Tschechischer Politiker will Wlassow-Denkmal in Prag errichten – Russland protestiert

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General Andrej Wlassow Bundesarchiv, Bild 146-1984-101-29 / CC-BY-SA 3.0

Als Kollaborationstruppen werden heute jene Kräfte bezeichnet, die sich im Zweiten Weltkrieg auf der Seite Deutschlands im Kampf gegen die Alliierten und Sowjets schlugen oder nach einem Seitenwechsel für die deutschen Streitkräfte und für einen deutschen Sieg kämpften. Einer der bekanntesten und ranghöchsten Generäle der Roten Armee, der zu den Deutschen überlief, dürfte wohl Andrej Wlassow sein, welcher im Sommer 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet, nachdem seine Truppen von der Wehrmacht eingekesselt worden waren und ab November 1944 bis in die letzten Kriegstage hinein mit seiner Russischen Befreiungsarmee den Verteidigungskampf Europas gegen den anrückenden Bolschewismus unterstützte.

Während viele nichtrussische Freiwillige schon kurz nach dem Beginn von Unternehmen Barbarossa in den Ostlegionen eingesetzt worden waren, verzögerte sich aufgrund der skeptischen Haltung der deutschen Führung gegenüber der Zuverlässigkeit Wlassows und zum Teil chauvinistischer Vorbehalte gegen die Verbündung mit Slawen die Aufstellung der Russischen Befreiungsarmee fatalerweise bis kurz vor Kriegsende. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurden die Beteiligten der Wlassow-Armee von den Alliierten an die Sowjetunion ausgeliefert und dort zum Tode oder zur Gulaghaft verurteilt.

 

Zweierlei Seitenwechsel

Ausgerechnet für jenen General Wlassow, der am 1. August 1946 in Moskau hingerichtet worden ist und selbst im postsowjetischen Putin-Russland noch immer als Verräter gilt, will nun der tschechische Lokalpolitiker Pavel Novotny in Prag ein Denkmal errichten lassen. Begründet wird dieses Vorhaben mit der Beteiligung von Wlassow-Truppen am Prager Aufstand im Mai 1945, nachdem diese die drohende Niederlage angesichts der bolschewistischen Übermacht bereits vor Augen hatten und mit einem erneuten Seitenwechsel auf die Milde der Sieger hofften. Doch mit diesem Vorhaben hat der Bürgermeister des Prager Stadtteils Řeporyje dennoch den Zorn der Russen auf sich geladen. So protestierte die russische Botschaft in Tschechien bereits vehement gegen das geplante Denkmal. Die Pläne würden sich laut der russischen Vertretung gegen ein „Abkommen gegen die Verjährung von Kriegsverbrechen“ aus der Zeit des Kommunismus richten. Stattdessen sollte auf Anraten Moskaus viel lieber ein Denkmal für Marschall Iwan Stepanowitsch Konew errichtet werden, der als Oberkommandant für die Streitkräfte des Warschauer Paktes für die jahrzehntelange Unterdrückung der Tschechen unter der Knute des Kommunismus verantwortlich war und in Putin-Russland heute immer noch als Held gefeiert wird.

Doch unbeirrt hält Pavel Novotný an seinem Vorhaben fest. In einem persönlichen Brief an Wladimir Putin konterte Novotný trotzig, dass Řeporyje den Russen nichts schulde. „Wenn wir meinen, wir schulden Wlassow ein Denkmal, bauen wir das“, schrieb der Prager Bezirksbürgermeister an die „liebe, freche Russische Föderation“. Russland wollte das nicht auf sich sitzen lassen und schickte eine tschechische Delegation um den Landwirtschaftsminister, die sich auf der Reise in Russland befand, geradewegs nach Tschechien zurück. Wer hätte gedacht, dass auch 18 Jahre nach dem Ende des Kommunismus noch immer eine polarisierende historische Figur wie Andrej Wlassow für eine Spannung zwischen Europa und dem heutigen Russland, das für viele europäische Nationalisten ja als potentieller „Bündnispartner“ gilt, sorgen könnte? Erneut zeigt Moskau dabei sein wahres Gesicht, das viele wohlmeinende Patrioten immer wieder ausblenden.

1 Kommentar

  • >Wlassow-Truppen am Prager Aufstand im Mai 1945, nachdem diese die drohende Niederlage angesichts der bolschewistischen Übermacht bereits vor Augen hatten und mit einem erneuten Seitenwechsel auf die Milde der Sieger hofften.

    Das ist so nicht richtig bzw. falsch formuliert. Es gab keinen erneuten Seitenwechsel der Wlassow-Truppen. In diesem Fall hätten sie wieder auf sowjetischer Seite gekämpft.

    Die Wlassow-Truppe hat aber bis zum Schluss gegen die Rote Armee gekämpft – und dann eben auch gegen die deutsche.

    Nagel 12.12.2019
    • Trotzdem war es gemeiner Verrat an der streitenden deutschen Truppe. So zeigte sich auch, wie gerechtfertigt die Vorsicht bei der Einsatzplanung seitens verantwortlicher deutscher Stellen in Sachen Wlassow war. Chauvinismus war das nicht.

      Kai 15.12.2019
      • So ist es, Herr Kai.

        Daß hier nun schon von nationaler Drittweg-Seite unseren tapferen Vorfahren und ihrem Führer die linke Kampfvokabel „Chauvinismus“ an den Kopf geschmettert wird, zeigt, die verkommen wir Deutsche seit 1945 geworden sind. Doch wer seine Ahnen nicht achtet, hat keine Zukunft (siehe auch viertes Gebot).

        Wir heutigen Deutschen, die wir in der BRD neben Russen und Slawen leben müssen, von denen Millionen hier und überall in Westeuropa ihr Unwesen treiben, wissen, wie Recht unsere Vorfahren auch in dieser Frage hatten.

        Wie sagt ein kluger deutscher Kanzler über uns Deutsche?
        „Die Masse ist nicht in der Lage, nun zu unterscheiden, wo das fremde Unrecht endet und das eigene beginnt. Sie wird in einem solchen Falle unsicher und mißtrauisch, besonders dann, wenn der Gegner eben nicht den gleichen Unsinn macht, sondern seinerseits alle und jede Schuld dem Feinde aufbürdet. Was ist da erklärlicher, als daß endlich das eigene Volk der feindlichen Propaganda, die geschlossener, einheitlicher vorgeht, sogar mehr glaubt als der eigenen? Und noch dazu bei einem Volke, das ohnehin so sehr am Objektivitätsfimmel leidet wie das deutsche! Denn bei ihm wird nun jeder sich bemühen, nur ja dem Feind nicht Unrecht zu tun, selbst auf die Gefahr der schwersten Belastung, ja Vernichtung des eigenen Volkes und Staates.“

        Der Schwabe 19.12.2019
  • Das Problem kann erst mit Deutschlands Souveränität gelöst werden!

    Rückblick in die 300-jährige Verbindung mit Rußland:
    Das russische Adelsgeschlecht der Romanow ist seit 1725 verwandtschaftlich in einem innigen Verhältnis mit deutschen Fürstenhäusern verflochten; Anhalt-Zerbst, Holstein-Gottorf, Hohenzollern, Hessen-Darmstadt, …
    1762 wird Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst, als Katharina II. Zarin von Rußland. Sie setzt konsequent das geschlossene Friedensbündnis ihres Gemahls Peter III. mit Friedrich des Großen (1712-1786), König von Preußen fort, ebenso auch geschickt die aufstrebende Politik ihres ´Großvaters´ Peter I. Unter ihr gewinnt Rußland an politischem Gewicht. Sie reformiert Verwaltung und Recht, ruft Siedler aus Deutschland, …

    Die kluge Politik und Diplomatie russischer Heirats-Verbindungen mit deutschen Fürstenhäusern wird von Peter I. begonnen. Seine Tochter Anna (Mutter von Peter III.) heiratet in die Familie Holstein-Gottorf. Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst heiratet Peter III. (Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp) und begründet die Linie Romanow-Holstein-Gottorp. Seitdem lebt die Dynastie exklusiv in deutsche Prinzessinnen weiter.

    Die Stammbäume der deutschen Prinzessinnen waren für das russische Herrscherhaus überaus attraktiv. Der lutherisch-reformierte Glauben der begehrten Bräute spielt die entscheidende Rolle, da sie – was im Katholizismus unmöglich ist – problemlos zum orthodoxen Christentum konvertieren können. Außerordentlich geschätzt wird die Erziehung zu Tugenden und Werten, wie Bescheidenheit, Sittsamkeit, Pflichtbewußtsein, Disziplin, Ordnung, … die geistvolle und starke Persönlichkeiten hervorbringt …

    Die natürliche Sympathie zwischen Russen und Deutschen ist nie erloschen, was mit der historischen Beziehung zu erklären ist. Unsere Völker haben die geistig-moralische Größe einander die unselige Epoche aus dieser jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte zu vergeben.

    Ohne Rußland geht es nicht, gegen Rußland erst recht nicht!

    WR 12.12.2019