Braunau, Berlin, Arktis: Wo wohnt Hitler?

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Braunau am Inn ist der Geburtsort, genau genommen aber kein Wohnort Hitlers. Trotzdem geht das Bestreben seit dem Krieg, den Spiritus loci dort zu vertreiben. Bisher sieht das Haus noch annähernd so aus wie im Jahr 1889. Trotz verschiedenartiger Nutzung wehrte ich die alte Besitzerin sowohl gegen den Abriß wie gegen eine komplette Umgestaltung.

Vor einigen Tagen hieß es nun: die alte Dame ist enteignet worden, das Haus wird definitiv abgerissen. Stunden später aber zog Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka die Aussage zurück und  nennt eine „architektonische Umgestaltung“ als Plan. Sobotkas Sprecher stellt klar: An der Adresse Salzburger Vorstadt 15 soll künftig ein Haus stehen, das nicht mehr wiederzuerkennen sei. Entweder soll es karitativen Zwecken dienen oder eine Behörde soll Einzug halten. Der häßliche Gedenkstein wird dann wahrscheinlich auch weggeräumt, denn sonst diente er ausgerechnet als letztes Erkennungszeichen für das ehemalige Hitler-Haus.

Übrigens ist die Befürchtung von einem „Kultort“ nicht ganz aus der Luft gegriffen, es kamen tatsächlich regelmäßig Touristen, die sich – wie es heißt – an den Fensterscheiben im Erdgeschoß „die Nasen plattdrückten“, vielleicht in der Hoffnung, dort noch eine alte Kinderwiege stehen zu sehen – das Pendant zu der Krippe von Bethlehem, wo ja auch nicht mehr viel stehen geblieben ist, was der Popularität des Ortes keinen Abbruch tut.

Giorgio Frassineti, Bürgermeister der norditalienischen Ortschaft Predappio, Geburtsort des faschistischen Machthabers Benito Mussolini (1883-1945), kritisiert Pläne zum Abriss des Hitler-Geburtshauses in Braunau. "Gebäude, die die Geschichte bezeugen, sollten nie abgerissen werden. Auch Konzentrationslager sind verwunschene Orte, doch niemand würde sie abreißen", sagte Frassineti. "Verwunschene Orte sollen dazu anregen, über die eigenen Fehler und dem Horror nachzudenken. Sie sind eine Mahnung für die Zukunft (…) Ich kenne den Bürgermeister von Braunau, er ist gegen den Abriss von Hitlers Haus", sagte Frassineti im Interview mit der Tageszeitung "Il Giornale". Im September war er mit dem diesjährigen Austrian Holocaust Memorial Award ausgezeichnet worden. (Siehe Bürgermeister von Mussolinis Heimatstadt gegen Abriss von Hitler-Geburtsort)

Der Innsbrucker Historiker Andreas Maislinger meint, daß der Abriß nichts bringen würde: nicht das Haus ist für Neonazi das Symbol, sondern Braunau insgesamt. Deshalb müsse die Stadt einen neuen Namen und ein neues Image bekommen. Das Haus will er zur Gedenkstätte umbauen.

Zerstört ist auch die Neue Reichskanzlei mit dem Bunker, und doch hat sie ein reges Nachleben in diversen Spielfilmen. So ist eine private Berlin-Ausstellung jetzt auf den Gedanken gekommen, das Arbeitszimmer Hitlers im Bunker „originalgetreu“ nachzubauen und den andächtigen Museumsbesuchern hinter Glas vorzuführen. Man findet dort das Porträt Friedrichs II. über dem Schreibtisch, auf den Schreibtisch einen Schäferhund in Bronze, weiter eine kleine Sesselgarnitur und diverse Bücher und Schriften.

Die Wissenschaftler von der „Topographie des Terrors“, die sich ganz in der Nähe der Erforschung des Prinz-Albrecht-Geländes widmen, geben zwar zu, daß das Zimmer „in etwa“ so ausgesehen haben könnte, nur die Sessel hätten einen anderen Bezug gehabt, doch von solchen Inszenierungen halten sie generell nichts und bezeichnen sie als „Hitler-Disney“ und Sensationsmache auf Kosten der ernsten Thematik.

 

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