Vortrag am Bodensee: „Von der Roten-Armee-Fraktion zur nationalrevolutionären Bewegung“

Home/Regionen/Stützpunkt Bodensee/Südbaden/Vortrag am Bodensee: „Von der Roten-Armee-Fraktion zur nationalrevolutionären Bewegung“

Nationalrevolutionäre Aktivisten des Stützpunkts Bodensee/Südbaden versammelten sich am Samstag, dem 02. August, zum monatlich stattfindenden politischen Stammtisch. Neben der Planung künftiger politischer Aktionen stand ein Vortrag einer Berliner Kameradin auf der Tagesordnung, in welchem diese über ihren politischen Werdegang berichtete.

 

Opposition in der DDR

Aufgewachsen in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), erkannte sie bereits im frühen Jugendalter, dass die Verheißungen des DDR-typischen Sozialismus nichts als hohle Phrasen waren. Der graue DDR-Alltag erwies sich keineswegs als das Paradies der Werktätigen, als das die DDR-Eliten ihr sozialistisches System anpriesen. Mangelwirtschaft, Unfreiheit und politische Repressionen waren die prägenden Kennzeichen eines politischen Systems, das sich selbst als den vermeintlich besseren der beiden deutschen Nachkriegsstaaten verstand.

Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen in der DDR veranlasste die Referentin, Kontakt mit oppositionellen Gruppen in Ostberlin aufzunehmen. Die Teilnahme an Versammlungen kritischer Gruppen war mit erheblichen persönlichen Gefahren verbunden, da man jederzeit ins Visier der Staatssicherheit geraten konnte, die die gesamte DDR mit einem dichten Netz von Spitzeln überwachte. Vor allem die evangelische Kirche bot Oppositionellen Freiräume, in denen Systemkritik geübt und alternative Gesellschaftsvorstellungen diskutiert werden konnten; etwas, das andernorts im staatlich kontrollierten Raum der DDR unmöglich war. So entwickelten sich kirchliche Einrichtungen zu Treffpunkten für systemkritische Veranstaltungen, die Vernetzung der Opposition und die Verbreitung verbotener Literatur. Es entstand eine von der Staatsmacht unabhängige Struktur, in der Oppositionelle sich treffen, diskutieren und Informationen austauschen konnten.

 

Der Fall Wolf Biermann

Die Ausbürgerung von Wolf Biermann wurde zu einer entscheidenden Wegmarke im Leben der Referentin. Der ursprünglich kommunistisch geprägte Liedermacher und Lyriker siedelte 1953 im Alter von sechszehn Jahren in die DDR über. Hier wandelte sich der Idealist im Laufe der Zeit zu einem der schärfsten Kritiker der DDR und deren Staatspartei SED. Aufgrund systemkritischer Inhalte in Biermanns Liedern und Gedichten wurde der Künstler 1965 mit einem Auftritts- und Publikationsverbot belegt. In der Folgezeit publizierte Biermann seine Werke vor allem in Westdeutschland, wo er vor allem als Kritiker des DDR-Systems wahrgenommen wurde. Liedgut und Gedichte Biermanns fanden dennoch weite Verbreitung in der DDR, was deren Behörden trotz scharfer Repressionsmaßnahmen nicht unterbinden konnten. So kam auch die Vortragende in Berührung mit dem Werk Biermanns.

1976 wurde Wolf Biermann vom Vorstand der Gewerkschaft IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik eingeladen. Die hierzu erforderliche Ausreisegenehmigung wurde von den DDR-Behörden erteilt. Biermanns erstes Konzert der geplanten Tournee fand am 13. November vor 7000 Zuhörern in der Kölner Stadthalle statt und wurde live im Westdeutschen Rundfunk (WDR) übertragen.

Biermanns Auftritt in Köln nahmen die DDR-Behörden zum Anlass, den Künstler unter dem Vorwurf „der groben Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ auszubürgern und die Wiedereinreise in die DDR zu verweigern. Der diesbezügliche Beschluss des Politbüros wurde am Nachmittag des 16. November durch die DDR-Nachrichtenagentur ADN verbreitet. Gleichentags veröffentlichten prominente DDR-Schriftsteller eine Protestnote, der sich etwa 100 weitere Personen anschlossen. Am 17. November wurde ein rund zweistündiger Konzertausschnitt im WDR-Fernsehen gesendet. Auch in Teilen der DDR konnten bereits zum damaligen Zeitpunkt westliche Fernseh- und Rundfunkübertragungen empfangen werden. Wie zahlreiche andere systemkritische DDR-Bürger, die auf den Wirbel um die Ausbürgerung Biermanns aufmerksam geworden waren, verfolgte auch die Referentin die Ausstrahlung des Konzertausschnitts im WDR. Einige Tage später, am 19. und 20. November, wurde der Konzertmitschnitt auch in voller Länge im ARD-Fernsehen ausgestrahlt.

 

Flugblattaktion im Dunkel der Nacht

Zusammen mit anderen Oppositionellen entschloss sich die Referentin kurz darauf, zum Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns aufzurufen. Ein Flugblatt wurde entworfen und zur Vervielfältigung nach West-Berlin geschmuggelt. Unentdeckt von den DDR-Behörden gelang es auch, die Flugschriften nach deren Druck wieder in den Ostteil der Stadt zu transportieren.

Im Dunkel der Nacht machten sich die Vortragende und eine Reihe von Mitstreitern daran, die Flugblätter großflächig in Ostberlin in Briefkästen zu verteilen. Kurz vor dem Ende der Aktion wurde ein Teil der Gruppe von Volkspolizisten entdeckt und festgenommen. Die Referentin selbst konnte sich einer Verhaftung zunächst entziehen. Bis zum Anbruch des nächsten Tages versteckte sie sich im Treppenhaus eines Wohnblocks und blieb so unentdeckt. Auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Bahnhof wurde sie jedoch aufgrund einer Personenbeschreibung wiedererkannt und von Polizisten in Gewahrsam genommen.

 

Inhaftierung und Freikauf

Für die Flugblattaktion wurde die Referentin als Rädelsführerin der Gruppe zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt. Doch bereits nach Ablauf eines Jahres wurde sie im Rahmen eines sogenannten Häftlingsfreikaufs entlassen und siedelte in die Bundesrepublik über, wo sie zunächst im Auffanglager in Gießen Aufnahme fand. Seit 1962 wurden regelmäßig politische Häftlinge in der DDR durch die Bunderepublik Deutschland freigekauft. Im Austausch für üppige Devisenzahlungen sowie Leistungen in Form von Warenlieferungen aus der BRD verzichteten die DDR-Behörden in bestimmten Fällen auf den Vollzug eines Teils der verhängten Haftstrafe, was den verantwortlichen DDR-Institutionen seitens der westdeutschen Öffentlichkeit den nicht unbegründeten Vorwurf des Menschenhandels einbrachte. Insgesamt wurden so 33.755 politische Häftlinge für eine Summe von 3.436.900.755,12 Deutsche Mark freigekauft. Auf eigenen Wunsch wurden unzählige freigekaufte politische Gefangene in die Bundesrepublik ausgebürgert.

Auch die Referentin entschied sich dafür, der DDR den Rücken zu kehren und einen Neuanfang im Westen zu wagen. Doch im Unterschied zu anderen freigekauften Ex-Häftlingen fiel sie nach Ankunft in der Bundesrepublik nicht auf die Knie und wähnte sich plötzlich im vermeintlich „gelobten Land“, sondern betrachtete die bestehenden Verhältnisse in ihrer neuen Heimat durchaus skeptisch.

 

Neuanfang in Westberlin

Die Vortragende entschied sich für Westberlin als neuen Lebensmittelpunkt. Hier kam sie an der Freien Universität Berlin in Kontakt mit verschiedenen linken bis linksradikalen Gruppierungen. Vor der Hauptbibliothek der Universität wurde zum damaligen Zeitpunkt ein regelrechter Markt politischer Ideen bzw. Ideologien veranstaltet. Linksgerichtete Gruppierungen boten an unzähligen Ständen ihre Flugschriften und Publikationen an: Beispielsweise Kommunisten, Sozialisten, Trotzkisten, Maoisten, Syndikalisten und Anarchisten, um nur einige Gruppen aus dem dort vertretenen Spektrum zu nennen. Die Referentin beschäftigte sich in der Folgezeit vor allem mit verschiedenen anarchistischen Strömungen und las begierig Werke unter anderem des russischen Anarchisten Pjotr Alexejewitsch Kropotkin sowie des französischen Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon.

 

Unterstützung der Roten-Armee-Fraktion

In Westberlin kam die Referentin später in Kontakt mit Unterstützern der Roten-Armee-Fraktion (RAF), die sie von einer Mitarbeit in deren Strukturen überzeugten. Aus der westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre heraus hatte sich ein militanter Teil entwickelt, der verschiedene terroristische Gruppierungen wie die Rote-Armee-Fraktion, die Bewegung 2. Juni, die Revolutionären Zellen und die Rote Zora begründete. Die Gründer der RAF verstanden sich selbst als kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild. Ihren Auffassungen nach musste der Kampf gegen den US-Imperialismus und das mit diesem verbündete BRD-System bewaffnet geführt werden. Von der RAF existieren verschiedene Grundsatzschriften, Bekenner- und Rechtfertigungsschreiben, die in der Gesamtbetrachtung erkennen lassen, dass die Gruppierung keine konsistente Weltanschauung oder Ideologie vertrat. Im Gegenteil, die veröffentlichten Schriften der RAF weisen gesamthaft ein gehöriges Maß an Eklektizismus auf. Kennzeichnend für deren Publikationen ist die Vermischung unterschiedlicher Versatzstücke linker Theorien und Strömungen, eine genuine RAF-Weltanschauung existierte dagegen nicht.

Neben dem eigentlichen Kern der verschiedenen sogenannten „Generationen der Roten-Armee-Fraktion“ existierte ein weitverzweigtes, halblegales System der Unterstützer-Logistik, für das die Referentin angeworben wurde. Fortan war sie Teil des Unterstützerumfelds und mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. So entwendete sie zusammen mit anderen RAF-Unterstützern in Hamburg Autokennzeichen für gestohlene Fahrzeuge, die für verdeckte Operationen der Grupppierung vorgesehen waren. Ebenso beteiligte sich die Referentin an der Anlage von geheimen Notvorräten vor allem in Waldgebieten, die RAF-Mitgliedern im Falle einer Flucht zur Verfügung stehen sollten. Behältnisse mit Waffen, Munition, Geld, Blanko-Ausweisen, Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Funkgeräten wurden hierzu im Erdboden versteckt.

Die Zeit, in welcher die Referentin Teil der Unterstützer-Logistik der RAF war, diente auch als eine Art Bewährungsprobe, sodass sie später vor die Entscheidung gestellt wurde, selbst in den Untergrund zu gehen und den bewaffneten Kampf gegen die BRD aufzunehmen. Doch die Vortragende entschied sich gegen den Gang in den Untergrund. Ihre persönliche Lebensplanung ließ sich nicht mehr in Übereinstimmung mit dem Kampf der RAF gegen das BRD-System bringen, weshalb sie sich aus den Strukturen des RAF-Umfeldes zurückzog.

 

Rückzug und Besinnung

Es folgte eine Phase des Rückzugs von politischen Aktivitäten, in welcher sich die Referentin sich mit der nationalen Opposition sowie nationalrevolutionärer Politik zu beschäftigen begann. In ihr reifte die Erkenntnis, dass ein wahrer Sozialismus nur auf nationaler Grundlage zu verwirklichen ist. Statt verworrenen Ideen von einem Internationalismus anzuhängen, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, gilt es, einen Deutschen Sozialismus zu verwirklichen, der allein für die Wesensart des deutschen Volkes angemessene politische Organisationsform darstellt. Im Rahmen dieses politischen Reifungsprozesses fand die Referentin ihren Weg in die nationalrevolutionäre Bewegung, deren Teil sie nun seit vielen Jahren ist.

 

Für einen Deutschen Sozialismus

Der politische Werdegang der Referentin mag bei oberflächlicher Betrachtung widersprüchlich erscheinen. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch, dass deren Umschwenken aus linken Gefilden ins nationalrevolutionäre Spektrum letztlich folgerichtig war. Die Konstante im Leben der Referentin war stets die Suche nach einer angemessenen und vor allem funktionsfähigen Form eines sozialistischen Systems. Ein solches System kann nur in Form eines Deutschen Sozialismus, eines dritten Wegs jenseits von gleichmacherischem Kommunismus und ausbeuterischem Kapitalismus bestehen. Während realsozialistische Experimente sich im Rahmen des Zusammenbruchs der Ostblockstaaten als funktionsunfähig erwiesen haben und obsolet geworden sind, gehört dem Deutschen Sozialismus die Zukunft.

Der Deutsche Sozialismus ist nicht auf eine Wirtschaftsordnung zu reduzieren, sondern zielt auf eine systematische Neuordnung aller Bereiche des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Der Deutsche Sozialismus ist die Lehre des Zusammenlebens und der Solidarität mit und für unser Volk. Er ist ein wichtiger Aspekt innerhalb unserer Lebensordnung und ganzheitlichen Weltanschauung, welche sich an den Naturgesetzen und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert und als Sinn die Sicherung der natürlichen Ordnung erkennt.