In der Fernsehshow „Unsere Besten – Die größten Deutschen“ kürte das ZDF in der Sendung vom 28. November 2003 Karl Marx zum drittgrößten Deutschen. Nur Adenauer und Luther waren demnach noch beliebter. Aber wer ist eigentlich dieser „Deutsche“ namens Karl Marx? Karl Marx entstammte einer durch und durch jüdischen Familie, die ursprünglich Mordechai hieß, aber den in Deutschland häufig vorkommenden Namen Marx annahm. Karl stammte aber nicht von irgendeiner jüdischen Familie ab. Seine Vorfahren waren äußerst einflussreiche Rabbiner. Sein Urgroßvater war Rabbi, sein Großvater war Rabbi, sein Onkel war Rabbi. Väterlicherseits wie mütterlicherseits ein Spross von Talmudgelehrten. Über seinen Ururgroßvater Josua Heschel Lwow hieß es: „Er habe ein sehr großes Ansehen genossen, und nichts sei in der jüdischen Welt unternommen worden, ohne daß man ihn vorher um seine Meinung befragt hätte.“ (Arnold Künzli: Karl Marx – Eine Psychographie, Wien 1966, S. 34)
Aber obwohl die Familie so erzjüdisch gesinnt war, ließ sich der Vater von Karl taufen und wurde Christ. Aus Heschel Marx wurde Heinrich Marx. Seine Mutter zog nach und ließ sich und die Kinder ebenfalls taufen. Damit nicht genug: Im erzkatholischen Trier wurden die Marx keine Katholiken, sondern Protestanten und das, obwohl es in Trier weder eine protestantische Kirche, noch eine protestantische Kirchengemeinde gab. Gerade einmal 300 Protestanten zählte Trier damals. Warum wurde er also Christ und dann noch Protestant? Nun, Heschel Marx war Anwalt und Juden war die Ausübung dieses Berufes Anfang des 19. Jahrhunderts in Preußen nicht gestattet. Mit dem Übertritt konnte Heinrich Marx so seinen Beruf weiter ausüben. Preußen war schließlich mehrheitlich protestantisch. Der Protestantismus bot den Marx also bessere Bedingungen als der Katholizismus. (Ebd., S. 41-42)
Dass der Übertritt pragmatische Gründe hatte, verrät auch ein Brief von Karls Mutter von 1853, betreffend der Abreise ihrer Tochter nach Kapstadt „[…] und es scheint das es Loos des Volkes I[srael] wieder bey mir in erfülung geht das meine Kinder in alle Welt sollen verstreyt werden.“ Nicht nur seine Mutter betrachtete sich als Jüdin, auch Karl identifizierte sich als Jude. In einem Brief an seinen Onkel bezeichnete er sich als einen „Stammesgenossen“ von Benjamin Disraeli. Auch seine Freunde identifizierten Karl als Juden, wenn sie ihn als „Oberhaupt der Synagoge bezeichneten“ oder im schrieben: „Suchen Sie ihr Hebräisch heraus […]“. (Ebd., S. 196-197)
Warum sind seine jüdischen Wurzeln so wichtig? Judentum und Kommunismus sind schlecht voneinander zu trennen. Warum gerade das Judentum eine Neigung für den Kommunismus besaß und besitzt, kann in diesem kurzen Text nicht erläutert werden. Es sei nur soviel gesagt, dass der Kommunismus ohne Judentum keine Rolle in der Weltgeschichte zu spielen vermocht hätte. Ohne Marx, Trotzki, Lenin, Jagoda, Sokolnikow, Swerdlow, Uritzki, Kamenew, Sinowjew, Liebknecht, Luxemburg, Bela Kun, Tito usw. hätten ihm schlicht und einfach die Führer gefehlt.
Marx und der Kommunismus
Im Jahre 1848 veröffentlichte Marx zusammen mit Friedrich Engels das sogenannte „Kommunistische Manifest“. Laut ihm sei die ganze Geschichte der Menschheit eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen. Auch im Zeitalter des Kapitalismus. Wenn der Kapitalismus weit genug vorangeschritten sei, erhöbe sich die ausgebeutete Klasse (Proletarier) gegen die ausbeutende Klasse (Bourgeoisie). Es entstünde zunächst die „Diktatur des Proletariats“. Der Privatbesitz an Produktionsmitteln würde beseitigt und gehörte dann allen. Mit der Verbrüderung aller Proletarier entstünde die kommunistische Gesellschaft (die klassenlose Gesellschaft) ohne Nationen, Religionen, Familien: Das Paradies auf Erden. Der Wohlstand wäre gleich verteilt und er sorgte dafür, dass jeder tun könne, wonach ihm beliebt. Es gäbe keine Zwänge mehr. Keine Herrscher und keine Sklaven. Soviel zur Theorie.
Wie sah nun das Leben unter den Kommunisten tatsächlich aus? Verschwand das Herrschen oder Beherrschtsein in der DDR, Sowjetunion, Nordkorea, China oder in Kambodscha? Waren Stalin, Mao und Pol Pot keine Herrscher? Wenn die Millionen Toten dieser Herrscher aber nur den Weg pflastern sollten, um in die kommunistische Gesellschaft zu münden, wieso ist das Paradies noch nicht erschienen? War das Blutgeld etwa nicht hoch genug? Es ist wohl gerade ein Phänomen der Kommunisten, dass sich die Menschen unter ihnen beherrscht fühlen. Laut Marx waren sie aber angetreten, die Herrschaft abzuschaffen. Und was wurde aus dem versprochenen Wohlstand? Hatte Marx nicht in „Die deutsche Ideologie“ so viel Wohlstand versprochen, dass ohne Ende Freizeit für jeden bestünde und es möglich sei “heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ Nun, Kritik gefiel den kommunistischen Herrschern schon mal gar nicht. Dafür wurden zu viele Geschlechter ausgerottet. Aber vielleicht gab es wenigstens materiellen Wohlstand? Überall wo die Kommunisten an Wirtschaftsfragen herantraten entstand schnell eine Mangelwirtschaft, die natürlich Armut zur Folge hatte. Der deutsche Fleiß bescherte der DDR zwar einen höheren Lebensstand als in anderen Ländern unter kommunistischer Herrschaft, aber verglichen mit dem, was machbar war, war dies ein schwacher Trost. In der Sowjetunion konnte man nur über den deutschen Standard staunen. In Nordkorea und Kuba herrscht heute noch eine tiefe Armut. Es ist aber bezeichnend für solche Staaten, dass die eigene Bevölkerung vor der Republikflucht gehindert werden musste und muss. Wo sonst auf der Welt wurden Mauern errichtet, nicht um Eindringlinge fernzuhalten, sondern die eigene Bevölkerung einzusperren? Es ist ein exemplarisches Beispiel, das sich auf die DDR, wie auf Nordkorea anwenden lässt.
Das Scheitern lässt sich für einen heute lebenden Kommunisten nur schwer eingestehen. Und wer nicht aufgeben will, der sucht die Fehler nicht in der Ideologie, sondern in den Führern. Der Kommunismus sei also nur nicht richtig versucht worden. Alle Versuche waren schlechte Versuche. Diese Ansicht wird vertreten, obwohl auf jedem Kontinent der Erde viele Versuche durchgeführt wurden. Der Kommunismus könne nur als Ganzes funktionieren, heiße es, also nur wenn die ganze Welt kommunistisch wäre. In gewisser Weise haben die Anhänger dieser Ansicht sogar Recht, denn wenn es keine Vergleichsländer mehr gibt, kann man schlecht auf Mangel und Armut verweisen. Der Mangel wird dann Normalität. Schon Lenin und Stalin schirmten die Sowjetunion hermetisch ab, so dass kaum Informationen nach draußen und drinnen zu den Bevölkerungen drangen. Wenn die Sowjetbevölkerung gewusst hätte, wie sie für Wirtschaft und Rüstung ausgebeutet wurde und in welchem Dreck sie verglichen mit den Europäern gelebt hatten, hätte wohl kaum ein Arbeiter oder Bauer die Sowjetunion verteidigt. Wer aber nichts weiß von einem besseren Leben, hält sein eigenes vielleicht für akzeptabel.
Planwirtschaft – ein unnatürliches Wirtschaftssystem
Die Planwirtschaft ist der Marktwirtschaft heillos unterlegen. Wieso ist das so? Der Mensch ist auf Nützlichkeit programmiert. Würde dies nicht der Fall sein, würde sich der Mensch noch stärker in schöne Theorien verrennen, als er es jetzt schon tut. Er würde seine Selbsterhaltung vernachlässigen. Ein Beispiel: Ein Unternehmer der Privatwirtschaft trägt das Risiko für eine Investition. Er hat genau abzuwägen, was ihm nützlich ist und was ihm eher schädlich ist. Die Verantwortung liegt bei ihm. In einer Planwirtschaft gibt es aber kein persönliches Risiko. In allen egalitären Systemen trägt die Gemeinschaft das Risiko. Deswegen spielt es auch keine Rolle, wie teuer ein Flughafen in Berlin oder ein Bahnhof in Stuttgart werden kann. Keine Privatperson trägt das Risiko. Die Verantwortlichkeit ist ausgeschaltet. Und jene, die das System nicht verstanden haben, aber versuchen wollen, den Fehler zu beseitigen, versuchen dann, den Fehler in der menschlichen Natur zu finden. Die Folge ist ein Überwachungsstaat. Immer mehr Menschen sind nötig für die Kontrolle der Abläufe. Das Problem dann aber ist, dass, wenn hinter jedem Arbeiter ein Kontrolleur steht, die Volkswirtschaft erst recht keine Effizienz gewinnt, denn die zusätzliche Person hätte schließlich mitarbeiten können. Tut sie aber nicht, deshalb sind kommunistische Systeme immer von Bürokratie geprägt. Der Fehler liegt nicht im Menschen, sondern im System. Die Nützlichkeit des Einzelnen muss mit dem Gemeinwohl verknüpft werden. Dies ist nur möglich, wenn auch Verantwortlichkeiten an Einzelpersonen geknüpft werden. Statt der klassenlosen Gesellschaft schlachtete der Kommunismus die herrschende Klasse – oder das was dafür gehalten wurde – ab und ersetzte sie durch eine neue Klasse „wie die Geschichte sie früher nicht gekannt hatte“ , nämlich der politischen Bürokratie, so der kommunistische Renegat Milovan Djilas. Diese hatte die Produktionsmittel in der Hand, die entsprechenden Zugänge und das technische Wissen, um die Ausbeutung der Arbeiter anstatt der von ihnen ermordeten Kapitalisten fortzuführen. Nicht weiter verwunderlich, dass diverse sowjetische Spitzenbeamte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihr Wissen nutzen, um sich innerhalb von kürzester Zeit durch den Verkauf des vermeintlichen Volkseigentums zu bereichern. Die Konzentrierung von einem überwältigenden Teil des Weltreichtums in den Händen weniger zur freien Verfügung sowie die Verabsolutierung des marktwirtschaftlichen Gedankens und insbesondere des (wirtschaftlichen) Erfolges samt der Entkoppelung von allem anderen – etwa Moral oder soziales Verantwortungsbewusstsein – , wie es der herrschende Neoliberalismus und Raubtierkapitalismus lebt, ist natürlich genauso abzulehnen. Allerdings ist dies ein anderes Thema.
Die Wandlungsfähigkeit des Kommunismus
Da sich der Kommunismus immer wieder als pure Theorie und als unrealistisch erwiesen hat, versuchten seine Anhänger Mischformen aus Kommunismus und traditionellen Elementen zu erschaffen. Laut dem kommunistischen Manifest sollte sogar die Familie abgeschafft werden. Wörtlich wird die „Aufhebung der Familie“ gefordert. Die Eltern würden nämlich ihre Kinder ausbeuten. In „Die deutsche Ideologie“ schrieb Marx sogar, dass Kinder und Frau Sklaven des Mannes seien, was bedeutet, dass Marx sich die Familie nicht anders vorstellen konnte oder wollte. Dass die Familie dann doch nicht beseitigt wurde, bedarf keines Beweises. Im Gegenteil, die Familie galt in der DDR als etwas Positives, das es zu fördern galt. Selbst das „Ehestandsdarlehen“ (DDR=Ehekredit) aus der Hitlerzeit wurde übernommen.
Ein anderes Beispiel ist die Nation. Auch die Nation sollte abgeschafft werden. Sie würde obsolet werden, nachdem die Diktatur des Proletariats eingeführt würde und sich anschließend alle Arbeiter verbrüdert hätten. Auch hier ist das Gegenteil eingetroffen, der ganze Ostblock war national organisiert. Scheinbar hat sich diese Organisationsform als widerstandsfähig erwiesen.
Was Marx den Sozialisten vorgeworfen hat, sich mit anderen Ideologien vermischt zu haben, so etwa die Richtungen des feudalen Sozialismus, der deutsche oder „wahre“ Sozialismus, der christliche Sozialismus, wurde genauso mit den Lehren von Marx betrieben. Dafür müssen wir nicht mal einen Blick in die Vergangenheit werfen, wie in Hinblick auf „Familie“ und „Nation“. Blicken wir auf das heutige China: Auch China ist ein sehr schönes Beispiel für das Scheitern des Kommunismus, denn in China hat sich der Kommunismus mit dem Kapitalismus gepaart. Eigentlich sollte ja Wohlstand herrschen, stattdessen herrschen Hungerlöhne. In diesem Land gehörten/gehören die Produktionsmittel zwar nicht mehr der Bourgeoisie, sondern dem Staat, aber was macht das schon, wenn der „Arbeiter sich wie eine Ware verkauft“, um mit Karl Marx Worten zu reden. In China wird schließlich für die Kapitalisten produziert. Von Adidas bis Sony sind alle vertreten. Das chinesische Volk dient nur als verlängerte Werkbank der Konzerne, da spielt es auch keine Rolle, wenn auf den Papieren ausgewiesen wird, dass die Fabriken dem Volk gehören. Gleichzeitig besitzt China eine steil ansteigende Zahl von Millionären und sogar Milliardären. Mittlerweile soll es sogar eine Million Millionäre im „Reich der Mitte“ geben – gleichzeitig leben viele der restlichen – 1,4 Milliarden Chinesen unter ärmlichen Bedingungen, insbesondere auf dem Land. Die Konzentrierung der Produktions- und Geldmittel in den Händen weniger, die Marx dem kapitalistischen System vorwarf, lässt sich also auch im „kommunistischen“ China finden.
Die Kommunisten näherten sich also im Laufe ihrer Praxis immer mehr den Realitäten, wie Familie, Nation, Marktwirtschaft an (Marktwirtschaft muss nicht zwangsläufig Kapitalismus bedeuten), also ganz natürlichen Ordnungen, die von sich aus schon Bedeutung besitzen. Sie taten es aber nicht aus ideologischen Gründen, sondern um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Genauer gesagt; um wenigstens die Macht zu erhalten, denn Marx Theorien ließen sich nicht in die Praxis umsetzen. Selbst bei der Machtfrage kam es merkwürdigen Formen: zu Dynastien. In Nordkorea beerbte der Sohn den Vater und in Kuba tat es der Bruder. Was hätte Marx wohl dazu gesagt?
Schlusswort
Der Kommunismus ist so theoretisch und daher so schwächlich, dass er ohne Kapitalismus gar nicht vorstellbar wäre. Wie wäre Lenin ohne deutsches Geld und ohne deutschen Eisenbahntransport an die Macht gekommen? Wie hätte der russische Bürgerkrieg ohne Trotzkis Geldgeber aus den USA finanziert werden können? Wie hätte Stalin die Wehrmacht ohne die gewaltigen Hilfslieferungen/Rüstungsgüter der USA (Lend-Lease) zurückdrängen können? Wie hätten die Chinesen die Weltmärkte mit Produkten überschwemmen können, ohne die Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) mit dem Ausland und ihre Technologie? Stets zeigte sich die Verknüpfung des Kommunismus mit seinen kapitalistischen Feinden, wenn es gegen gemeinsame Feinde, wie etwa die verschiedenen europäischen völkischen Sozialisten, ging.
Kommunisten feiern am 5. Mai 2018 trotzdem Karl Marx 200. Geburtstag. Sie lassen sich ihre Ersatzreligion, ihr Opium, nicht nehmen. Wenn sie von Marx ablassen würden, müssten sie sich woanders nach Lösungen für Probleme umsehen. Sie müssten dann wahrscheinlich sogar ihren Gegnern einmal zuhören. Wer hat aber schon die Kraft und den Mut, nachdem das halbe Leben schon gelebt ist, sich noch mal neu zu orientieren?
Siehe auch die Artikel „200 Jahre Karl Marx -Wir feiern nicht!“ Teil 1 und 2
Morgen folgt der Artikel „200 Jahre Karl Marx – Der Marxismus und seine heutige Bedeutung“.















Ein sehr guter und lehrreicher Beitrag zu Karl Marx und zum Scheitern des Kommunismus.
Diese Ideologie scheiterte, da sie nicht den natürlichen Gegebenheiten entspricht.
Dagegen ist der „Nationale Sozialismus“ wie er im Deutschen Reich durchgeführt wurde, das Paradebeispiel wie es anders und
besser geht. Das Programm der Nationalisten war im einzelnen die Grundlage für ein besseres und ausgewogenes Leben aller!