Moskau: Kalaschnikow ist die neue Handtasche

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Wenn in Moskau heute Mädchen in Uniform und mit Kalaschnikow umherlaufen, dann sind es nicht die alten „Flintenweiber“ der Roten Armee (Frauenbataillone, die als besonders grausam und wenig attraktiv galten). Es sind hübsche Russinnen, die mit der Mode gehen. Gleich am Flughafen Scheremetjewo befindet sich ein Laden des legendären Waffenhändlers, der allerdings nichts Verbotenes anbietet, sondern Deko-Maschinengewehre zum Ausgehen und Kleidung in militärischem Stil. Auch im Weltnetz sind diese Sachen zu bestellen, und sie kommen sogar durch die Sicherheitskontrolle.

Die Gründe für das neue Angebot sind zweierlei: Auf Grund der Sanktionen lassen sich echte Waffen aus russischer Fertigung nicht mehr so gut verkaufen, deshalb haben die Firmen den eigenen Markt entdeckt. Zweitens gibt es im Putin-Zeitalter die Nachfrage nach einer Mode, die dem russischen Selbstbewußtsein und militärischen Auftrumpfen angemessen ist und eine patriotische Zustimmung zu diesem Kurs symbolisiert. Ganz billig ist dieser Trend nicht zu haben: die nachgemachte Kalaschnikow AK 74 (das Urmodell hieß AK 47) kostet etwa 500 Euro. T-Hemden mit Firmenlogo gibt es aber schon ab 10 Euro.

Bereits 2014 hatte das Verteidigungsministerium die Modemarke Armija Rossii (Armee Russlands) gegründet. Der rote Sowjetstern, Zeichen der russischen Streitkräfte, ist das Logo der Marke und leuchtet in einer edlen Boutique im Zentrum von Moskau metergroß an der Wand. Bunte Fotos von martialischem Kriegsgerät schmücken den Aufgang in das Obergeschoss. In den Schaufenstern wirbeln Kampfjets und Panzer über Großbildschirme.

Auch hier sind die Preise hoch. Fast 700 Euro kostet eine Lederjacke mit dem Bild eines Kampfflugzeugs auf dem Rücken. Modisch abgewandelte Uniformen sind noch teurer. Man bekommt aber auch Uhren, Taschenmesser und Hygieneartikel mit der Aufschrift „Armee-Standard“.

Bei der Moskauer Fashion Week sprang der Trend auf andere Designer über, die nicht vom Staat gelenkt werden. Die Mode folgt auch einer Eigendynamik. Es gibt zwar eine konkrete Absicht: „Das Verteidigungsministerium hofft darauf, daß es mit Hilfe dieser Geschäfte junge Leute für den Dienst in der Armee begeistern und ihnen zeigen kann, daß sich dahinter nicht nur der Alltag in der Kaserne verbirgt, sondern wahre Romantik“, schreibt die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Doch könnte auch Snobismus – das Spiel mit dem Feuer – bei den meist jungen Kunden eine Rolle spielen. In jedem Fall wirkt der militärische Stil ästhetisch meist ansprechender, als was sonst heute getragen wird.