
Am 23. März um 18.00 Uhr blockierten etwa 300 Angehörige der ukrainischen Polizei, des Ordnungsdienstes und der Staatsanwaltschaft das Büro des AZOV-Zivilkorps, den Stützpunkt für Öffentlichkeitsarbeit und Sozialprojekte der AZOW-Bewegung, das Rekrutierungszentrum der AZOW-Bewegung und die Militärschule von Oberst Evhen Konovalets.
Einsatzkräfte der polizeilichen KORD-Spezialeinheit traten die Türen ein und führten illegale Hausdurchsuchungen ohne Anwesenheit von Ermittlern oder Zeugen durch. U.a. konfiszierten sie Privateigentum von ukrainischen Freiwilligen, die auf den Straßen der Ukraine für Recht und Ordnung sorgen und derzeit dort stationiert sind. Sogar militärische Auszeichnungen von Kämpfern des Regiments, die an den Wänden ausgestellt worden waren, wurden beschlagnahmt.
Als Antwort darauf forderten die Besitzer der Gebäude, welche diese übrigens vollkommen neu aufgebaut und renoviert hatten, die Ermittlertruppe auf, diese Gesetzesverstöße zu vermerken. Der Anführer der Nationalen Korps, Andriy Biletsky, nahm persönlich an der Verteidigung der Hauptquartiere teil und machte in einer Mitteilung an die Unterstützer der Bewegung deutlich, daß es sich bei diesen Maßnahmen ausschließlich um Repressionsmaßnahmen gegen nationale Kräfte handelt.



2015 war bereits ein Versuch durch die staatlichen Autoritäten unternommen worden, die ukrainischen Nationalisten von dem Gelände zu vertreiben. Doch die Wahl zwischen diesen Nationalisten und einem Geschäftsmann, der die Büroräume vermieten wollte und darüber hinaus über Geschäftsbeziehungen in der besetzten Krim verfügte, fiel der Öffentlichkeit nicht schwer.
Nachdem die Einsatzkräfte das Atek-Gelände verlassen hatten, sagte ein Polizeisprecher, daß die zivilen Hauptquartiere für die Polizei „ohne Interesse“ seien, es ginge ihnen nur um das Trainingsgelände des Azov-Regiments auf dem Gelände. Damit wäre man einer Entscheidung des Shevchenkivskyi Bezirksgericht von Kiew nachgekommen.

Nichtsdestotrotz ist es offensichtlich, daß das Regime eine geplante Repression der Nationalen Korps eingeleitet hat, und die Planung erfolgte sehr genau. Derzeit liegt das öffentliche Hauptinteresse bei Nadiya Savchenko, die ehemalige Militärpilotin und ATO-Soldatin, die in einem russischen Gefängnis gefangen gehalten worden war. Nach ihrer Freilassung wurde sie von den ukrainischen Autoritäten als Märtyrerin gefeiert und erhielt einen Abgeordnetensitz. Derzeit erwartet sie jedoch eine lebenslange Haftstrafe für die „Planung eines Terroranschlags auf das ukrainische Parlament“.
Video über den Vorfall auf dem Atek-Geländes
Erst gestern kommentierte dies der Führer der Nationalen Koprs, Andriy Biletsky, im Fernsehen. Seiner Meinung nach sollte das Videomaterial, welches Savchenkos Pläne zur Zerstörung zweier Parlamentslogen mittels Granaten und automatischen Waffen enthält, nicht ernst genommen werden. Stattdessen sei es kein Geheimnis, daß die derzeitige Regierung höchst unbeliebt ist. Da höre man emotionale Reden wie diese überall. Savchenkos mentaler Gesundheitszustand wurde nach ihrer Freilassung mehrmals angezweifelt, folglich beweisen Aufnahmen überhaupt nichts. Der einzige ermittlunsgtechnische Anhaltspunkt sei der Transport von Waffen durch sie und Volodymyr Ruban aus den besetzten Gebieten Donezk und Luhansk nach Kiew.

Stattdessen verwies Biletsky auf einen anderen, wesentlich ungeheuerlicheren, Fall eines anderen Savchenko, womit Oleksiy Savchenko gemeint ist, der Chef der Mykolayiv Regionalverwaltung. Dessen Taten haben zum Suizid von Vladyslav Voloshyn, dem geschäftsführenden Direktor des Mykolaiv Flughafens und Kriegsveteran des Donbaskriegs, geführt. Informationen besagen, daß Savchenko Voloshyn zur Korruption drängen wollte. Am 21. März forderten die Nationalen Korps, Svoboda und der Rechte Sektor die Landesverwaltung auf, Oleksiy Savchenko zu entlassen. Sie machten deutlich, daß die Autoritäten künstliche Skandale erschaffen, um von einem unglaublichen Ausmaß an Korruption abzulenken.
Am 22. März führte die Polizei Hausdurchsuchungen bei den Nationalen Korps Mitgliedern Dnipro Denys Kotenko und Daryna Slutskovska in Kiew durch. Der Zusammenhang war lächerlich und offensichtlich von der causa Nadiya Savchenko inspiriert: Man suchte nach Granaten und explosiven Stoffen. Am 23. März veranstalteten Mitglieder der Nationalen Korps eine Kundgebung, wobei sie wiederholt „Durchsucht die Häuser von Kriminellen, nicht von Patrioten“ skandierten.

Nebenbei bemerkt hatte Präsident Poroshenko vor nicht allzu langer Zeit auf einer Pressekonferenz seine Sorgen bezüglich der Zuspitzung der Sicherheitslage in der Ukraine aufgrund nationaler Streifen der Nationalen Korps kundgetan.
Zuerst haben die Autoritäten die nationalen Streifen und deren Kritik am Regime ignoriert. Doch mittlerweile ist es unmöglich, zu behaupten, das nationale Korps sei keine politische Gefahr für die derzeitige Regierung, die immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert.

Der unerwartete Angriff auf die Hauptquartiere der AZOV-Bewegung, welcher eine Realisierung des Gerichtsentscheids darzustellen schien, galt ohne Zweifel als Einschüchterungsversuch für die Anhänger der AZOW-Bewegung, aber auch Nationalisten im Allgemeinen.
Seit der Legalisierung der AZOW-Battalione und späteren Regimenter, unter der Schirmherrschaft der ukrainischen Nationalgarde als Teil des Innenministeriums, verbreiteten viele Missgönner Gerüchte über ein angebliches Protektorat von Innenminister Arsen Avakov bezüglich der Nationalen Korps/AZOW-Bewegung. Manche erklärten dies mit der Rivalität zwischen den „Clans“ von Poroshenko und Avakov. Nun ist zum Ersten klar, daß dieses Protektorat nicht existiert, und zum Zweiten, daß die Autoritäten die politische Herausforderung durch die verbündeten nationalen Kräfte nicht mehr ignorieren können.
Die ukrainischen Nationalisten kommentierten den Vorfall damit, daß die nächste Phase der nationalen Revolution in der Ukraine nicht mehr lange auf sich warten läßt.















