Warum Fußball politisch ist

„Fußball bleibt Fußball und Politik bleibt Politik“, so heißt es in dem Lied „Ha Ho He“ der bekannten Hooligan-Band Kategorie C. Ein Motto, an das sich viele Nationalisten halten, die in einer Fußballkurve aktiv sind. Zum einen ist beim Fußball der verbindende Moment eben der Sport, die gemeinsame Leidenschaft und nicht eine Weltanschauung. Doch zu glauben, dass beim Fußball „Politik“ einfach ausgesperrt werden könnte, ist naiv. Denn, wenn man beim Fußball von „Politik“ spricht, geht es nicht um tagespolitische Themen wie Feinstaubmesswerte oder Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten. Es geht um`s Ganze.

Wenn man von „Politik“ bei Fanszenen spricht, dann unterscheidet man gemeinhin zwischen linken und rechten Gruppierungen, Gruppen, die „weder noch“ sind, bezeichnet man als „unpolitisch“. Es gibt nur wenige Kurven in Deutschland, in denen Nationalisten unangefochten den Ton angeben. Cottbus, Chemnitz, Lok Leipzig. In anderen Kurven gibt es sowohl nationale Gruppen, wie auch linke Gruppen, darunter fallen die meisten mitteldeutschen Szenen, im Westen unter anderem Dortmund, Duisburg und Aachen, Kaiserslautern und Mannheim. In den meisten Fankurven geben jedoch politisch linke Gruppen den Ton an, wie in Babelsberg und St. Pauli, in Fürth, bei Chemie Leipzig oder bei Bayern München.

Für diese antideutsch ausgerichteten Gruppen ist klar, dass „Nazis“ im Stadion nichts verloren haben. Das eingangs erwähnte Motto, „Fußball ist Fußball – Politik ist Politik“, gilt für sie nicht, im Zweifel wird sich die eigene politische Arbeit dadurch zurechtgebogen, dass „Antifaschismus ja keine Politik, sondern gesunder Menschenverstand sei“. Wer glaubt, dass Linke und Rechte im Stadion friedlich miteinander koexistieren können, der begeht einen schweren Irrtum. Vielleicht war das romantische Bild von den „Punks“ und den „Glatzen“, die sich im Stadion die Hand reichen und sich nach dem Spiel wieder prügeln in den 80ern oder 90ern mal zutreffend. Heute ist es undenkbar, und wenn man ehrlich ist, ist das auch gut so. Abgesehen davon, dass Irokesenhaarschnitt und Glatze heutzutage ohnehin nicht mehr Trend sind, hat sich auch das Bild in deutschen Stadien im Gesamten gewandelt. War früher ein gewisser Patriotismus in den meisten Gruppen Konsens, sind heute die schwarz-weiß-roten Fahnen aus den Stadien verschwunden.

Die eingangs erwähnte Band Kategorie C stammt aus der Fanszene von Werder Bremen, die ein besonders heftiges Beispiel für den Wandel in den Kurven ist. Denn die Hooligan-Gruppen, die über Jahre die Kurven dominierten, sind heute aus dem Stadion verbannt. Dort geben nun allein linke Gruppen den Ton an, die in schöner Regelmäßigkeit versuchen, die nationalen Hooligans auch in ihrer Kneipe zu attackieren. Dass die Hooligans mit Stadionverboten belegt sind, verschärft natürlich das bestehende Nachwuchsproblem. Für junge Leute, die sich für die Ultrabewegung interessieren, gilt eine linksextreme Einstellung aufgrund der Dominanz solcher Gruppen hingegen schon fast als selbstverständlich.

Wer ins Stadion geht, legt seine Haltung ja nicht ab. Als Nationalist bleibt man stets Nationalist, als Antideutscher stets antideutsch. Unzählige Themen verlangen sogar nach einer Positionierung: Pyrotechnik, Stadionverbote, zunehmende Kommerzialisierung, korrupte Verbände. Es ließen sich noch viele weitere Themen finden. Auch vor diesem Hintergrund kann jemand beim Fußball schwer „unpolitisch“ sein und bleiben. Ultra- und Hooligangruppierungen kommt im Stadion eine besondere Rolle zu. Sie organisieren Choreografien, sind bei allen Spielen des Vereins vertreten und stellen den Vorsänger einer ganzen Kurve. Insbesondere in kleineren Städten sind die Vereine auch stets Aushängeschild und die Fanszene Botschafter der Stadt. Die entsprechend organisierten Fangruppen wiederum dominieren das Bild der Fanszene.

Auf diese Weise gewinnen sie, wenn auch zahlenmäßig eine Minderheit, großen Einfluss auf die Masse. Viele Tausend junge Menschen versammeln sich Wochenende für Wochenende in deutschen Stadien. In den Fanszenen werden sie dabei mit Werten konfrontiert, die sie im bundesrepublikanischen Alltag nicht kennenlernen. Ehre, fanatische Treue und ein grundverschiedener Freiheitsbegriff. Die Erfahrungen, die man hier sammelt, prägen für das ganze Leben. Durch das verbindende Element der gemeinsamen Anhängerschaft des Vereins haben Fangruppen insbesondere zur Jugend eine direkte Einflussmöglichkeit.

Wenn Nationalisten im Stadion versuchen, die eigenen Ideale aus dem Spiel zu lassen und möglichst wenig aufzufallen, dann ist das ein großer Fehler. Zum einen riskieren sie, über kurz oder lang aus dem Stadion verbannt zu werden, trotz aller Zurückhaltung, denn für die Antideutschen gibt es kein Szenario, in dem Nationalisten tolerierbar wären. Zum anderen vergibt man eine riesige Chance. Die bekannte Parole „Fußball ist Fußball – Politik ist Politik“ wurde bisher noch von keiner linken Fangruppe vertreten, sobald sie die geringste Möglichkeit haben, gehen sie gegen die Nationalisten in der eigenen Kurve vor. Der Fußball beeinflusst unzählige aktivistische, junge Menschen, deren politischer Werdegang noch nicht entschieden ist. Eine nationalistische Ultragruppe kann hier politische Arbeit in großem Stile leisten. Denn diese macht ja vor den Stadiontoren nicht halt: Der um sich greifende Raubtierkapitalismus greift den Fußball genauso an wie Millionen von Arbeitnehmern hierzulande, die „Politische Korrektheit“ versucht auch in den Kurven die Meinung zu unterdrücken und das Heimatgefühl wird nicht nur für ganz Deutschland, sondern auch für die eigene Region unterdrückt. Die Werte der Gemeinschaft, des Kampfes und der Treue werden genauso nicht falsch, wenn man das Stadion verlässt, sondern bleiben auch außerhalb davon richtig.

Natürlich ist die Situation von Ort zu Ort unterschiedlich und ein nationaler Bayernanhänger steckt in einer anderen Lage als ein nationaler Cottbusanhänger. Mancherorts kann man als Fansprecher oder auch als Vereinsmitglied oder generell durch die Präsenz in einer heimattreuen Gruppe Einfluss nehmen. Andernorts gelingt es vielleicht nur, gesellschaftlich integriert zu sein und sich nicht im eigenen Kameradenkreis einzuigeln. Wichtig ist jedoch, die eigenen Ideale niemals zu verraten und sich nicht zu verstecken. Leben heißt Kampf – auch im Stadion.





2 Kommentare

  • Sehr viel wichtiger ist mal ein Artikel der erklärt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, daß Nationalisten, die in den 1990er Jahren selbst in allen westdeutschen Stadien noch tonangebend waren sich bis auf wenige Leuchttürme wie Cottbus oder Chemnitz heutzutage aus allen Stadien haben vertreiben lassen bzw. warum dem kein effektiver Widerstand von rechts entgegengesetzt wurde.
    Und weiter – und das ist nämlich die Erklärung dafür! – warum in den 1960-1975er Jahren der linksextremistischen 1968er-Revolte von nationaler Seite oder auch von konservativ-bürgerlicher Seite NICHTS entgegen gesetzt wurde.
    Alles Negative – und dazu zählt auch die Entwicklung in den Stadien – ist letztlich auf den völligen Sieg der kulturmarxistischen 68er Szene zurück zu führen.
    Da muß man ansetzen und diese Entwicklung die 60 Jahre zurück liegt vom Kern auf rückgängig machen – zumindest es so gut es geht versuchen. Darüber mal bitte einen Artikel bzw. eher eine Artikelserie.

    terra 11.02.2019
  • Was sich aus meiner Sicht aber auch entschieden zu den Zeiten, als Glatzen viele Fanszenen noch dominierten, geändert hat, ist die uferlose Überfremdung der Mannschaften und die totale Kommerzialisierung des Fussballs. Und warum sollte da ein Nationalist noch die Zeit verschwenden, irgendwelchen ausländischen Söldnern hinterherzureisen?

    admin 11.02.2019

Kommentar schreiben

Deine E-Mail Adresse wird niemals öffentlich sichtbar!