US Raketenangriff in Syrien

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In den frühen Morgenstunden des 07.04. kam es zu einem schweren Artillerieangriff amerikanischer Truppen auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Von den Kriegsschiffen „USS Ross“ und „USS Porter“ aus wurden 60 Tomahawk-Marschflugkörper auf den syrischen Militärflughafen asch-Schu`airat geschossen.

Der Angriff sollte ein Vergeltungsschlag für einen syrischen Luftangriff am 04.04. auf den Ort Chan Schaichun darstellen.

Infolge des Angriffs auf Chan Schaichun sollen bis zu 72 Menschen getötet worden sein, und über 200 verletzt. Unmittelbar nach dem Angriff wurden Bilder der Opfer um den Globus gesandt, maßgeblich verbreitet von der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“. Bei dieser handelt es sich um eine Pressestelle, die von Osama Suleiman, einem Bekleidungsgeschäftsinhaber aus Coventry geleitet wird. Suleiman verfügt nach eigenen Angaben über ein ausgeprägtes Kontaktnetzwerk in Syrien, das aus Quellen besteht, die er jedoch geheim hält. Er ist jedoch Anhänger der Anti-Assad-Gruppen und sunnitischer Muslim.

Seine Berichte wiederum sind Grundlage nahezu aller Berichte der großen Medienkonzerne. Mit den Bildern wurde auch eine scheinbar einleuchtende Erklärung für die gräuelhaften Bilder geliefert: die syrische Luftwaffe habe Giftgas – zunächst war von Chlor, dann von Sarin die Rede – eingesetzt. Beide Giftgasstoffe sind international geächtet und aufgrund der schweren Folgen gilt ihr Einsatz gegen Zivilisten als Kriegsverbrechen.

Die syrische Luftwaffe sowie die syrische Politik bestreiten jedoch Giftgas eingesetzt zu haben. Eine Untersuchung der Vorfälle ist bis zum heutigen Tage ausstehend. Laut der russischen Armee wurde bei dem Angriff auf das Gebiet, das vom syrischen Al-Quaida-Ableger Hayat Tahrir-Al-Sham kontrolliert wird, eine Chemiefabrik der Terroristen getroffen.

Die Bilder der Al-Quaida nahen „Weiß-Helme“ werfen jedoch erhebliche Zweifel auf. Die Helfer agieren völlig ohne Schutzbekleidung wie Gasmasken. Mag dies auf den ersten Blick unerheblich wirken, muss man sich darüber klar werden, dass das angeblich genutzte Sarin ein schweres Nervengas ist, das nahezu sofort zu Muskelerschlaffungen und Atemproblemen führt.

Es ist bekannt, dass 250 Menschen aus den Orten Majdal und Khattab erst eine Woche zuvor von Al-Quaida entführt worden sind. Es besteht der Verdacht, dass es sich um eine ähnliche False-Flag-Aktion, wie der angebliche Giftgasangriff auf Ghouta 2013 handelt. In Folge dieses Angriffs kündigten die syrischen Truppen übrigens an, ihre Giftgasbestände restlos zu vernichten.

Dies geschah auch in der Hoffnung, die FSA-Einheiten und sonstige terroristische Gruppen würden dem guten Beispiel folgen, wobei dies jedoch ausblieb. Es ist bekannt, dass auch Al-Quaida über eroberte Giftgasbestände verfügt.

Auffällig auch folgende Twitter-Nachricht eines OrientTV-Reporters, die bereits vor dem Angriff abgesetzt wurde:

Orient TV reporter :
"tomorrow we are launching a media campaign to cover the airstrikes on Hama country side including the usage of CW"
2:42 PM – 4 Apr 2017

Zu deutsch: Morgen werden wir eine Medien Kampagne starten um die Luftangriffe auf die Hama Region inklusive dem Einsatz von CW (Chemical Weapons, chemischer Waffen) aufzudecken.

Der Angriff würde zu dem jeder militärischen Logik entbehren. Die syrische Armee hatte sich in der Region Hama in der letzten Zeit eine ausgezeichnete Ausgangsposition erarbeitet, sodass ein Giftgasangriff völlig überflüssig wäre. Zudem schwächt er die Position der syrischen Regierung in den anstehenden Verhandlungen, ein Tag später sollten Verhandlungen in Brüssel stattfinden und eine Woche später eine weitere große Friedenskonferenz.

Insgesamt bleiben also Fragen über Fragen, dies hinderte jedoch insbesondere die Springerpresse nicht, Konsequenzen zu fordern und Präsident Assad zum Sündenbock zu erklären, der unverzüglich zu bestrafen sei.

Dieser Wunsch war US-Präsident Donald Trump Befehl, und so folgte der eingangs genannte Angriff auf den syrischen Flughafen, von dem die Maschinen des Angriffs auf Chan Scheichun angeblich gestartet sind.

Als Begründung nannte er unter anderem, dass „kleine Babys mit Gas getötet wurden!“ und dass die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten in Gefahr sei. Noch vor seiner Wahl hatte Trump jedoch eine ganz andere Sicht auf Syrien, wie folgende Tweets von ihm belegen:

„I would not go into Syria, but if I did it would be by surprise and not blurted all over the media like fools“

„Ich würde nicht nach Syrien gehen, aber wenn ich dies täte, wäre es überraschend und nicht in allen Medien verbreitet, wie von Idioten.“

“Again, to our very foolish leader, do not attack Syria – if you do many very bad things will happen and from that fight the US gets nothing!”

– Zitat von 2013: „Erneut, für unsere sehr dummen Führer, greift nicht Syrien an – wenn ihr dies tut, werden viele schlimme Dinge passieren und von diesem Kampf haben die Vereinigten Staaten nichts!“

Im gesamten wirkt der nahezu unmittelbar folgende Angriff jedoch nicht wie eine völlig spontane Entscheidung und passt in das Bild einer immer aggressiver agierenden US-Armee. Erst vor Kurzem wurden die amerikanischen Truppen in Syrien massiv aufgestockt. Die amerikanische Armee schreckt bei ihren Einsätzen vor nichts zurück. Vor wenigen Wochen wurden eine Moschee und eine Schule von den amerikanischen Luftstreitkräften attackiert. Die Bilder der dort getöteten Kinder scheinen jedoch bei Donald Trump keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, falls er sie überhaupt zu Gesicht bekommen hat. Ebenso fast unbemerkt von der Öffentlichkeit war ein Chlorgas-Einsatz der amerikanischen Truppen in der selben Woche gegen Kämpfer von Daesh („Islamischer Staat“).

Die bleibende Frage ist jedoch die, nach Sinn und Zweck des Angriffs. War dies der Beginn einer groß angelegten Offensive gegen Assad und die syrische Armee? Wollen die amerikanischen Streitkräfte nun doch ganz Syrien erobern? Ein äußerst gewagtes Unternehmen. Denn nach wie vor stehen die Hisbollah, der Iran und Russland hinter Präsident Baschar al-Assad.

Auch wenn die Amerikaner angeben, die Russen hätten von dem Angriff gewusst, was fraglich ist angesichts der zerstörten russischen Flugzeuge auf dem Flughafen, wäre ein Konflikt mit Russland wohl unvermeidlich. Militärisch würde dies auf eine viel schwierigere und verlustreichere Mission als beispielsweise der Irak-Einsatz hinauslaufen. Bereits jetzt kann man über die besonnene Reaktion der Russen und der Hisbollah froh sein, die zwar das Luftraumabkommen ruhen ließen, es dabei aber beließen.

Zwar erntete Donald Trump von allen Seiten, so auch von Bundeskanzlerin Angelika Merkel, Lob und Verständnis für die Aktion, ob hier jedoch Bündnispartner für den Einsatz von Bodentruppen gewonnen werden können, ist fraglich.

Möglich ist auch, dass es sich um eine rein populistische Aktion handelte, was zum Profil des politischen Anfängers Trump durchaus passen würde. Innen- wie außenpolitisch war der US-Präsident stark unter Druck geraten und viele seiner Wähler wenden sich bereits enttäuscht ab. Mit dieser Aktion kann er sich wenigstens etwas Applaus auf leichte Art und Weise einfangen.

Vorerst profitiert haben jedoch definitiv Al-Quaida und auch Daesh („Islamischer Staat“) die beide Offensiven gegen Stellungen der syrischen Armee unmittelbar folgen ließen. Bei langfristigen Aktionen gegen die syrische Luftwaffe, die auch Israel äußerst willkommen wären, (siehe: Israelisches Militärflugzeug über syrischem Territorium abgeschossen) würde jedoch auch die Versorgung von Deir ez-Zor unmöglich werden, wo 120.000 Zivilisten von Daesh gekesselt sind und nur aus der Luft versorgt werden können.

Bleibt zu hoffen, dass sich Donald Trump eines weiteren Zitates von ihm erinnert:

„We should stay the hell out of Syria, the "rebels" are just as bad as the current regime. WHAT WILL WE GET FOR OUR LIVES AND $ BILLIONS?ZERO.“

„Wir sollten zur Hölle noch mal außerhalb Syriens bleiben, die „Rebellen“ sind genau so schlecht wie das aktuelle Regime. Was werden wir für unsere Leben und Milliarden Dollars bekommen? Nichts.“

Bild: Alexander Smulskiy / www.bigstockphoto.com

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