
Robert Spaemann, Jahrgang 1927, ist wahrscheinlich der bekannteste Katholik in Deutschland. Der Philosophie-Professor hat sein Leben lang versucht, den christlichen Glauben nach den Regeln der Vernunft zu rechtfertigen. Er gehörte zu den Beratern des deutschen Papstes Benedikt XVI. und steht bis heute für eine konservative Haltung zu Religion und Kirche.
Zu Weihnachten gab Spaemann der „Berliner Zeitung“ ein Interview, in dem es erst einmal um die „Flüchtlingskrise“ geht. Wie verhält sich der Christ zu der Tatsache, daß seine Hilfsmöglichkeiten begrenzt sind? Spaemann macht hier eine Unterscheidung zwischen „uneingeschränkter Hilfsbereitschaft“ und „begrenzter Hilfe“. Manche werden das sophistisch finden. Und viele werden dem Philosophen vorwerfen, daß er christliche Flüchtlinge gegenüber muslimischen klar bevorzugt, wenn die Kapazitäten eine Auswahl erforderlich machen. Eine solche Selektion hält Spaemann nicht für unchristlich, denn „Johannes schreibt in einem Brief: Tut Gutes allen. Besonders aber den Glaubensgenossen.“
Nach seiner Absage an den Islam äußert Robert Spaemann jedoch ein überraschendes Verständnis für die vielgeschmähte „Intoleranz“: „Religionen, die es ernst meinen, sind immer intolerant“, sagt er. Das gelte auch für das Christentum: „Wesentlich ist der Missionsbefehl Jesu: "Macht alle Menschen zu meinen Jüngern."“ Das Gegenteil passiert heute in Großbritannien, wo „Merry Christmas“ bereits untersagt ist und mit Rücksicht auf die Nichtchristen durch „Seasons Greetings“ ersetzt wird. Im Gegensatz dazu verteidigt Spaemann sogar die vielgeschmähten Kreuzzüge: „Die Christen haben das Heilige Land zurückerobert, also Gebiete, die vordem christlich waren.“
Es ist schon bezeichnend, daß man auf dieses Urgestein zurückgreifen muß, um den Lesern an Weihnachten eine in sich stimmige christliche Position zu präsentieren. Auch innerhalb der katholischen Kirche ist längst der Modernismus und Multikulturalismus ausgebrochen. Echte, also „intolerante“ Katholiken bilden nur noch eine Minderheit. Sie organisiert sich zunehmend als „Kirche in der Kirche“. Dies aber widerspricht den eigenen Grundsätzen, denn „katholisch“ heißt übersetzt „allumfassend“.













