Steigerwald-Panoramaweg: 4,5 Tage, 188 Kilometer – Ein Erlebnisbericht Teil 1

In unserer Arbeitsgemeinschaft Körper und Geist sammeln sich Sportler und Aktivisten unserer Partei, die unsere Weltanschauung vorleben und als Vorbild nach außen wie nach innen strahlen wollen. Der Kampfsport steht hierbei meist im Fokus von Medien und Gegnern. Aber in der AG Körper und Geist sind nicht nur Kampfsportler aktiv. Neben Fußballern und Radfahrern eben auch sportliche Wanderer. Einer von ihnen ist am 12. Mai 2021 morgens zur Bewältigung des Steigerwald-Panoramawegs[i] gestartet. Nach viereinhalb Tagen und 188 Kilometer später war er am Ziel seiner langen Wanderung. Nachfolgend der Erlebnisbericht des Wanderers:

Die Idee

Von dem Steigerwald-Panoramaweg erfuhr ich bei einer Winterwanderung mit Übernachtung in der Nähe der Burgruine Hohenlandsberg. Ich lief im Januar 2021 nach einer Nacht im Wald von einem morgendlichen Eisbad im Judensee (der heißt tatsächlich so) zurück zum Schloss Frankenberg, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Kurz vor dem Schloss sah ich eine Tafel, die über den Fernwanderweg aufklärte. Etwa 160 Kilometer quer durch den Steigerwald von Bad Windsheim nach Bamberg. Für mich hörte sich das sehr interessant an. Fernwanderwege haben mich schon länger gereizt. Bisher hatte ich jedoch noch nichts Passendes gefunden, was ich als berufstätiger Familienvater umsetzen konnte. Hier hatte ich nun etwas konkretes, greifbares, nahe meines Wohnortes. Und für 160 Kilometer dürften auch nicht allzu viele Urlaubstage draufgehen. So fasste ich den Entschluss, das Unternehmen zu wagen. Ein Plan reifte in meinem Kopf.

Der Plan und die Vorbereitung

Ich rechnete durch, wie lange ich für die Strecke von 160 Kilometern brauchen würde. Eigentlich sind 9 Tagesetappen vorgesehen. Da ich jedoch einen anderen sportlichen Anspruch habe, rechnete ich anders. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwa 4 km/h mit großem Biwak-Gepäck, das heißt für mich ca. 25 kg. Rechnerisch war das ganze demnach in 4 Tagen machbar. Zuhause holte ich mir erst einmal mehr Informationen. Die 3880 Höhenmeter Anstieg ließen mich aber eher auf 5 Tage schätzen.

An Ausrüstung plante ich alles ein, was ich für mehrere Übernachtungen im Freien brauchte. 3-Jahreszeiten-Schlafsack, Biwak-Sack, Wechselklamotten und Verpflegung für mindestens zwei Tage. Kartenmaterial wurde beschafft, die Route und Einkaufsmöglichkeiten eingezeichnet. In einem Anflug von Dekadenz packte ich auch noch ein paar Zusatzartikel ein. So einen Wasserfilter, falls ich über Klingelputzen nicht an trinkbare Flüssigkeiten herankomme und noch meine Hängematte für besonders erholsame Nächte. Im Zweifel dienen die Sachen als Extragewicht, denn als Sportler gilt für mich: Mehr Gewicht ist dem Trainingseffekt nicht abträglich.

Tag 1

Der Wetterbericht hatte im Vorfeld nichts Gutes verheißen lassen und leider auch Recht gehabt. Während des Frühstücks prasselte der Regen an die Scheiben des Speisezimmers. Als ich mit dem Frühstück fertig war, nahm ich noch schnell Abschied von Frau und Kind und dann ging es um 5 Uhr raus in den anbrechenden, regnerischen Tag. Die 2 km zum nächsten Bahnhof wurden schnell im Regen zurückgelegt. Mit dem Zug ging es sodann nach Bamberg.

Auf der Karte im Maßstab 1:50.000 ist die Route (blaue Markierung) eingezeichnet, der Grashalb zeigt auf das Tagesziel, der Startpunkt ist nicht mehr auf der Karte drauf.
Auf der Karte im Maßstab 1:50.000 ist die Route (blaue Markierung) eingezeichnet, der Grashalm zeigt auf das Tagesziel, der Startpunkt ist nicht mehr auf der Karte.

In der Domstadt nieselte es wenigstens nur leicht. Mit einem kurzen Stopp beim Bäcker, wo ich mir noch schnell ein Bamberger Hörnchen und eine Brezel hole, nehme ich durch die malerische Altstadt Kurs hinauf zum Dom. Etwas dahinter liegt erhöht an einem Wanderer-Parkplatz der eigentliche Ziel- und mein Startpunkt für den Steigerwald-Panoramaweg. Hier wartet schon ein Kamerad auf mich, der mich über einen Teil der ersten Etappe begleiteten will. Bei leichtem Nieselregen ging es durch den morgendlichen Michelsberger Wald. Bergab wechseln wir in den Laufschritt und machen so schnell Strecke. Als wir aus dem Wald heraustreten, ist der Regen stärker geworden. Zeit, den Regenponcho anzulegen. Im strömenden Regen ging es weiter.

Von Bamberg aus, teilweise am Main entlang nach Eltmann
Von Bamberg aus, teilweise am Main entlang nach Eltmann

Nach etwa fünf Stunden kommt der Main in Sicht. Der Weg führt immer über die Anhöhen südlich des Mains. Ohne die tiefhängenden Regenwolken hätte man sicherlich einen wunderbaren Blick, aber das ist uns bis auf einen kurzen Augenblick, als die Wolken aufreißen, meist verwehrt. Mit den sattgelb blühenden Rapsfeldern und dem teilweise tiefblauen Himmel ergab sich trotzdem eine harmonische Farbkombination. Man muss eben mit dem zufrieden sein, was man hat.

Oberhalb von Eltmann an der Ruine Wallburg folgten wir dem Spruch, der dort auf einem Kriegerdenkmal steht:

O Wanderer steh

Bedenk das Opfergut.

Wer du auch seist

Für dich floss unser Blut.

 

In der Zeit der Stille und des Gedenkens erschien das stetige Regengeplätscher auf den Boden und auf unsere Klamotten lauter als zuvor.

Weiter ging es, dem Panoramaweg folgend, in nördliche Marschrichtung. Meine Schuhe waren bereits durchgeweicht und mit jedem Schritt spürte ich, wie das Wasser durch die Socken gedrückt wurde. Aber es half nichts, der Regen hielt an und es musste weitergehen. Gegen 15:45 Uhr erreichten wir Trossenfurt. Etwa 35 Kilometer hatten wir bereits seit dem Bahnhof in Bamberg zurückgelegt. Hier verabschiedete sich mein Kamerad. Als ich in westlicher Richtung Tretzendorf durchquerte, brach ein heftiger Regenschauer über mich herein. In der nächsten Ortschaft Unterschlauersbach machte ich daraufhin eine kurze Pause, um die Stiefel auszuziehen und die klatschnassen Socken auszuwringen. Bevor ich mir wieder die nassen Socken überzog, cremte ich meine Füße noch mit einer dicken Schicht Hirschtalg ein.

Regen, Regen und nasse Füße
Regen, Regen und nasse Füße

Auch Anstrengung machte sich langsam bemerkbar. Das Gefühl gesellte sich zu dem Gefühl des Schmerzes, welches bis jetzt vor allem in Schulter und Hüfte aufgrund der Last des Rucksacks spürbar war. Nach 44 Kilometern war ich auf dem Schlossberg oberhalb von Zell am Main angekommen. Von hier konnte ich bereits mein sportlich gewähltes Tagesziel, den Großen Knetzberg erblicken. In den Jahren 2000 bis 200 vor Christus befand sich auf dem Großen Knetzberg eine mächtige Zufluchtsburg. Spuren der alten Befestigungsanlagen auf den 489 m hohen Berg sind noch heute ersichtlich. Bis dahin waren es neben einem steilen Ab- und gleich danach wieder Anstieg aber noch etwa 10 Kilometer. Zuvor mussten jedoch die Wasservorräte nachgefüllt werden. In dem kleinen Örtchen Zell am Main waren daher jedoch einige Klingeln zu putzen, bis endlich zwei ältere Damen die Tür öffneten. Meiner Bitte nach etwas Trinkwasser und alten Zeitungen wurde umgehend nachgekommen und ich musste mich eher noch höflich darum bemühen, nicht noch Essen zugesteckt zu bekommen. Als Gegenleistung für das Wasser und die Zeitungen erzählte ich den beiden Damen kurz von meinem Vorhaben. Beide Seiten waren danach zufrieden. Ich hatte mein Wasser und Zeitungen und die beiden Omas hatten ein Gesprächsthema, welches wohl den Abend ausfüllte.

Mit voller Trinkblase und somit wieder 3 kg schwerer, ging es dem letzten Anstieg des regnerischen Tages entgegen. Ich treffe noch auf einen sportlichen älteren Herrn, der von seiner abendlichen Jogging-Runde heimkehrt. Er ist begeistert von meinem Vorhaben und spricht mir gut zu. Um 21:42 Uhr war dann das Tagesziel nach 54,5 Kilometern erreicht. 1360 Höhenmeter Anstieg habe ich nach der Angabe des GPS-Geräts seit dem Bamberger Hauptbahnhof, wo ich heute Morgen vor 14 Stunden und 38 Minuten startete, erstiegen. Die Schutzhütte befand sich zwar in einem jämmerlichen Zustand, die Hälfte des Dachs war aufgrund eines Brandschadens undicht, aber angesichts der Erschöpfung und des immer noch anhaltenden Regens war mir der Zustand der Hütte egal. Ein kleines Tarp wurde aufgespannt und übernahm die Aufgabe des undichten Daches ausreichend. Mit den mitgenommenen Zeitungen stopfte ich meine Schuhe aus, richtete mein Nachtlager ein und fiel schnell in einen tiefen Schlaf, nachdem ich alle Ausrüstung ordentlich verstaut hatte.

Der zweite Teil des Erlebnisberichts folgt morgen

 


[i] https://www.frankentourismus.de/wege/steigerwald-panoramaweg-391/





  • Sehr lesenswert.

    Mal was praktisches: Nasse Füße wegen Regen verhindert man mit geeignetem Schuhwerk. 08/15-China-Nachbau (leider) von Bundeswehrstiefeln langen da vollkommen. Damit kann man zur Not auch mal einen Kilometer (länger habe ich’s noch nicht probiert) über 20cm hoch überschwemmte Wiesen gehen und kommt trotzdem trockenen Fußes hinüber.

    RW 27.05.2021
    • Aber selbst mit klatschnassen Füßen funktioniert das Marschieren noch, wenn man genug Hirschtalg draufschmiert. Ist nicht angenehm aber durch die Bewegung kommt keine Kälte auf und die Talgschicht verhindert Blasen oder ähnliches.

      Wanderer Teil 2 27.05.2021
    • Danke für den Hinweis. Als Schuhwerk habe ich die KSK3000 von Haix. Allerdings geht bei meinen mittlerweile die Sohle ab und ich habe das noch nicht kleben lassen. Sollte nach lediglich 3 Jahren nicht passieren, jedoch muss man den Schuhen zugute halten, dass ich extrem viel laufe und das Profil teilweise auch schon weggelaufen ist.

      Wanderer Teil 1 27.05.2021
      • Sehen auf Bildern im Internet sehr «modisch» aus. Ich habe hier (Brandit-)BW 2000 Kampfstiefel-Nachbau. Gewöhnungsbedürftig, aber dann bequem. Und bis Schafthöhe wasserdicht (regendicht sowieso), vermutlich nicht ewig, aber «überschwemmte Wiese» (>15cm Wassertiefe) ist kein Problem.

        RW 27.05.2021
  • Meinen größten Respekt. Klasse Leistung.

    Gerda 26.05.2021
  • Starke Aktion, freue mich schon auf den nächsten Teil 🙂
    Beste Grüße

    willi westland 26.05.2021

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