Vom Skifahren und dem Blutzoll der Natur

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Einige der gefragtesten und begehrtesten Sportarten im Winter sind zweifelsohne das Skifahren, das Snowboarden und der Langlauf. Da sich das Geschäft mit diesen Sportarten als Geldmagnet entwickelt hat, beginnt der Mensch nun immer mehr die Hand anzulegen, indem die Skigebiete künstlich erweitert oder verbunden werden. Dies geschieht mit einem massiven Eingriff in die sensible Natur.

Mit riesigen Schneekanonen werden Flächen in eine 30 Zentimeter bis zu 1 Meter hohe Schneelandschaften verwandelt. Diese Technik wird auch dort angewendet, wo es zuvor kein Skigebiet gab. Die Kosten für solch ein Unterfangen sind zwar hoch und aufwendig, doch um die wachsende Skilust der Besucher zu stillen, greift man tief in die Taschen und läßt kilometerweite Rohrsysteme und Stromleitungen legen, Kühlanlagen sowie Pump- und Kompressorstationen errichten. Hinzu kommt oft noch ein riesiges Wasserspeicherbecken, welches für die künstliche Beschneiung erforderlich ist, denn für etwa einen Hektar künstlich beschneites Land benötigt man rund eine Million Liter Wasser.

Für die Durchsetzung greift man tief in die Landschaft ein, planiert und walzt platt, was im Wege ist, zerschneidet für Verlegearbeiten die Vegetation und greift zur Platzierung des Wasserspeicherbeckens sogar auch auf das Gebiet der Hochmoorlagen zurück. Schließlich sollen die Touristen die Anlagen nicht sehen. Das Problem ist, dass insbesondere in den Hochmoorlagen das Gebiet nach Meinung von Experten wie der Geo- und Ingenieurökologin Kathrin Struller als hochsensibel gilt und bei diesem Vorgang sehr viel Lebensraum zerstört wird. Auch das Anlegen dieser Speicherbecken ist von Nachteil, da hierfür massiv in das bestehende Grundwassersystem eingegriffen wird. In diesem künstlich geschaffenen Wasserbecken sind Tiere nicht erwünscht, da die Seen für die Beschneiung so gut wie unbelebt sein müssen.

Ein weiteres Problem ist zudem noch, dass um den künstlichen Schnee zu erhalten, oftmals auf Chemie zurückgegriffen wird, die ihre Rückstände in die Natur weitergibt. Deutschland und Österreich verbieten derzeit noch den Einsatz solcher „Snow-Inducer“, aber der Trend im Winter Ski zu fahren steigt immer weiter an. Wie lange sich die beiden Länder dieser „Erleichterung“ noch verschließen, gilt als fraglich.

Außerdem lösen viele Skifahrer zudem einen enormen Druck auf den Boden aus und verdichten ihn somit. Somit kann nur noch sehr schwer bis kaum noch Wasser ins Erdreich sickern und fließt somit rasant an der Oberfläche in Richtung Tal. Die Folge hierbei sind Erosionen und Abtragungen oberhalb der Gesteinsschicht. Da das Wasser kaum noch versickert und durch die Erde gefiltert wird, sinkt insbesondere in den Skigebieten die Wasserqualität merklich.

Mit dem zunehmenden Lärm und dem Tumult rund um das winterliche Hobby werden Nistplätze und Wildtiere immer weiter zurückgedrängt. Etwa 30.000 Arten leben laut dem Bund Naturschutz in den Alpen. Durch die künstliche Beschneiung greift der Mensch zudem in die Vegetation ein.
In Fachkreisen spricht man von der sogenannten „Schneetälchenvegetation“. Das beinhaltet vor allem Moose und Krautweiden, die sich an die langanhaltende Schneedecke gewöhnt haben und sich ausbreiten. Ähnliches gibt es normalerweise nur in der Arktis oder extremen Hochlagen.

Eine weitere Folge des zunehmenden Skitourismus ist die Anhäufung von nur sehr spät blühenden Pflanzen, welche aber für die Insektenwelt bereits früher vonnöten wäre.

Der neue Trend des „Freeriding“ versetzt der Natur und ihrer Tierwelt einen weiteren schweren und lebensbedrohlichen Schlag. Als „Freerider“ fährt man abseits der Pisten und durch Gegenden, die eigentlich nicht dafür frei gegeben wurden.

Schon wenige Änderungen könnten große Erfolge erzielen, den Wintersport weiter möglich zu machen und gleichzeitig die Natur nicht zu sehr zu belasten. So sollte zum Beispiel nur Ski gefahren werden, wenn es auch tatsächlich geschneit hat. Für die Pistenbetreiber wird vorgeschlagen, Freiräume für die Tier und Pflanzenwelt zu schaffen und ein mögliches Nebeneinander zu gewährleisten. Ähnliche Beispiele gibt es bereits in Bayern, wo es in den Alpen Zonen gibt, in welchen gebaut werden darf und welche, die gesperrt sind.

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