Entgegen aller Prognosen und dem Zerrbild, das die deutsche Medienlandschaft gezeichnet hat, hat es Donald Trump geschafft zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) gewählt zu werden.
Vieles ist bereits über Trump und sein Werdegang geschrieben worden, seine teils unbedachten Äußerungen waren innerhalb von Minuten in jeder deutschen Zeitung zu lesen, und natürlich konnten es sich deutsche Politiker nicht verkneifen gegen Trump zu schießen und vor seiner Wahl zu warnen. Was wir in Deutschland und in anderen westeuropäischen Ländern sehen, die Frontstellung einer abgehobenen politischen Klasse mit dem anhängenden Establishment gegen die Majorität des Volkes, konnte bei dieser Wahl auch in den USA beobachtet werden. Trump hat sich als Außenseiter gegen eine Allianz aus ganz linken bis liberalen Kreisen gestellt, gegen die Presse und nahezu alle Personen des öffentlichen Lebens, ja sogar gegen seine Partei selbst gestellt, und grade deswegen gewonnen. Er schaffte es trotz seiner offenkundigen Mängel und Schwächen die Menschen wieder zu begeistern und ihnen eine Stimme zu geben, gegen Einwanderung, gegen Globalisierung, und gegen ein politisches System das seine Entscheidungen von Lobbyorganisationen und Berufspolitikern abhängig macht.
Die weiße Arbeiterschaft will die Wende
Die Wahl war darüber hinaus auch eine ethnisch aufgeladene Frontenbildung. Während Clinton die nicht-weißen Minderheiten repräsentierte, stand Trump für die weiße Bevölkerungsmehrheit ein. Insbesondere aus der Arbeiterklasse und des erodierenden Mittelstandes konnte er seine Anhänger und Wähler rekrutieren. Jene Schichten die sich keine teure Wohnung an der Ostküste leisten können und die in den letzten 40 Jahren von den Entwicklungen sowohl in den USA als auch in Europa als Verlierer betroffen waren. Es zeigt eine Entwicklung weg von der klassischen Auffassung, dass die Arbeiterklasse links wählt. Die neue Linke hat diese schon längst vergessen und verraten und hängt lieber ihren Utopien der Globalisierung, Auflösung der Nationalstaaten und multikultureller Gesellschaften an. Neben der ethnischen Frage und des Aufstandes des einfachen Volkes gegen abgehobene Eliten war also auch die soziale Frage der entscheidende Faktor dieser Wahl. Warum die Amerikaner einen vollkommenen Politneuling mit unklaren politischen Positionen gewählt haben, lässt sich aufgrund der Einseitigkeit der deutschen Presselandschaft scheinbar nicht verstehen. Es wird aber verständlich, wenn man hinter die Kulissen schaut. Einen solchen Blick hinter die Kulissen erlaubt Michael Moores – übrigens ein linker Clinton-Wähler, der vor der Wahl Donald Trumps gewarnt hat – Film „Trumpland“. Darin heißt es u.a.:
Ich kenne einen Haufen Leute in Michigan, die vorhaben, für Trump zu stimmen, und sie mögen ihn gar nicht mal so sehr, noch sind sie unbedingt seiner Meinung. Sie sind keine Rassisten oder Rednecks, sie sind eigentlich ziemlich anständige Leute, und nachdem ich mit einigen von ihnen gesprochen habe, möchte ich dies hier schreiben.
Donald Trump kam zum Detroit Economic Club und stand dort vor den Managern von Ford Motor und sagte: „Wenn Sie diese Fabriken in Detroit schließen, wie es Ihr Plan ist, und sie in Mexiko neu aufbauen wollen, dann werde ich diese Autos mit einer Zollsteuer von 35% belegen, wenn Sie sie zurückschicken, und niemand wird sie kaufen.“ Das war eine erstaunliche Szene. Kein Politiker, ob Republikaner oder Demokrat, hat diesen Managern jemals irgendetwas Vergleichbares gesagt, und es klang wie Musik in den Ohren der Menschen in Michigan und Ohio und Pennsylvania und Wisconsin – den „Brexit“-Staaten.
Sie leben hier in Ohio, Sie wissen, wovon ich spreche. Ob es Trump nun ernst meint oder nicht, ist eher irrelevant, weil er diese Dinge zu Menschen sagt, die leiden, und darum liebt jeder niedergeschlagene, namenlose, vergessene Malocher, der einmal Teil dessen war, was man die Mittelschicht nannte, Trump. Er ist der menschliche Molotow-Cocktail, auf den sie gewartet haben; die Handgranate in Menschengestalt, die sie legal auf das System schmeißen können, das ihnen das Leben gestohlen hat.
Und nun kommt der 8. November. Obwohl sie ihre Jobs verloren haben, obwohl die Bank eine Zwangsvollstreckung angeordnet hat, danach kam die Scheidung, und nun sind die Frau und die Kinder weg, das angezahlte Auto mußte zurückgegeben werden, und sie hatten seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr, stecken im beschissenen Bronze-Plan der Obamacare fest, wo man nicht einmal ein verdammtes Percocet (ein Schmerzmittel) bekommen kann… sie haben im Grunde alles verloren, was sie hatten, außer einer Sache, die sie keinen Cent kostet und die ihnen von der Verfassung garantiert wird: das Recht zu wählen.
Sie mögen mittellos, sie mögen obdachlos sein, sie mögen verarscht und abgefuckt sein, das ist alles egal, denn an diesem Tag sind alle gleich – die Stimme eines Millionärs zählt genausoviel wie die eines Menschen ohne Job: als eine einzige. Und es gibt mehr davon in der ehemaligen Mittelschicht als in der Schicht der Millionäre. Darum werden die Enteigneten am 8. November in das Wahllokal gehen, einen Stimmzettel bekommen, den Vorhang zuziehen, und mit diesem Knopf oder Filzstift oder Tastbildschirm ein scheißgroßes Kreuz in das Kästchen machen, das den Namen jenes Mannes trägt, der gedroht hat, genau das System umzukrempeln und geradezubiegen, das ihr Leben ruiniert hat: Donald J. Trump.
Sie sehen, daß die Eliten, die ihr Leben ruiniert haben, Trump hassen. Das Amerika der Konzerne hasst Trump. Die Wall Street hasst Trump. Die Karrierepolitiker hassen Trump. Die Medien hassen Trump, nachdem sie ihn geliebt und geschaffen haben und nun hassen. Danke, Medien: Der Feind meines Feindes ist derjenige, den ich am 8. November wählen werde.
Wir sehen bei den bisherigen Wahlen – Brexit, Präsidenten-Wahl in Österreich, nun USA – der Aufstand des einfachen Volkes gegen das Konglomerat aus Presse, Politik, Wirtschaft und Establishment. Es sind die ersten Anzeichen eines Aufstandes gegen den herrschenden, kosmopolitischen Liberalismus und der Globalisierung.
Was von Trump nun am Ende wirklich zu erwarten ist, wird die Zukunft zeigen. Ob er Millionen illegaler Einwanderer abschieben wird und eine Mauer zu Mexiko bauen wird, ob er sich aus der NATO und anderen internationalen Organisationen zurückzieht, ob er auf Kooperation mit Russland und anderen Ländern setzen wird, statt einen neuen kalten Krieg anzustacheln, das alles ist noch ungewiss. Das einzige was sicher ist, ist dass das weiße Amerika – und zunehmend die weiße Bevölkerung Europas – einen Wechsel will, und zwar nicht der Tagespolitik, sondern der Grundzüge der gesamten Politik seit 1945. Ob Trump, Hofer oder ähnliche Politiker dies bewerkstelligen können, wird sich zeigen. Es sind jedenfalls die letzten Möglichkeiten für die Massen noch innerhalb der Systeme etwas zu ändern ohne dabei den grundsätzlichen Aufbau und Funktionsweisen der bestehenden Staaten und Gesellschaftsordnungen in Frage zu stellen. Es sind, noch, mehr weitgehende Reformations- statt Revolutionsversuche. Diese bewirken aber bereits jetzt eine klare Frontlinie: Lügenpresse, etablierte Politik, Establishment, Großfinanz und Migranten auf der einen Seite, große Teile der Völker auf der anderen.
Wenn auch die Reformationsbemühungen der von den Medien verunglimpften „Rechtspopulisten“ gescheitert sind, und das werden sie, da man auf einem morschen und kaputten Fundament nicht aufbauen kann, wird es sich zeigen, ob diese Völker noch genug Kampfwillen haben, um zu ihrem eigenen Überleben die Systemfrage zu stellen. Europa hatte nach dem ersten Weltkrieg eine ähnliche Situation. Der französische Intellektuelle Pierre Drieu la Rochelle, der sich 1934 dem Faschismus zuwandte, sah sich ebenfalls in einer vergleichbaren Lage wie wir heute. „Der Faschismus ist die politische Bewegung der erneuerungswilligen europäischen Jugend, die nach 1918 schnell erkannt hat, dass das System der parlamentarischen Demokratie die Durchführung grundlegender sozialer und ökonomischer Reformen erschwert, wenn nicht gar ausschließt.“, waren seine Worte zu einem Kampf gegen ein scheinbar erstarrtes und entartetes System.
Es wird sich zeigen, inwieweit die europäische Jugend sich erneut zu einem solchen fundamentalen Kampf entscheidet. Das Banner des deutschen Sozialismus steht jedenfalls bereit, aufgegriffen und in eine bessere Zukunft getragen zu werden.
Wie diese Zukunft aussieht, inwieweit sich Trump als Antiimperialist bewahrheitet, der Europa und Deutschland aus den Fesseln der amerikanischen Vorherrschaft und denen der Großfinanz befreien wird oder ob er sich als reiner Machtpolitiker entpuppt, wird sich zeigen. Wir können diese Entwicklungen nicht voraussagen und maßen es uns, entgegen den Verrätern in den Parlamenten und Redaktionsstuben, auch nicht an. Aber wir sehen die Sturmzeichen, die sich über dem was als „Westliche Wertegemeinschaft“ verstanden wird, ankündigen.














