
Nachdem sich das Geschrei um angebliche „Fake-News“ zur Hysterie gesteigert hat, scheint Zensur aber auch wieder in der BRD hoffähig zu werden. So sagte der WDR-Moderator und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar in einem Interview mit der „Welt“: „Europa muss bei den Massenmedien eine gewisse Souveränität behalten. Es gibt Staaten, die da schon weiter sind. Auch wenn das manchen verblüffen dürfte, will ich hier ausdrücklich China nennen. Dort gibt es mit WeChat ein eigenes Pendant zu WhatsApp. China behält eine gewisse Kontrolle darüber, welche Nachrichten ihr Land penetrieren. Das brauchen auch wir, um sicherzustellen, dass nicht das Betriebssystem unseres Landes gestört wird. Und Medien sind ein zentraler Teil des Betriebssystems von Staaten.“
Yogeshwar spricht sich also für eine mediale Kontrolle nach chinesischem Vorbild aus und das, obwohl er am Anfang des Interviews anerkennt, dass das Kriterium der Wahrheit in der Praxis oft schwammig ist. Er sagt weiter: „Es gibt meist nicht nur eine Wahrheit, sondern sie ist abhängig von der Perspektive. Nehmen wir als Beispiel militärische Drohnen. Die einen sagen, sie helfen Menschenleben zu retten und meinen damit ihre eigenen Soldaten. Die andere Perspektive ist, dass die Drohnen Menschen töten.“ Auf die Frage, ob man diese unterschiedlichen Sichtweisen nicht nebeneinander stehen lassen könnte, antwortet er wie folgt: „Ja, und deshalb sollten wir lieber über Fakten als über den sehr breiten Begriff Wahrheit reden.“
Das Problem an dieser Aussage ist offensichtlich. Der Begriff des „Fakts“ ist ohne das Kriterium der Wahrheit schlicht undenkbar, denn erst die Nachweisbarkeit macht einen Sachverhalt oder eine Information zum Fakt, ohne dies, handelt es sich lediglich um eine Behauptung. Wie erwähnt, ist die Verifizierbarkeit eine Behauptung in der Praxis oft schwierig, denn erst nach der Auswertung aller überhaupt vorhandenen Information, die ebenfalls wiederum auf ihr Korrektheit geprüft werden müssen, wäre es möglich von einer absoluten Wahrheit zu sprechen. Offensichtlich ist dies außerhalb der Mathematik unmöglich.
Daher ist jede Aussage über Wahrheit und Unwahrheit stehst relativ zur Menge und Qualität der vorhandenen Informationen. Dies ist ganz natürlich, so wird selbstverständlich die Meinung eines Experten höher gewertet als die eines Laien. Aber auch der Experte kann sich natürlich irren und die Geschichte der Wissenschaft ist voller Irrtümer, die einmal als „Tatsachen“ galten. Daher gilt in der Wissenschaft auch der Grundsatz, dass selbst die am weitesten verbreitete Theorie sich von heute auf Morgen als falsch erweisen kann, wenn neue Erkenntnisse dies nach sich ziehen. Wahrheit ist daher in der Praxis weniger ein Zustand, sondern mehr ein unerreichbares Ziel, dem man versucht so nah wie möglich zu kommen, auch wenn so manche Unwahrheit auf dem Weg dahin lauert.
Mehr Informationen erleichtern diese Suche und sind daher etwas Gutes, jedenfalls wenn man die Wahrheit ganz gleich der Implikationen, die sie mit sich bringt, als „Gut“ betrachtet. Bei Yogeshwar entsteht jedoch der Eindruck, er unterscheide zwischen „guten“ und „schlechten“ Wahrheiten. So schreibt er: „Fakten werden heute in großer Zahl von unterschiedlichsten Medien und mit verschiedensten Motiven verbreitet. Das führt zu einer Verunsicherung der Menschen, weil die Informationen oft widersprüchlich sind. Vor 40 Jahren war es noch so, dass mehr Informationen zu mehr Demokratie führten. […] Heute erstickt ein Zuviel an Informationen unsere Demokratie. “
Was also vor 40 Jahren noch positiv war, da es die persönlichen Vorstellungen voranbrachte, ist plötzlich schlecht, weil das Gegenteil der Fall ist. Auch die ansonsten bis in den Himmel gelobten Werte von „Pluralismus“ und „Meinungsvielfalt“, scheinen schnell ihren Wert zu verlieren, wenn sie den Falschen in die Hände spielen. Auf die Frage, wie mehr Informationen die Demokratie gefährden, antwortet er: „Doch viele, sich widersprechende Nachrichten aus unzähligen Kanälen erzeugen Verwirrung. Das führt zu einer Vertrauenskrise und gefährdet am Ende die Demokratie. […] Weil viele Menschen von der Vielfalt und Komplexität der Informationen überfordert sind, werden sie empfänglich für scheinbar einfache, populistische Antworten. Das ist die Gefahr.“
Seine Wortwahl lässt in diesem Zusammenhang leider einiges an Raum zur Spekulation. Er sagt, dass eine große Zahl von Fakten verbreitet werden, die oft sich widersprechende Informationen enthalten oder mit sich bringen und so zur Verwirrung bei den Menschen führen. Es ist interessant, dass er den Begriff „Fakten“ verwendet, wäre Yogeshwar ein normaler Bürger von der Straße, wäre dies belanglos, doch Yogeshwar ist Journalist und studierte zudem noch experimentelle Physik, man kann also davon ausgehen, dass er in seiner Wortwahl entsprechend präzise ist und daher auch genau das meint, was er sagt.
Wenn er also sagt, unterschiedliche Medien würden in großer Zahl Fakten verbreiten, bezichtigt er damit niemanden der Lüge, den Fakten sind per Definition wahr, jedenfalls soweit man dies Beurteilen kann. Wenn augenscheinlich wahre Aussagen aber zu einem Widerspruch führen, kann dies nur zwei Gründe haben. Entweder eine der beiden Aussagen ist unwahr oder es gibt eine unbekannte Variable, welche den Widerspruch hervorruft.
Ein solcher Widerspruch ist der Punkt, an dem neues Wissen entstehen könnte, genau deswegen wäre es, um so wichtiger, das Maximum an Informationen zur Verfügung zu haben. Wer dagegen Zensur fordert und nichts anderes ist Yogeshwars euphemistisches Lob für die Informationskontrolle der chinesischen Regierung, fürchtet sich vor dem, was neue Erkenntnisse mit sich bringen könnten. Es ist außerdem schon sehr bezeichnend, wenn Yogeshwar auf der einen Seite vor den einfachen Antworten der Populisten warnt, auf der anderen Seite als Antwort auf diese Gefahr, die Menge an widersprüchlichen Informationen verringern, also „einfache Antworten auf komplexe Fragen“ liefern möchte. Seine Antwort auf Populismus der einen Seite ist Populismus der anderen.
Was seinen Populismus von dem der Gegenseite unterscheidet, erklärt er leider nicht, aber es geht ihm im Grunde auch nicht um Populismus. Es geht auch nicht darum, welche Seite nun recht hat, den Yogeshwar bezichtigt, wie gesagt, bis zu diesem Punkt die Gegenseite nicht der Lüge, die Fakten die sie bringt, würden lediglich Widersprüche erzeugen. Diese Widersprüche, beziehungsweise die Fakten, die sie hervorrufen, sind das eigentliche Problem, denn ihnen folgen unangenehme Implikationen. Implikationen, die nicht, wie er es wohl meint, die Demokratie zerstören, sondern die ideologische Seifenblase der linksliberalen Eliten zum Platzen bringen könnten. Der Erhalt dieser Seifenblase ist das Einzige was ihn und seinesgleichen interessiert. Fakten, Meinungsvielfalt und Pressefreiheit sind nur so lange gut, wie sie ihren Zweck erfüllen, nämlich die Herrschaft der Eliten zu sichern. Stehen sie den Herrschenden dagegen im Weg oder gefährden deren Herrschaft sogar, verstößt man sie wie ungeliebte Kinder, erklärt sie zu den Feinden der Demokratie.
Sie wissen sehr genau, dass die, die sie als Populisten bezeichnen,nicht im Unrecht sind, es ist nur dass die Antworten, die sie liefern, eben nicht die Antworten sind, die man sich in Berlin wünscht. Genau deswegen greifen sie auch nie sachlich die grundlegenden Forderungen der Populisten oder die Fakten, die zu diesen Forderungen geführt haben, an, denn sie wissen, dass sie hier nur verlieren können. Deswegen greifen sie steht die Person, nicht das Argument an, sagen nicht etwas sei falsch, sondern nennen es rassistisch oder faschistisch, als wenn dies ein Kriterium wäre, das im Bezug auf Wahrheit oder Unwahrheit von Bedeutung sei.
Mehr und mehr Deutsche durchschauen jedoch dieses Spiel, denn die Realität so wie sie sie erleben, deckt sich nicht mehr mit dem, was die Systemmedien propagieren. Daher plant man wohl, mittels Zensur die breite Masse vor „falschen“ Fakten zu schützen und so die Zahl der Abweichler klein zu halten. Menschen wie Yogeshwar leisten die Vorarbeit für dies, indem sie mit scheinbar gut gemeinten Argumenten, die Notwendigkeit für eine staatliche Kontrolle der Medien herbeireden.
Auch nehmen sie nie das Wort „Zensur“ in den Mund, denn dann wüsste jeder auf was sie hinaus wollen, stattdessen benutzt man gut klingende Euphemismen wie „mediale Kontrolle“ oder „mediale Souveränität“.
Dass auch Yogeshwar um den heißen Brei herumredet, zeigt sich am Ende des Interviews, wenn man ihn fragt, was er den konkret wolle. Während er einleitend noch China lobt, welches kontrolliert welche Nachrichten in das Land eindringen, und meine, so etwas bräuchten wir auch, fordert er nun nur noch das Presserecht auch auf besonders einflussreiche Twitter-Nutzer auszuweiten. Das eine hat hier jedoch nicht mit dem anderen zu tun, eine Ausweitung des Presserechts würde weder Kontrolle über Informationen bringen, noch widersprüchliche Fakten aus der Welt schaffen. Bestenfalls könnte man damit Personen für das was sie verbreiten zur Verantwortung ziehen.
Es ist wirklich beschämend, wenn ein Mann mit wissenschaftlicher Ausbildung wie Yogeshwar sich für Zensur ausspricht. Männer seiner Profession waren es, die gegen den christlichen Aberglauben und die Dogmatik der Kirche aufstanden, dafür zuerst ausgelacht und später verfolgt wurden. Vielleicht sollten sich Leute wie Yogeshwar einmal ins Gedächtnis rufen, dass das heliozentrische Weltbild und die Behauptung die Erde sei eine Kugel, auch einmal „Fake-News“ waren.
Vollständiges Interview auf Yogeshwars Facebook Seite: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1203731119681046&id=221408874579947&substory_index=0













