Menschenrechtsideologie: „Der Kaiser ist nackt!“

Home/Politik, Gesellschaft und Wirtschaft/Menschenrechtsideologie: „Der Kaiser ist nackt!“

Die „Flüchtlingskrise“ rüttelt an den Grundfesten des Systems. Zeichen dafür ist auch ein Artikel des israelischen Philosophen Omri Boehm in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“. Unter der vagen Überschrift „Unsere Bürger?“ liefert er eine Abrechnung mit der Menschenrechtsideologie, wie man es sich deutlicher nicht wünschen kann. Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen, wie hier von Seiten des Gegners Klartext geredet wird.

In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung sind die „unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ auf den „Schöpfer“ zurückgeführt, also auf den christlichen Gott. Doch aus einer heutigen Perspektive ist diese Begründung hinfällig. Auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist die „Würde des Menschen“ an eine Berufung auf den christlichen Gott geknüpft. Für einen Nichtchristen, so folgert Omri Boehm, ist also die Fundierung der Menschenrechte in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und im deutschen Grundgesetz schlicht „sinnlos“.

Boehm spricht es deutlich aus: „Die Wahrheit ist, daß wir die Menschenrechte in einem vernünftigen, modernen Sinn niemals hinlänglich begründet haben.“ Nur kurz erwähnt er den Unsinn von einem „Naturrecht“, das uns angeblich zur Wohltätigkeit gegenüber allen Menschen verpflichtet. „Um diesen Ausweg zu akzeptieren“, sagt er, „muß man der Natur Eigenschaften zuschreiben, die von der Wissenschaft gerade bestritten werden. Denn die Evolution ist gewiß nicht wohltätig. Man stellt mehr und mehr fest – jetzt offenbar auch bei den Etablierten – daß die „Menschenrechte“ nichts weiter sind als eine quasi-theologische Annahme zur Durchsetzung bestimmter politischer Interessen.“

Die anspruchsvollste Argumentation bezieht sich auf Kant und die Vernunft. Demnach gründen die Menschenrechte in der Fähigkeit zur Verallgemeinerung (Rationalität). Auch diese Begründung ist aber falsch. Denn sie enthält eine metaphysische Konzeption von Vernunft, die in der modernen Philosophie (Rawls, Habermas) längst zu den Akten gelegt ist. Selbst Jürgen Habermas taugt also nicht dazu, das gutmenschliche Credo einigermaßen schlüssig zu begründen.
Insbesondere geht Boehm auf Angela Merkels Sommer-Pressekonferenz ein. Dort sprach die Kanzlerin immer wieder von „universellen Bürgerrechten“. Ein Widerspruch in sich, denn „Universalität ist eine Eigenschaft aller Menschen, wohingegen die exklusivere Gruppe der Bürger Flüchtlinge nicht einschließt.“ Instinktiv will Merkel verschleiern, daß der Begriff Bürger immer eine Unterscheidung von denen bedeutet, die nicht Bürger sind. Auf dieser Unterscheidung beruht jeder Staat, die Menschenrechte heben jedoch ihn auf.

Als Jude scheut sich Boehm auch nicht, auf den Mißbrauch der deutschen Vergangenheit beim Flüchtlingsthema hinzuweisen. Da die Menschenrechte philosophisch in der Luft hängen, „ist es derzeit einfacher, zusätzliche Verpflichtungen anzusprechen, die sich aus der deutschen Vergangenheit ergeben.“ Doch historische Parallelen verdecken nur den inhaltlichen Mangel. Es geht hier um ein „grundlegendes Dilemma des modernen Liberalismus, das bisher verdrängt wurde.“ Jetzt sehen wir die Folgen.
 

×

Schneller und einfacher Kontakt über WhatsApp - Einfach auf den unteren Button klicken!

 

Kontakt über Threema unter der ID:
Y87HKB2B

×