
Doch geht es nicht bloß um einen unbeliebten oder provokanten Professor. „Eigentlich werde nicht ich, sondern es wird ein bestimmter Kanon attackiert“, erklärt Münkler. Was unter „Kanon“ zu verstehen ist, geht aus einem weiteren Interview hervor, das der „Tagesspiegel“ mit einem der anonymen Angreifer führen konnte. Anfang zwanzig soll der Student gewesen sein und während des Gesprächs eine Falaffel verzehrt haben. Dies teilt die Zeitung als Indiz für das eigentliche Anliegen von „Münkler Watch“ mit. Das multikulturelle Anliegen besteht darin, den „Kanon“ der Ideengeschichte, der für Münkler aus Philosophen wie Platon, Aristoteles, Thomas Hobbes, Kant oder auch Carl Schmitt besteht, auf Frauen und Farbige zu verlagern. Eine Vorlesung, die nur auf „weiße, heterosexuelle Männer“ als hervorragende Denker verweist, ist für einen wachsenden Teil der Studenten bereits „rassistisch“ und „sexistisch“. Auch wenn gar nichts gegen Farbige oder Frauen gesagt wird, wird allein ihre Abwesenheit im Diskurs als unerträglich empfunden.
Herfried Münkler wehrt sich: „Ich kann die Geschichte nicht nach Belieben verändern, damit es ins politische Raster einiger Leute paßt. Die Basis unserer politischen Kultur ist nun einmal von den "weißen Männern geschaffen" worden und nicht von Schwarzen und Frauen.“ Diese simple Feststellung will die studentische Antifa in Zukunft unmöglich machen: „Münkler ist für uns nur stellvertretend für die Ignoranz weißer Wissenschafter. Der Rassismus der europäischen Ideengeschichte kommt in den Lehrplänen kaum vor, nicht-weiße Wissenschaftler kommen so gut wie nie zu Wort“, erklärt der Vertreter von „Münkler-Watch“.
Es soll also buchstäblich aus schwarz weiß gemacht werden, und zwar mit offiziellem Stempel. Wer meint, daß sich solche Verfälschungen nicht durchsetzen lassen, sollte sich ansehen, was an den Ostblock-Universitäten gelehrt wurde, und wofür Tausende von „Gesellschaftswissenschaftlern“ dort eingestellt wurden. Auch die Forschung darüber ist manchen Leuten nicht genehm. Der Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski, ebenfalls Humbold-Uni, erlebt seit 2014 ähnliche Anfeindungen wie Münkler. Inzwischen hat die Universitätsleitung sich zwar hinter ihn gestellt, aber nur ungern. Man möchte nicht, daß das Wirken solcher „Rassisten“ und „Antikommunisten“ den liberalen Ruf der Universität in Frage stellt.













