Spanien: Kataloniens Unabhängigkeit ist greifbar nahe

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Bei der Regionalwahl in Katalonien haben laut Hochrechnungen die Unabhängigkeitsbefürworter die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament der nordostspanischen Region gewonnen. Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen kommt das Bündnis Juntspel Sí (Gemeinsam fürs Ja) auf 62 Sitze. Die linksradikale Unabhängigkeitsbewegung CUP errang weitere zehn Sitze und somit haben die Unabhängigkeitsbefürworter 72 der 135 Sitze im Regional-Parlament. Sie erhielten aber zusammen mit 47,8 Prozent weniger als die Hälfte der Wählerstimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 77 Prozent.

"Wir haben gewonnen", sagte der katalanische Ministerpräsident Artur Mas gegenüber Medienvertretern. Mas hatte schon im Vorfeld die Wahl zur Abstimmung über die Abspaltung von Spanien erklärt und angekündigt, Katalonien im Falle eines Wahlsieges bis 2017 in die Unabhängigkeit von Spanien zu führen.

Die autonome Region Katalonien mit ihren 7,5 Millionen Einwohnern ist stolz auf ihre eigene Sprache und Kultur und wird von der Zentralregierung in Madrid unterdrückt und wirtschaftlich ausgenutzt. Die spanische Zentralregierung hatte im Vorfeld der Wahl die Abspaltung Kataloniens von Spanien als verfassungswidrig bezeichnet und mit dem Verlust Kataloniens der EU-Mitgliedschaft und des Euro Ängste schüren wollen.

Großdemonstration für Kataloniens Unabhängigkeit

Zwei Wochen vor der entscheidenden Wahl hatten sich ca. 1,4 Millionen Menschen in Barcelonas Zentrum versammelt und die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien gefordert. Die Veranstalter rechneten mit 500.000 Teilnehmern. Die Teilnehmer liefen in weißen T-Hemden in einem Meer rot-gelber katalanischer Fahnen auf der gesamten Breite der Avinguda Meridiana in Richtung Innenstadt. Einige Demonstranten bildeten immer wieder menschliche Pyramiden.In Katalonien eine Art Volkssport.

Linksradikale rufen zum zivilen Ungehorsam auf

Die linksradikale Partei CUP hat nach dem Wahlsieg noch in der Nacht zu zivilem Ungehorsam gegenüber der spanischen Zentralregierung aufgerufen. CUP-Chef Antonio Banos sagte am Sonntag vor Anhängern in Barcelona. "Ab morgen kann und sollte das Gesetz von den Katalanen missachtet werden“. Dies betreffe "ungerechte Gesetze". "Heute wurde die Republik geboren", erklärte weiter.

Der Wille zur Nation

Folgt man der veröffentlichen Meinung der Massenmedien und den Träumen der Intellektuellen, so scheint es keinen Zweifel zu geben – die Idee der Nation und des Nationalstaats als deren politische Verfaßtheit ist längst überholt und von der Geschichte widerlegt. Die Zukunft gehört den supranationalen Gebilden, Alternativen sind nicht vorgesehen, ja nicht einmal denkbar, außer unter den Rückwärtsgewandten und „Rechten“. So wollen es die Wirtschaftsvertreter und die linken und liberalen Eliten auf ihrem Weg zur unterschiedslosen Weltgesellschaft. Das „Ende der Geschichte“ ist nahe.

Doch der Schein trügt. Abseits der Utopien sind Europas Nationen nach wie vor lebendig und nationale Bewegungen bekommen gerade dort am meisten Zulauf, wo das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die nationale Einheit eben noch nicht verwirklicht sind. Ob in Schottland, Nordirland, Südtirol, Schlesien, im Elsass, in Flandern oder im Baskenland – der Wille zur Nation ist ungebrochen.