Fortpflanzungsmedizin: die künstliche Eizelle kommt

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Der Traum oder Albtraum vom „künstlichen Menschen“ oder „Designer-Baby“ beherrscht offenbar die Köpfe. Anders ist es nicht zu erklären, daß jedesmal, wenn es eine Neuentwicklung in der Fortpflanzungsmedizin gibt, gleich das Äußerste heraufbeschworen wird, der Frankenstein oder wahlweise Einstein aus der Retorte. Diesmal geht es um die Umprogrammierung einer Hautzelle zur Eizelle, vorläufig nur bei der Maus. Schon längst können Wissenschaftler verschiedene Zellarten, wie etwa Leberzellen, in der Petrischale herstellen („Gewebezucht“), indem sie Stammzellen hineingeben und bestimmte Substanzen dazufügen. Stammzellen sind solche Zellen, deren endgültige Funktion noch nicht festgelegt ist und die sich noch in verschiedene Richtungen entwickeln können. Der Embryo besteht in den ersten Tagen aus solchen Stammzellen, die sich dann Schritt für Schritt differenzieren.

Die Eizellen haben eine ganz besondere Konsistenz, nämlich einen einfachen (haploiden) Chromosomensatz, damit sie sich mit der Samenzelle zur Keimzelle vereinigen können. Solche Eizellen, die bei der Frau im Eierstock von Geburt an vorhanden sind, außerhalb des Körpers herzustellen, stellte bisher eine unlösbare Schwierigkeit dar. Wollte sich eine Frau künstlich befruchten lassen und waren ihre eigenen Eizellen nicht geeignet (zu alt, geschädigt), so mußte sie eine Spenderin finden. Dieses Problem könnte nun behoben sein – falls sich der Vorgang bei der Maus tatsächlich auf den Menschen übertragen läßt und auch hier gesunde Nachkommen aus „getürkten“ Eizellen entstehen. Die Forscher sprechen von Jahren, die das noch dauern könnte.

Hören wir nun, wie diese simple Tatsache in der liberalen Wochenzeitung „Die Zeit“ dargeboten wird: „Es war so ziemlich das letzte Geheimrezept, das die Natur noch exklusiv hatte. Doch die Exklusivität ist vorbei. Japanische Wissenschaftler haben das Geheimnis der sexuellen Fortpflanzung geknackt.“ Und so soll die Forschung von Katsuhiko Hayashi „die perfekte Technik für die oft beschworenen Designer-Babys“ sein, und „Für etwaige Versuche der genetischen Menschenoptimierung gäbe es außer den moralischen Hürden keine weiteren mehr“.

Zwar ist immer die Rede von den „moralischen Hürden“, doch hat man manchmal den Eindruck, daß sich die Menschheit für die Aufzucht leistungsfähiger Nachkommen schon halb und halb auf die technischen Methoden verläßt. Das dürfte etwas verfrüht sein. Bis jetzt ist es noch nicht einmal gelungen, ein Lebewesen – und sei es eine Maus – ganz außerhalb des Uterus auszubrüten. Die gezüchtete Eizelle aber hat überhaupt nichts mit einer Manipulation des Erbguts zu tun und dürfte wohl eher dazu dienen, daß sich Frauen jenseits der Wechseljahre einen fragwürdigen Kinderwunsch erfüllen können. Außerdem braucht die Hautzelle in der Petrischale noch Gewebe vom Eierstock, um zur Eizelle zu werden – und das muß wiederum jemand spenden.

Bis auf weiteres findet eine etwaige „Menschenoptimierung“ nur durch die Auswahl des Ehe- oder Beziehungspartners statt, und ein japanisches Team von der Kyushu Universität in Fukuoka brauchen wir dazu nicht, hoffentlich nicht einmal die Agentur „Elite-Partner“, sondern nur das richtige Auge bei der „Gattenwahl“.