekommt, wenn tatsächlich Anarchie herrscht. Nicht die Abwesenheit jeglicher Herrschaft, sondern die Herrschaft von wem auch immer, der grade in der Gegend ist, mehr Waffen besitzt als der Rest und sich zur neuen Ordnungsmacht auserkoren fühlt.

Dem Rest bleibt nur zu hoffen, dass diese Ordnung irgendeinem anderen Zweck dient, als die Taschen des neuen Königs zu füllen. Raz verfügte jedoch über weit weniger reale Macht als sein Spitzname andeutet, dieser rührte wohl eher von der Art, wie er sich aufführte. Dass er oder andere jedoch dem Titel „Warlord“ nicht gerechter wurden, lag jedoch wohl weniger an hohen moralischen Werten, als an der Tatsache, dass ein voller Magen nur einen Anruf beim Lieferservice entfernt und die Polizei sowie Gesetz auch nur einige wenige Blöcke weiter noch regierten. Doch was dieses bisschen „Freiheit“ schon nach wenigen Tagen für Blüten trug, gibt einen zarten Vorgeschmack auf das, was echte Anarchie bringen würde. In jedem Fall nicht die Freiheit, von der manche träumen.

 

Traum vs. Realität

Trotz dieser, zumindest für irgendeine Art der Ordnung sorgenden Kräfte, meldet am 24.06. der lokale Radiosender KOMO die vierte Schießerei in CHAZ innerhalb von nur drei Tagen. Selbst Seattles Bürgermeisterin Durkan will die CHAZ nun doch wieder auflösen, doch nachdem einige nun einen Geschmack vom Leben ohne Polizei bekommen haben, haben etliche bereits CHAZ verlassen. Ein wenig schade ist es schon, wäre es doch amüsant gewesen, dieses Zugunglück in Zeitlupe sich in seiner vollen Schönheit entfalten zu sehen.
Während CHAZ am Ende ist, versuchen Autonome zwar ähnliche Zonen zu errichten, doch ob diese mehr Erfolg haben werden, ist fraglich. Entweder weil Trump seine Drohungen vielleicht doch einmal wahr machen wird und den Protest wie die Terroristen behandelt, zu denen er sie erklärt, oder weil das Ganze wieder von selbst scheitert.

Scheitern müssen sie, weil es kein Zufall ist, dass CHAZ gescheitert ist. Es ist eine Idee, die in der Realität nicht funktionieren kann, weil sie einen Menschen annimmt, den es nicht gibt. Dies ist das eigentliche Versagen der modernen Linken, ein idealisiertes, aber falsches, Menschenbild anzunehmen und ihre gesamte Politik auf dieses zu stützen. Dies ist im Grunde auch nichts neues, denn das Menschenbild ist der Kern nahezu aller politischen Differenzen zwischen der radikalen Linken und Rechten.

Das falsche Menschenbild der modernen Linken ist auch die Kernursache für viele der Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Vornehmlich sind hier die Rassenkonflikte in den USA und zunehmend auch Europa zu nennen. Zuletzt in Stuttgart und Hunderte Male zuvor hat sich dieses Menschenbild als kolossale Lüge offenbart, um nicht zu sagen, dass die Linke mit ihm mit Anlauf auf die Fresse gefallen ist. Doch jedes Mal steht sie unbelehrbar auf, sammelt ihre Zähne vom Asphalt, nur um eine Stunde später mit voller Überzeugung denselben Unsinn erneut zu verkünden, und dass jeder der es nicht auch einmal ausprobieren wolle, ein Faschist sei.

Mit CHAZ wird es genau das Gleiche sein. Sie wollten keine Polizei und haben keine Polizei bekommen. Gefallen hat es ihnen nicht, doch zur Einsicht wird dies bei den wenigsten führen. Stattdessen wird man weiter dumme Parolen rufen, von der Abschaffung der Polizei, der Gerichte, bis zur Freilassung aller Inhaftierten. Je radikaler, desto besser.

Auch in der BRD treffen solche Ideen auf fruchtbaren Boden und es würde wohl niemanden überraschen, wenn Berlin seine Polizei gleich ganz einstampft anstatt ihr wie aktuell bis zur Handlungsunfähigkeit Steine in den Weg zu legen. Man kann nur hoffen, dass die kommenden Ereignisse in den USA den noch nicht völlig Verblendeten die Augen öffnen werden, was es bedeutet, Teil des linken Sozialexperimentes zu sein, bevor auch wir uns kollektiv mit zerschlagenen Zähnen auf dem Asphalt wiederfinden.





1 Kommentar

  • Alle beteiligten des Landes verweisen (Exil), da völlige Missachtung der Gesetze, der Gewaltenteilung und des Landes selbst. Mit welchem Recht leben sie noch in der normalen Gesellschaft?

    Thomas G. 30.06.2020

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