Die Jahre sind verstrichen – so viele an der Zahl,
hab wild gelebt – nahm immer nur die erste Wahl.
Was immer ich wollte, daß hab ich bestellt,
und wars mir zu teuer, hab ich die Zeche geprellt.
Ich hab das Leben mit vollen Händen ausgeschöpft,
und in gemütlicher Runde so manche Flasche Bier geköpft.
Doch nun ist alles anders, ein Baby ist da,
eine Laune wurde Wirklichkeit, noch eh man sich versah.
Und wie dieses Kind meine alte Welt hat zerfetzt,
hat frech die Prioritäten einfach neu umgesetzt.
Alles ist anders, das Leben wie auf den Kopf gestellt,
diese Entscheidung hat ein mächtiges Urteil gefällt.
Allmählich löst sich der Schleier – ich sehe nun klar,
die Wahrheit trifft hart, was für ein Träumer ich war!
Da hab ich denn schon so vieles erlebt,
und stelle nun fest – ich hab erst jetzt gelebt!
Das nächtliche Aufstehen, die Sorge ums Kind,
man könnte meinen, der Geist der spinnt.
Doch da liegt es nun, eingerollt auf meinem Arm,
und ein Gefühl steigt in mir auf, mein Herz wird so warm.
Die strahlenden Augen, wie siehst du mich an?
Deine kleinen Händchen ziehen mich in deinen Bann.
Wie du zum ersten Mal aufrecht gesessen bist,
dein kindliches Lachen, daß man niemals vergißt.
Ein schelmisches Grinsen wenn’s in der Windel rumort,
der Inhalt der Packung so schrecklich, wie von einem anderen Ort.
Die Nase, die wird neu belebt,
wenn’s zum Zehnten Male in der Hose nun bebt.
Das Babyzeug das ist zwar ziemlich teuer,
doch seitdem brennt in unserem Haus ein lebendig Feuer.
Eine Frage schafft Erkenntnis unentwegt,
hab ich früher überhaupt gelebt?
Deine ersten Gesten, der Griff zum Wasserglas,
ja suddeln und mantschen, daß macht dir Spaß!
Wenn deine unkoordinierte Hand zum wiederholten Male ins Gesicht mir klatscht,
dann muß ich so lachen, als wenn du mit Händen in deinem Essen rummatschst.
Wenn sich die ersten Buchstaben zu Grunzlauten formen,
dann beginnst du spöttisch unsere Dinge neu zu normen.
Mit stolz in der Brust schiebt man den Kinderwagen spazieren,
und krabbelt abenteuerlich durch Burgen auf allen Vieren.
In den Wäldern lebt der Hotzenplotz und auf der Insel das Urmel,
manchmal kann ich selber gar nicht glauben was ich da murmel.
Und immer wieder dieselbe Frage die in mein Bewußtsein strebt,
hab ich denn früher überhaupt gelebt?
Wie sehr ich doch lachen kann wenn du durch die Zimmer krabbelst,
oder auf dem Teppich sitzt und fleißig brabbelst.
Der Gang ins Schlafzimmer kann oft im Chaos enden,
hat man vergessen den Schlüssel im Schloß zu wenden.
Dann ist zuhauf die Wäsche bunt im Zimmer verteilt,
während das Kind spielend in den nun leeren Schubladen verweilt.
Wenn es aus der Küche plötzlich laut scheppert und laut kracht,
dann sitzt jemand kleines zwischen Tellern und Töpfen und lacht.
Ein Gummiball, der ist besonders fein,
den wirft man dann jauchzend ins nächste Zimmer hinein.
Springend flippert er gegen ein CD-Regal und die schöne Blumenvase,
als weiter auf den Tiffaniespiegel von der verehrten Base.
Wenn man als Elternteil dann solch ein Zimmer betritt,
macht man mit tränendem Auge sogleich einen Kostenschnitt.
Dazu noch dieses unschuldige Kleinkindgesicht,
das durch treudoofe Augen den Ärger aussticht.
In solch Situation ist mein Geist wie belebt,
und ich frage mich, habe ich zuvor überhaupt gelebt?
Wenn das erste Mal „Mama, Papa“ aus dem Kindermund erklingt,
das zarte Elternherz in himmlische Höhen schwingt.
Nie wird das Ohr etwas Schöneres hören,
dieses Glück wird nur den Eltern gehören.
Die ersten tapsigen Schritte, nie hab ich niedlicheres gesehn,
die ersten Versuche alleine zu gehn.
Beim spazieren greifst du zärtlich nach meiner Hand,
und all mein Ärger ist auf einmal wie gebannt.
Des Nachts schleicht sich jemand heimlich ans Bett,
mit verschlafener Gestalt, so kindlich und nett.
Im Bett wird man dann ganz zur Seite gedrückt,
seine Hoheit braucht Platz! Und schläft ganz verzückt.
Plötzlich hat man eine Hand im Gesicht,
einen Tritt in den Bauch und mit dem Schlafen ist Schicht.
Eng an den Bettrand gekauert liegt man nun da,
mittig grottenbreit das Kind, friedlich schlafend – wunderbar!
Doch es sind gerade diese Dinge, die das Leben erst so richtig leben lassen,
grell wie ein Feuerwerk in kargen, dunklen Gassen.
Seitdem bin ich sicher, ich hab zwar schon viel erlebt,
aber erst durch Kinder – habe ich wirklich gelebt!
Ein Hoch und ein klares „Ja“ zur Familie!














Wunderschön aus dem Herz in Worte gefasst 🫶