Frühlingsgleiche
Alles beginnt mit einem Traum,
die nackte Angst erfüllt den Raum.
Der Lichtgott Balder schreckte auf,
noch zitternd ob dessen Verlauf.
Er sah seinen eigenen Tod,
das pochende Herz offenbarte die Not.
Von diesem Alb gewürget tröstete ihn da,
seine liebe Frau – die Göttin Nanna.
Doch Ruhe wurd ihm nicht beschieden,
Balder konnte nicht mehr länger liegen.
Er erzählte es den Asen,
die dann erschrocken um ihn saßen.
Der Gott des Lichtes würde sterben?
Was solle die Welt dann erben?
Seine Mutter die Göttin Fria (Frigg) sagte nun,
es gibt keine Zeit jetzt auszuruh’n.
Sie forderte von allen Materialien und auch Leben,
einen festen und verbindlichen Eid zu geben.
Niemand dürfe ihrem Balder schaden,
niemand etwas Böses wagen.
Gesagt, getan, nun war er unverwundbar,
weder durch Feuer, Gift noch der Waffenschar.
Mittsommer
Zu Balders Höhepunkt entstand aus Spaß ein Spiel,
die Asengötter versuchen albern viel.
Sie attackieren des Frias (Frigg) und Wotans (Odin) Sohn,
und ernten Gelächter als spöttischen Lohn.
Denn keine Waffe vermochte ihrem Bruder zu schaden,
kein Material durchtrennte seinen Lebensfaden.
Unsterblich entgegen des Waffengerichts,
nicht sterben konnte der Gott des Lichts.
Doch ein Geheimnis gab’s durchaus,
der zwielichtige Loki fand’s heraus.
Ein Pflänzchen war zu zart zum Schwören,
und Allmutters Milde sollte ihr gehören.
Die Mistel gab den Eide nicht,
nun ersann Loki, Laufey’s Sohn, sein Blutgericht.
Des Neides und des Hasses über,
schlich er sich zu Höder rüber.
Der Blinde Gott der Nacht,
hat bei all dem Treiben gar nicht mitgemacht.
Als Bruder Balders saß er nur daneben,
bis Loki trat in dessen Leben.
Dieser begann seinen Ehrgeiz zu schärfen,
und gab ihm die Mistel zum werfen.
Der Genarrte begann das Spiel,
als plötzlich ein Körper darnieder fiel.
Die Schreie trafen den Gott der Nacht,
er hat den Gott des Lichtes umgebracht.
Groß war die Trauer und groß das Entsetzen,
rachsüchtig begann man den Loki zu hetzen.
Die Götterwelt wirkt wie benommen,
die Ragnarök hat nun begonnen!
Herbstgleiche
Der Gott des Lichtes tritt den Helweg an,
zum Totenreich führt ihn sein Weg fortan.
Ab jetzt werden die Tage kürzer,
es beginnt der große Abschiedswalzer.
Seine Frau die Göttin Nanna starb an Trauer,
folgte ihrem Mann hinter die Totenmauer.
Als Göttin des Abendrots,
folgt sie dem Lichte in den Tod.
Schwer drückt nun der Götter Los,
immerzu die Klage, was macht man bloß?
So ließen sie Hermod (Hermodr) auf des Sleipnirs Rücken,
mit einer Frage nach Helheim entrücken.
Er stellte Göttin Hel die Frage,
was erlöse Balder aus der Totenlage?
Göttin Hel beschied, wenn alles Balders Tod beweine,
komme sie damit ins Reine.
Von da ab sieht man Morgentau auf aller Welt,
das klar hierfür als Tränen zählt.
Doch eine Riesin Tök genannt,
jene ist als Dunkelheit bekannt,
die weinte nicht um das sterbende Licht,
gab sich mit gleichgültigem Gesicht.
So musste Balder bei der Totengöttin bleiben,
alle anderen müssen diesen Zustand leiden.
Inzwischen wurde Zwietrachtsbringer Loki in Haft gelegt,
ihm wurde eine harte Strafe auferlegt.
Auch sein Sohn, der gewaltige Wolf Fenris,
saß angekettet in einem Gefängnis.
Mittwinter
Fenris hat sich losgerissen und Loki ist befreit!
das Übel nach Ragnaröke schreit!
Sköll frisst die Sonne, Hati den Mond,
ein arger Zorn diesen Wölfen innewohnt.
Die Schlange Jörmunganda würgt die Erde,
und aufmarschiert der Riesen Herde.
die Toten auf dem Totenschiff der Hel,
stürmen los nach dem Befehl.
Ein gewaltiger Krieg beginnt und viele sterben,
Surturs (Surtr) Flammen lassen die Welt verderben.
Doch Feuer reinigt, schafft fruchtbaren Boden,
aus dem eine neue Heimat geworden.
Die Welten erwuchsen aufs Neue, blühen auf,
es beginnt ein frischer Lebenslauf.
Zu Mittwinter ist die Ragnarök vorbei,
und Balder kehrt aus Helheim zurück als Konterfei.
Das Licht kehret somit wieder,
es erweckt der Toten Glieder.
Langsam erreicht es die geschundenen Welten,
und lässt eine neue Zeit nun gelten.
Immer heller werden die Tage,
fast vergessen scheint des Krieges Plage.
Höder sank im großen Kampf geschlagen nieder,
doch er kehrt mit seinem Bruder wieder.
Zur Frühlingsgleiche sind sie harmonisch zusammen,
Gott Balder und Gott Höder, die aus Helheim kamen.
Glücklich bis zu jenem Traum,
wenn ein neuer Zyklus fordert seinen Raum.













