Gelbwesten sagen den Eliten den Kampf an (+ Videos)

Wenn in Frankreich Steine auf Polizisten fliegen, dann starren uns auf den Bildern meist dunkle Gesichter aus Afrika oder Arabien entgegen. Letzte Woche war dies jedoch anders. Steine flogen, doch jenseits der Reihen der Polizei standen mehrheitlich Franzosen, echte Franzosen. Das wahre Frankreich stand auf der Straße. Alt neben Jung, Männer neben Frauen. Rechte, Linke und vor allem viele unpolitische Menschen. Ihr Name: Gilets Jaunes oder Gelbwesten. Das Ziel ihrer Wut: Emmanuel Macron und seine Reformpolitik.

Macron hat große Pläne, Frankreich. Es ist der Prototyp für das Europa der Zukunft. Neoliberalismus verkleidet in Phrasen von Humanität, Menschenrechten und Solidarität. Er repräsentiert daher wie vielleicht kein anderes derzeitiges europäisches Staatsoberhaupt die globalistisch, technokratische Elite der EU. In der Karibik lässt er sich mit halb nackten kriminellen Negern ablichten und posiert im Élysée-Palast mit einer schwulen, selbstverständlich ebenfalls schwarzen, Tanzgruppe. Ganz im Sinne der linksliberalen Agenda propagiert er die kulturelle und ethnische Zersetzung seiner Heimatnation. Dementsprechend wenig Liebe hat er für die angestammte Bevölkerung dieser Nation übrig. Seniorinnen, die sich über Rentenkürzungen beschwerten, sagte er, dass sich jeder im Land anstrengen müsse und dass das Einzige sei, was man nicht machen sollte, sich zu beschweren. Arbeitslosen sagte er, um Jobs zu finden, müsse man „nur über die Straße gehen“. Nicht umsonst wirft man ihm im ganzen Land vor, der Präsident der Reichen zu sein.

Dabei geht es den Gelbwesten gar nicht um derart große Politik, sondern einfach um den Kampf für eine sichere Existenz im Angesicht immer prekärerer Umstände. Auslöser der Proteste war die ab nächsten Jahr in Kraft tretende Erhöhung der Steuer für Diesel und Benzin. Allein in diesem Jahr stiegen die Preise schon um 18 Prozent an und etliche Franzosen, die die Großstädte aufgrund hoher Preise oder der massiven Überfremdung derer Vororte verlassen haben, sind auf ihr Auto angewiesen, um so ziemlich alles, von Einkaufsmöglichkeiten über den Arbeitsplatz bis zum Arzt, zu erreichen. Für die ehernen Ziele eines Macron und der Eliten, denen er vorsteht, beispielsweise der Energiewende, haben diese Menschen, die oft in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind und von Gehaltscheck zu Gehaltscheck leben, kein Verständnis. Ihre Sorgen sind viel direkterer Natur und weitaus umfassender als nur hohe Benzinpreise.

Die Erhöhung der Treibstoffsteuer brachte das Fass nun zum Überlaufen. Der Konflikt schwelt jedoch schon lange, denn die Arbeiterklasse, darunter viele, die sich noch daran erinnern können, dass sie einmal zur Mittelschicht gehörten, fühlen schon lange, dass sie es sind, die den Preis für die progressive Agende der linken Eliten zahlen. Mittlerweile haben die Gelbwesten ihre Forderungen daher ausgeweitet und verlangen neben einer allgemeinen Steuersenkung den Rücktritt Macrons. In diesem Sinn ist der Protest der Gelbwesten nicht nur ein Zeichen für den tiefen Graben der zwischen Volk und seinen Politikern existiert, sondern auch für den Graben, der sich innerhalb des Volkes abzuzeichnen beginnt. Der Graben, der zwischen den weltbürgerlichen, liberalen Großstadtbewohnern, die, dank gut bezahlter Berufe, es ich leisten können in Macrons Frankreich zu leben, verläuft und denen, die es zunehmend nicht mehr können.

 

 

 

Das vielleicht beeindruckendste Merkmal der Gelbwesten ist ihre Organisationsform, die praktisch ohne feste Strukturen oder Führer auskommt und allein über soziale Medien stattfindet. Spontane Proteste sind selbstverständlich nichts Neues, doch bedenkt man das am ersten Tag des Protestes, am 17. November, im ganzen Land 287.000 Demonstranten sich die gelbe Weste überstülpten, beginnt man zu ahnen, wie kurz die Lunte bei vielen Franzosen ist. Am zweiten Wochenende waren es zwar nur noch 100.000, die 160 individuellen Aktionen Straßen blockierten, doch am 27. November fand der Protest nichtsdestotrotz seinen derzeitigen Höhepunkt, als 8.000 Demonstranten trotz Verbot auf dem Champs-Elysées in Paris aufmarschierten und sich teils heftige Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Auch am 1. August gingen wieder über 100.000 Franzosen auf die Straße. In Paris kam es erneut zu schweren Unruhen.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass obwohl das Blockieren von Straßen so manche Unannehmlichkeit für den Rest der Bevölkerung mit sich bringt, 75 Prozent der Franzosen die Forderungen der Gelbwesten unterstützen.

Auch in der BRD gibt es Sympathien für die Gelbwesten. Die Gründe sind offensichtlich, denn neben den Franzosen sind auch wir in der BRD derzeit von horrenden Spritpreisen geplagt, und auch der erwähnte Graben innerhalb des Volkes beginnt sich bei uns immer stärker abzuzeichnen.
Wenig überraschend lobte Sahra Wagenknecht die Gelbwesten als „ein Aufbegehren gegen eine Regierung der Reichen“. Wagenknecht hatte während den Anfängen ihrer linken Sammelbewegung für einigen Aufruhr gesorgt, da sie mit deutlichen Worten die Allianz zwischen modernen Linken und internationalen Kapitalisten kritisiert hatte, also genau die Allianz, die Macron verkörpert.

Macron hält indes eisern an der Steuererhöhung fest, auch wenn die Spritsteuer an den internationalen Ölpreis gekoppelt werden soll und er durch „pädagogische Arbeit“ seine Vorhaben besser vermitteln will. Doch eine solche Kopplung wird wohl bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein sein und das „pädagogische Arbeit“ keine leeren Geldbeutel füllt, steht außer Frage. Aber das soll sie ja auch gar nicht. Erziehen soll sie das Volk oder besser Umerziehen, damit es schuftet, ohne zu mucken, auf das die auserwählten Eliten ihre schöne neue Welt genießen können.

Die Gelbwesten haben währenddessen das einzig Richtige getan und angekündigt, ihren Kampf fortzusetzen. Die Konfrontation zwischen Volk und Despoten geht also weiter.

Nachtrag: Frankreichs Regierung macht nun den „Gelbwesten“ erste Zugeständnisse und versucht damit die Lage zu beruhigen. Die geplante Anhebung der Ökosteuer auf Benzin und Diesel wird für das gesamte kommende Jahr ausgesetzt. Staatspräsident Emmanuel Macron fordert darüber hinaus alle politischen und gewerkschaftlichen Kräfte sowie Arbeitgeber dazu auf, einen „deutlichen und expliziten Aufruf zur Ruhe“ zu verbreiten. Das gab Regierungssprecher Benjamin Griveaux am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung bekannt. Griveaux drohte auch damit bei weiteren Protesten das Militär einzusetzen.

Unterdessen haben für Samstag „Gelbwesten“ zu neuen Protesten in der französischen Hauptstadt aufgerufen – unter anderem vor dem Élysée-Palast, dem Amtssitz von Staatschef Macron, und auf der Champs-Élysées. Die Regierung will landesweit mehr als 65.000 Polizisten einsetzen, um die Proteste zu unterdrücken.





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