Fischsterben in der Oder – Ist Polen schuld?

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In der Oder findet derzeit ein tragisches Fischsterben statt. Umweltschützer müssen hilflos zusehen, wie Millionen Fische qualvoll verenden. Noch ist der genaue Hergang unklar, doch lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Ursachen in Oberschlesien liegen müssen. Offenbar haben polnische Unternehmen im oberschlesischen Ohlau und im niederschlesischen Glogau zu der Katastrophe beigetragen. Durch Abwassereinleitungen hat der Salzanteil in dem Gewässer stark zugenommen. So konnte sich offenbar eine Algenart ausbreiten, die auf die Fische toxisch wirkt.

 

Versagt auf ganzer Linie: polnische Umweltschutzbehörden

130 Tonnen. Diese gewaltige Zahl an toten Fischen wurde bis Mitte August bereits aus der Oder gezogen. Das Oder-Gebiet gleicht einem grauenvollen Schlachtfeld. Und diese Zahl dürfte noch steigen, denn ein Mittel, um das Fischsterben zu stoppen, gibt es offenbar nicht. Doch das Fischsterben ist keine „Strafe Gottes“, keine Naturkatastrophe und auch nicht auf den Klimawandel zurückzuführen. Das Fischsterben wäre vermeidbar gewesen, hätten kompetentere Umweltschützer als die polnischen Behörden das Geschehen in den schlesischen Gewässern überwacht.

Was ist geschehen?
Um den 26. Juli herum wurde in der Nähe von Ohlau bei Breslau erstmalig ein Fischsterben festgestellt. Schon im März wollen Anwohner dort festgestellt haben, wie eine Papierfabrik giftige Chemie-Abfälle in das Gewässer abgeleitet hat. Dabei war diese polnische Dreckschleuder offenbar nicht die einzige Umweltsünderin. Auch im 170 Kilometer flussabwärts gelegenen Glogau wurden Abwasser in den Fluss geschleust. Der Bergbaukonzern KGHM soll neuen Informationen zufolge Anfang August große Mengen an Salzwasser aus der Erzflotation in die Oder abgeleitet haben. Dafür hatte das Unternehmen offenbar eine Genehmigung der zuständigen Behörde „Wody Polskie“ („Polnische Gewässer“) erhalten.

Die polnische Regierung in Breslau war eigentlich frühzeitig über das Fischsterben informiert worden. So lag ein Schreiben der lokalen Umweltbehörde in Breslau bereits Anfang August in Warschau vor. Dennoch warnten die polnischen Behörden nicht. KGHM stellte die Abwassereinleitung nicht auf Druck polnischer Behörden ein, sondern aus eigener Beobachtung des Fischsterbens. Generell sind die Zustände in den polnischen Behörden offenbar chaotisch. Im Einzugsgebiet der Oder sind von mehr als 5800 Einrichtungen zur Abwassereinleitung nur 3500 genehmigt worden. An mindestens 280 Stellen werden gesichert illegal Abwasser in den Fluss geleitet. Die polnische Biologin Marta Jermaczek-Sitak gibt zu: „Wir haben Industrieanlagen in Schlesien, darunter Bergwerke, die regelmäßig Salzwasser ablassen. Papier- und Chemiefabriken leiten regelmäßig und illegal etwas in die Oder. Je weniger Wasser im Fluss ist, desto schwerwiegender können solche Einleitungen für die Umwelt sein.“

Die genaue Ursache für das Fischsterben ist noch nicht gesichert. Doch vieles deutet darauf hin, dass dafür eine Alge namens Prymnesium parvum (auch bekannt als Goldalge) verantwortlich ist. Diese Algenart bildet sich eigentlich nur in Brackwasser. Doch der erhöhte Salzspiegel im Wasser könnte die Bildung der Alge ermöglicht haben. Auch die vielen Stauungen im Odergebiet könnten die Algenbildung begünstigt haben. Jan Köhler ist Forscher am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin. Er erklärt hierzu: „Sollte in diesen Stauhaltungen aufgrund von industriellen Einleitungen stark salzhaltiges, warmes und nährstoffreiches Wasser längere Verweilzeiten gehabt haben, käme das einem Bioreaktor für die Zucht von Brackwasseralgen gleich“.

Die Alge bildet Toxine, sogenannte Prymnesine. Diese Giftstoffe greifen die Kiemen der Fische an. Zunächst attackieren sie die Zellen der Kiemen und Flossen der Fische und stören deren Wasserregulierung. Anschließend werden die inneren Organe geschädigt. Die Fische pendeln verzweifelt zwischen der Wasseroberfläche, wo sie verzweifelt nach Luft schnappen und dem Flussbett hin und her, wo sie schließlich verenden.

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