Bodensee: Grundlagenschulung zum Thema „Internationalismus“ (3)

Home/Regionen/Stützpunkt Bodensee/Südbaden/Bodensee: Grundlagenschulung zum Thema „Internationalismus“ (3)

 

Internationalismus als Bestandteil verschiedener Ideologien

Internationalistische Elemente finden sich in unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Weltanschauungen, auch wenn deren Ziele und Menschenbilder teilweise erheblich voneinander abweichen.

Besonders deutlich tritt der internationale Gedanke im Kommunismus hervor. Die bekannte Forderung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ bringt die Vorstellung zum Ausdruck, dass Arbeiter verschiedener Nationen aufgrund ihrer gemeinsamen sozialen Stellung grundsätzlich gemeinsame Interessen besitzen. Die Klassenzugehörigkeit erhält damit gegenüber der nationalen Zugehörigkeit eine übergeordnete Bedeutung.

Das kommunistische Menschenbild betont zudem stark den Einfluss gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedingungen auf die Entwicklung des Menschen (Milieutheorie), wobei die biologische Zusammengehörigkeit eines Volkes negiert wird. Kulturelle und nationale Identitäten werden dabei häufig vor allem als historisch und gesellschaftlich entstandene Erscheinungen interpretiert. Nach kommunistischer Auffassung beruht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, Kultur oder Nation nicht auf natürlichen oder biologischen Faktoren, sondern ist ausschließlich anerzogen. Soziale und ökonomische Ungleichheiten gelten wiederum als Folgen bestimmter Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse. Durch die internationale Überwindung des Kapitalismus sollen nach kommunistischer Vorstellung schließlich auch Klassengegensätze beseitigt werden.

 

 

Anders setzt der Liberalismus beim einzelnen Menschen an. Individuelle Freiheit und persönliche Selbstbestimmung besitzen hier einen besonders hohen Stellenwert. Der Einzelne soll grundsätzlich selbst darüber entscheiden können, welchen Normen, Lebensentwürfen und Wertvorstellungen er folgen möchte.

Eine starke Individualisierung schwächt allerdings traditionelle Gemeinschaftsbindungen. Wenn persönliche Selbstverwirklichung dauerhaft Vorrang gegenüber familiären, kulturellen oder nationalen Bindungen erhält, können historisch gewachsene Zugehörigkeiten an Bedeutung verlieren. Identität erscheint dann zunehmend als Ergebnis individueller Entscheidungen und gesellschaftlicher Einflüsse, statt als Ausdruck einer dauerhaften Bindung an eine bestimmte Gemeinschaft. Resultat ist der Verlust der Bindungen an das eigene Volk und die eigene Kultur, die oft zu einem Gefühl der Wurzel- und Identitätslosigkeit führt.

 

 

Eine weitere internationale Dimension besitzt der Kapitalismus. Kapital und wirtschaftliche Interessen sind grundsätzlich nicht an nationale Grenzen gebunden. Finanzmärkte, Unternehmen und Investoren können weltweit tätig werden und wirtschaftliche Strukturen unterschiedlicher Staaten miteinander verbinden.

Besonders kritisch ist hierbei die Konzentration wirtschaftlicher Macht. Zinsmechanismen, Kapitalakkumulation und die fortlaufende Reinvestition von Vermögen tragen dazu bei, bestehendes Kapital weiter zu vermehren. Wo sich große Vermögen konzentrieren, entsteht zugleich erheblicher wirtschaftlicher und politischer Einfluss. Vermögende Akteure und international tätige Unternehmen können dadurch Interessen über nationale Grenzen hinweg verfolgen und unter Umständen Einfluss auf politische, sowie gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ausüben.

 

Zusammenfassung

Der Internationalismus tritt somit in unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen auf. Kommunismus, Liberalismus und international organisierter Kapitalismus unterscheiden sich zwar erheblich voneinander, weisen aus kritischer Sicht jedoch eine Gemeinsamkeit auf: Nationale und kulturelle Bindungen verlieren gegenüber Klasseninteressen, individueller Selbstbestimmung oder grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Interessen an Bedeutung.

Die ursprünglichen internationalistischen Vorstellungen entstanden vielfach aus dem Anspruch, Frieden, Zusammenarbeit und Solidarität zwischen Menschen und Völkern zu fördern. Diese Ziele schließen jedoch problematische Entwicklungen nicht grundsätzlich aus. Insbesondere dann, wenn internationale Vereinheitlichung zum politischen Selbstzweck wird, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Universalismus und kultureller Eigenständigkeit.

Zu den möglichen Risiken gehören daher eine zunehmende kulturelle Homogenisierung, eine Schwächung nationaler und regionaler Bindungen sowie Konflikte zwischen internationalen Vorgaben und dem Selbstverständnis einzelner Gesellschaften. Eine kritische Betrachtung des Internationalismus muss deshalb insbesondere die Frage stellen, wie internationale Zusammenarbeit möglich bleibt, ohne die politische Selbstbestimmung und die kulturelle Eigenständigkeit unterschiedlicher Völker und Gemeinschaften unnötig einzuschränken.

 

 

Noch keine Kommentare.

Kommentieren

Die maximale Zeichenanzahl bei Kommentaren ist auf 2500 begrenzt.

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.