Von Schottland bis zum Mittelmeer – Der Nationalismus wird auch das 21. Jahrhundert bestimmen

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Die Schotten werden heute über ihre staatliche Unabhängigkeit abstimmen. Egal wie das Ergebnis ausfallen wird, der Sieger steht bereits fest – es ist der Nationalismus als politische Weltanschauung. Allem Gerede von Supranationalität und postnationaler Ära zum Trotz bleibt die Nation auch im 21. Jahrhundert, zumindest für die weißen Völker, die entscheidende politische Größe.

Warum sollten die Schotten nach über 300 Jahren die Union mit England, Wales und Nordirland aufkündigen, wo sie doch scheinbar alles haben – politische Mitbestimmung in einem vereinigten Königreich, kulturelle Autonomie, sogar eine eigene Nationalmannschaft?

Was wollen Sie? Einen Staat nur um des Staates wegen? Hatten wir das nicht längst überwunden und mit der EU einen Staatenverbund gefunden, der dem Regionalen Geltung verschafft hat und das Nationale nach den zwei Weltkriegen ins Abkühlbecken stellte?“ fragt die WELT beinahe hilflos. Es ist müßig sich die Frage nach dem warum zu stellen.

Ja, die Schotten mögen formal alles haben, nur eben keinen Staat gemäß der ihnen eigenen Art und ausschließlich für ihresgleichen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und gleich und gleich gesellt sich gern – Identität und Selbstbestimmung, das ist mehr, als Großbritannien und die EU bieten können.

Dort gehen derweil die Alarmglocken an, denn bei Lichte betrachtet gärt es an allen Ecke und Enden des EU-Imperiums: In Katalonien gingen unlängst weit über 1.000.000 Menschen auf die Straße, um für sich ein ähnliches Referendum zu fordern, wie in Schottland. Das Streben der Basken zum eigenen Staat ist seit Jahrzehnten präsent und auch in Galicien, der Nordwestprovinz Spaniens, detonierten bereits die ersten Bomben für die Unabhängigkeit. In Frankreich streben Bretonen und Korsen weg von Paris, in Italien ist die Zukunft des besetzten Südtirols nach wie vor offen – die Stimmen für einen Anschluss an Österreich werden immer lauter. Nicht zu vergessen sind der Unabhängigkeitswille der Korsen und der Bewohner Sardiniens. Der Kunststaat Belgien verkommt zunehmend zur politischen Lachnummer, in Nordirland können die Waffen jederzeit wieder sprechen und auch der Ukrainekonflikt beruht (neben geopolitischen Erwägungen) auf dem Irrglauben, man könne verschiedene Volksgruppen auf Dauer in einem Staat zusammenhalten.

Nicht umsonst handelt es sich insbesondere bei den „failedstates“ dieser Welt um multi-ethnische Gebilde, die mangels ethnischer Homogenität spätestens dann instabil werden, wenn die sich die ethnischen Risse nicht mal mehr durch Wohlstand kitten lassen.

Und so macht die Mordrate in Südafrika weiterhin jedem Kriegsgebiet Konkurrenz, brennen die Favelas in Brasilien während sich die Oberschicht in „gatedcommunities“ zurückzieht, randaliert in den USA der schwarze Mob bei jeder passender Gelegenheit und nimmt im zunehmend islamisierten Europa der Vorbürgerkrieg immer weiter Gestalt an.

Schotten und Engländer sind einander ethnisch und kulturell eng verwandt. Die 300 Jahre gemeinsamen Staatswesens mögen vielleicht nicht ausgereicht haben, um den Willen zur nationalen Selbstbestimmung verlöschen zu lassen, aber im Fall des Falles wird die Sezession zumindest friedlich verlaufen.

Für die entstehenden Vielvölkerstaaten des Kontinents dürfte das im Fall der früher oder später einsetzenden Entmischung nicht der Fall sein.