
Man steht wieder am Anfang. Derweil wird das Fleisch immer billiger, und man kann sich ausrechnen, was das für die Tiere heißt. Auf den Packungen stehen willkürliche Angaben über „artgerechte Haltung“, die nichts mit der Realität zu tun haben. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt denkt angeblich über ein gesetzliches Label nach, also eine verbindliche und objektive Kennzeichnung des Fleisches, doch heraus kommt dabei nichts. Es gibt also keine Regel, wieviel Raum einer Pute zum Beispiel zusteht. Zu viele „menschliche“ Interessen hindern eine tierfreundlichen Politik: die Interessen der Bauern, der Einzelhändler, vor allem aber der Verbraucher, die sich gern vormachen wollen, daß es beides zugleich gibt: billiges Fleisch und glückliche Tiere.
Die Botschaft, daß man alles gleichzeitig kann, entspricht genau der herrschenden Moral. Trotz grüner Ideologie ist die Bereitschaft zum Verzicht nicht vorhanden. Die Deutschen lieben zwar Tiere und sind auch für den Tierschutz – aber höhere Preise zahlen möchten sie nicht. Sie wären wahrscheinlich sogar dafür, daß der Staat eingreift und die Tierquälerei in der Landwirtschaft schlicht verbietet. Doch dafür hat die Regierung nicht das Format. Zwar wird ein Hundehalter wegen Tierquälerei bestraft, wenn er seinem Hund den Schwanz abschneidet. Doch bei Ferkeln geschieht das planmäßig, ohne daß jemand eingreift. Der Unterschied sind die „wirtschaftlichen Interessen“, die bei uns nahezu alles rechtfertigen. Auf der „Freiheit“ beruht eben unser Wertesystem.














