
Der aktuelle „Global Risk Report“ fördert – wenig überraschend – zutage, daß die politischen Risiken im letzten Jahr stark gestiegen sind. Erstaunlicherweise macht der Bericht dafür aber nicht in erster Linie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten verantwortlich, sondern die Person der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Bemerkenswert ist schon, eine wie große Rolle Deutschland in der Weltpolitik immer noch spielt. Neben den USA, China und Rußland sollen sich auf unserem kleinen Flecken die wichtigsten Entwicklungen abzeichnen. Umso schärfer fällt der Blick auf die Kanzlerin aus. Ihr wird die Aufgabe zugesprochen, die Führung in Europa zu ergreifen. Doch dabei habe sie bereits versagt.
Nicht etwa das Verhalten in der Flüchtlingsfrage wird Merkel hier vorgeworfen, sondern eine durchgehende Führungsschwäche: „Die Kanzlerin ist angeschlagen. Sie besitzt geopolitisch viel weniger Durchsetzungsvermögen als in der Vergangenheit. Dabei braucht Europa mehr denn je eine starke deutsche Kanzlerin“, sagt Ian Bremmer, Chef und Gründer der Eurasia Group. Merkel ist der einzige Name, der auf seiner Liste der größten globalen Risiken auftaucht. „2017 wird das turbulenteste politische Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg“, behauptet Bremmer, und Deutschland spielt eine Schlüsselrolle. Und „etwaige Schock werden von der politischen Seite kommen, nicht von der wirtschaftlichen“, ergänzt Luigi Zingales, Professor an der renommierten Chicago Booth School.
Das Merkel-Risiko besteht allein darin, daß eine Welt ohne Amerika als Führungskraft eine neue ordnende Macht benötigt. Für diese Rolle kommt derzeit nur die Kanzlerin infrage. Kann sie diesen Anspruch nicht erfüllen, entsteht ein Machtvakuum, welches ins Chaos führt. Bremmer nennt dieses Szenario „G-Zero-World“ – eine Welt ohne ordnende Anführer. – Das klingt ein bißchen so, als ob es den Leuten jetzt leid tue, daß Deutschland den Krieg nicht gewonnen hat.













