
Wir hatten bereits in einem vorausgegangenen Artikel zum Thema den Bericht einer britischen Systemzeitung der „Westlichen Wertegemeinschaft“ (WWG) rezensiert, der davor „warnte“, dass antidemokratische und antiwestliche Kräfte, insbesondere im ukrainischen Widerstand des außerparlamentarischen nationalistischen „Rechten Sektors“, der EU und ihrer so genannten „Wertegemeinschaft“ feindlich gegenüber stünden, was natürlich auch unsere Erwartungen hoch schlagen ließ, dass sich hier ein Vasallenstaat auf den Weg in die nationale Unabhängigkeit befinden würde. Dass der „Rechte Sektor“ nun Wochen später unter hohem persönlichen Blutzoll zum Sturz des bisher russlandhörigen Regimes einen erheblichen Beitrag leistete und gleichzeitig von pro-westlichen Medien in der Mehrzahl geradezu gestreichelt wurde, war eine erstaunliche Erfahrung, die den nationalen deutschen Betrachter der revolutionären Verhältnisse in der Ukraine natürlich vorsichtig werden lassen muß.
Kämpfer des "Rechten Sektors"
Ob der „Rechte Sektor“ und seine Protagonisten nun am Ende – wie einige behaupten – tatsächlich die Steigbügelhalter einer pro-westlichen Revolution sind oder waren, welche die Idee eines souveränen und unabhängigen Nationalstaats Ukraine ad absurdum führten, wird die Zukunft zeigen. Auf nationalen Internetseiten des Landes ist zumindest zu lesen, dass für viele Nationalisten die Revolution mit dem Sturz des Janukowitsch-Regimes noch lange nicht zu Ende sei und der Einsatz gegen die volkszerfreßende Korruption, der Kampf für die Beschneidung der Oligarchie und das Streben für eine wahre Unabhängigkeit des Landes weiter fortgeführt wird. Die Botschaft hört man wohl, aber nicht nur Papier sondern mittlerweile auch ganze Datenblöcke auf politischen Netzseiten sind mehr als geduldig. Die letzte Messe scheint hier demnach noch nicht gelesen.
Interessant ist zudem, dass einige skurrile Zeitgenossen im linksextremen wie im nationalen Spektrum der BRD, die vorgeblich antiimperialistisch firmieren, sich geradezu bis zur Unkenntlichkeit verbiegen, um mit ihrer Zunge ganz widerspruchslos das Hinterteil des russischen Präsidenten sinnbildlich rauf und runter zu lecken. Bekanntlich werden auch einige Schreiberlinge von den Russen hier in der BRD bezahlt, das könnte man dann zumindest noch mit Auftragsarbeit abtun unter dem Motto: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Den WWG-Imperialismus zu Recht zu kritisieren heißt für uns aber eben nicht gleichzeitig heuchlerisch den russischen imperialen Machtansprüchen das Wort zu reden und eine Spaltung der Ukraine zu begrüßen. Dabei wollen wir aber gar nicht verschweigen, dass uns Herr Putin inhaltlich bei weitem politisch natürlich näher steht, als der Drohnen-Killer und Massenmörder Obama oder die kinderlose ehemalige FDJ-Sekretärin im Bundeskanzleramt. Ein nationalgesinnter Ukrainer würde das aber wohl aufgrund seiner leidvollen Geschichte mit Russland anders sehen. Auf jeden Fall kann man jene, die vorgeblich anti-imperialistische Politik ver- oder betreiben überhaupt nicht ernst nehmen, wenn die Imperialisten-Kritik nur einseitig geschieht und der russische Imperialismus in alt-stalinistischer Diktion verleugnet oder gar schön geredet wird.
Einige Indizien lassen allerdings tatsächlich vermuten, dass die Weichen von ukrainisch-nationaler Seite hin zur volkszersetzenden WWG und damit in die nächste Abhängigkeit und Unfreiheit schon gestellt wurden. Das würde wohl auf Jahrzehnte bedeuten, dass man lediglich die Ketten aus Moskau mit denen aus Brüssel und Washington getauscht hätte, was eine mehr als bedauernswerte Entwicklung wäre. Sicherlich wird diese Tendenz auch durch den Militäreinsatz russischer Truppen auf der Krim noch weiter beflügelt. Zudem ist noch unklar, ob das Land in einen pro-russischen Ostteil und einen pro-europäischen Westteil auseinandergerissen wird und ob Anschläge ukrainischer Nationalisten der Krimbesetzung folgen werden.
Von der ukrainisch-nationalen Partei „Swoboda“, die seit geraumer Zeit schon eine mehr als gespaltene Außendarstellung besitzt, haben viele ohnehin von Anfang an nichts erwartet. Die Kräfte, die dort auch schon vor der Revolution auf das Geschäft anstatt auf das Gewissen der eigenen Patrioten hörten, haben schon seit langem den Marsch in Richtung Westen angetreten. Allerdings die Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft von Anhängern des „Rechten Sektors“ hat vielfach großen Respekt hervorgerufen. Auch in vielen Herzen des ukrainischen Volkes sind die einstigen teils subkulturellen und bisher bedeutungslosen Splittergruppen nun angekommen, nachdem sie todesmutig sich den Bereitschaftspolizisten auf dem Majdan entgegenstellten. Der „Rechte Sektor“ – so hört man aus Kiew – mobilisiert und rekrutiert weiter täglich neue Männer für eine staatlich unabhängige Sicherheitstruppe. Es bleibt zu hoffen, dass der Freiheitswille der Märtyrer dieser Bewegung von deren Führern nicht auf dem Altar der WWG geopfert wird.
Nachdem nun Wiktor Janukowitsch als Knecht Russlands nicht minder durch den militanten Einsatz ukrainischer Nationalisten gestützt wurde, hat sich bekanntlich eine westliche Vasallenregierung als Übergangslösung etabliert und die kapitalistische Öl-Prinzessin und bis in die Spitzen ihrer geflochtenen Haare korrupte Millionärin Julija Tymoschenko wurde aus der Haft entlassen. Sie scheint sich nun wohl für neue Regierungsaufgaben in einem Berliner Krankenhaus fit spritzen zu lassen. Der u. a. von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung finanzierte ehemalige Box-Weltmeister und EU-Einflußagent Vitali Klitschko wird wohl künftig mit der politischen Hinterbank abgespeist werden.
Die Intervention der WWG, von EU und USA, und die rechtswidrige Finanzierung der ukrainischen Opposition gegen die russlandtreuen Kräfte sind inzwischen genauso offenkundig, wie die Stützung des volksfeindlichen Janukowitsch-Regimes durch die Kräfte Putins. Mindestens fünf Milliarden Dollar haben alleine die imperialistischen WWG-Krieger des Westens um die jüdischstämmige Europaberaterin des Kriegsverbrechers Obama, Victoria Nuland (ehemals Nudelman), für den Staatsstreich springen lassen. Beide Seiten geben sich dabei nicht einmal mehr die Mühe ihre völkerrechtswidrigen Handlungen öffentlich zu verbergen.
Nachdem in Kiew die Regierung gestürzt wurde, hat Russland kurzerhand und ebenfalls völkerrechtswidrig die Halbinsel Krim besetzt, wo traditionell aufgrund bestehender Verträge Putins Schwarzmeerflotte vor Anker liegt. Seit Jahren bangt Russland um den Schwarzmeerhafen für seine Schiffe, weil der militärisch und strategisch wichtige Anlegeplatz immer wieder in Verhandlungen zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zwischen Kiew und Moskau gemacht wurde. Nun sichern gut 16.000 schwer bewaffnete russische Soldaten die russisch-sprechende Mehrheit auf der Krim, die angesichts der Umwälzung in Kiew sich um ihre traditionell guten Beziehungen zu Moskau fürchtet. Putins Krieger halten zudem neuralgische Punkte auf der Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer besetzt. Eine ukrainische Nationalarmee ist aufgrund der desolaten Finanzpolitik und Oligarchen-Herrschaft unter Janukowitsch und seiner Vorgänger so gut wie nicht funktionsfähig. Die russischen Streitkräfte verfügen nicht nur über besseres technisches Militärmaterial, sondern sind alleine zahlenmäßig schon achtmal stärker. Ein Konflikt zwischen regulären Truppen scheint deshalb ausgeschlossen. Allerdings genügt ein Funke im Pulverfaß, um einen nicht zu kalkulierende Reaktion herauszufordern.
Auch die NATO signalisierte, dass sie militärisch nicht eingreifen werde und sucht vielmehr nach politischen und wirtschaftlichen Sanktionsmöglichkeiten, um Putins Armee zum Rückzug zu bewegen. Die Krim wurde 1954 vom Stalin-Nachfolger Nikita Chruschtschow an die Ukraine zurückgegeben nachdem sie 1783 dem Russischen Reich unter der Zarin Katharina der Zweiten einverleibt wurde. Natürlich dachte Chruschtschow als damaliger bolschewistischer Regierungschef in seiner Vermessenheit niemals daran, dass die Ukraine jemals vom Sowjet-Imperium herausbrechen würde. Die Sowjetunion befand sich in diesen Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die Krim versteht sich innerhalb der Ukraine als Autonome Republik mit Förderalstatus und beherbergt etwas über zwei Millionen Einwohner, wovon sich knapp 60 Prozent als Russen empfinden.
Der aktuelle Ukraine-Konflikt befeuert ebenfalls massiv die Entwicklung, dass sich die NATO an das russische Imperium immer näher heranschiebt und das gegenüber Moskau dauerhaft aufrechterhaltende Drohszenario noch weiter ausbaut. In den letzten Jahren hat die NATO durch ihre Osterweiterung und die Stationierung von gegen Russland gerichtete Raketenbasen die Russische Republik massiv militärisch provoziert. Mit dem Sturz der russlandtreuen Ukraine sieht sich Putin nun zu Recht weiter von der NATO bedrängt. Allerdings scheinen weder Russland noch die NATO-Staaten ernsthaft an einer militärischen Eskalation interessiert zu sein. Beide imperialistischen Kräfte brauchen sich gegenseitig. Russland den Westen für die Lieferung von qualitativ hochwertigen Industriegütern und der Westen Russland maßgeblich als Rohstofflieferant und als diplomatischen Vermittler in den bisher noch ungeklärten Brennpunkten des syrischen Bürgerkriegs und im Streit um das iranische Atomprogramm.
Alleine die Bundesrepublik bezieht gut ein Drittel ihrer Energieversorgung aus russischen Pipelines und ihre kapitalistische Wirtschaft hat in Zeiten der nur schleppend vorankommenden Energiewende in Deutschland keinerlei Interesse an einer Ausdehnung der Spannungen zwischen den NATO- und WWG-Staaten mit der russischen Republik. Zudem hängen gut 300.000 Arbeitsplätze alleine in Deutschland an den wirtschaftlichen Verbindungen zu Putins Reich. Nach Bekanntwerden der Krim-Krise fielen weltweit die Aktien an den Börsen und die russische Währung verlor an Wert, während Rohstoffpreise anzogen.
Das politische Wunschkonzert deutscher Nationalisten wäre es nun wohl, dass sich ein vom Westen unabhängiger und einiger Nationalstaat Ukraine etablieren würde, welcher der von Russland initiierten euro-asiatischen Union als gleichberechtigter Partner beitreten würde und somit geopolitisch das Anti-WWG-Bündnis stärkt. Dieses Bündnis wäre auch potentiell für eine tatsächliche nationale Regierung in Deutschland eine Alternative zur Nationalstaaten auflösenden Europäischen Union (EU) und zur immer diktatorisch auftretenden WWG-Diktatur, die gezielt traditionelle Werte zerstört und den seelenlosen Einheitsmenschen über die kulturelle und nationale Identität der Völker setzt. Dieser Utopie steht aber zumindest bei den ukrainisch sprechenden Nationalisten ein tiefes Mißtrauen gegenüber dem russischen Regime per se entgegen. Immerhin wurden Millionen Ukrainer in der Stalin-Arä gezielt durch einen Hungerholocaust ermordet und das Land seit Jahrzehnten als politischer Spielball Moskaus mißbraucht.
Trotz der gemeinsamen kulturellen Wurzeln zwischen Russen und Ukrainern konnte dieses Trauma bisher nicht überwunden werden und bis heute wird dieser Völkermord von russischer Seite zudem bagatellisiert, was eine Aussöhnung erschwert. Nach heutigem Stand ließe sich deshalb eine wie auch immer geartete Union beider Länder so einfach nicht realisieren, einige halten sie gar für gänzlich ausgeschlossen. Die „Flucht in den Westen“ der ukrainischen Nationalisten kann am Ende allerdings auch als eine verhängnisvolle Reise enden, in der man den Teufel mit dem Beelzebub austreibt. Gestern sind sie noch Putins Vasallenstaat entflohen und morgen könnten sie tragischerweise als Büttel im Käfig von Brüssel und Washington wieder aufwachen.
Die Ukraine ist ein unerträglich korruptes Land, in dem es bei vielen Menschen täglich um das nackte Überleben geht und das so eine komplexe Geschichte und zahllose Widersprüche aufzuweisen hat, die man mit hochnäsig bundesdeutschem Schwarz-Weiß-Denken und oberflächiger Klugscheißerei nicht lösen kann. Auch gute neunmalkluge Tipps von den satten Bundesbürgern, wie es nun weiter gehen soll mit dem Land, welches (noch) das zweitgrößte Staatsgebiet in Europa besitzt, benötigt in der Ukraine wohl niemand.
Wir alle sind bei den dortigen Konflikten nur ungebetene Zaungäste, die in der dritten und vierten Reihe auf schlechten Plätzen ausschließlich die Beobachterrolle einnehmen können. Es bleibt aber mit großem Interesse die Entwicklung dort weiter abzuwarten. Vielleicht hat der Ukraine-Konflikt entsprechendes Schulungspotential für nationale Kräfte hierzulande, wenn sich eines Tages auch die notwendigen politischen Veränderungen in der BRD abzeichnen werden.
"In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte.
Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das,
egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."
(Egon Bahr (SPD), ehem. Bundesminister und Architekt der volksfeindlichen Ostverträge
vor einer Schülerrunde an der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg)















