Jair Bolsonaro will Brasiliens Schulen aus dem Würgegriff der Linken befreien

Der Ende Oktober zum Präsidenten Brasiliens gewählte Rechtspopulist, Jair Bolsonaro, machte während seines Wahlkampfes unter anderem mit offenen Drohungen gegenüber seinen politischen Gegnern auf sich aufmerksam. So drohte er ihnen mit „nie gesehenen Säuberungen“ und empfahl ihnen gleich, das Land zu verlassen. Es ist daher fast schon eine Untertreibung, wenn die Presse Bolsonaro als den „Trump der Tropen“ bezeichnet, denn, auch wenn er sich erst noch unter Beweis stellen muss, macht Bolsonaro den Anschein, deutlich radikaler (im eigentlichen Sinn des Wortes) als sein erklärtes Vorbild zu sein. Es ist daher nur richtig, dass er Linke nicht nur aus dem Land treiben möchte, sondern gleich die Quelle ihrer Macht angreift, nämlich den Einfluss linker Eliten auf die Bildungseinrichtungen Brasiliens. Um dies zu erreichen, plant Bolsonaro eine Reihe von Vertretern des Konzeptes „Parteilose Schule“ (Escola sem partido) als Bildungsminister auf verschiedenen Ebenen einzusetzen. Das Ziel dieses Konzeptes ist es, linke Propaganda und Meinungsmache aus den Schulen und Universitäten zu verbannen und so eine „ideologiefreie Erziehung“ zu gewährleisten.

Zu diesen Vertretern zählt unter anderem die 27-jährige Ana Caroline Campagnolo, die als Bildungsministerin des südbrasilianischen Bundesstaats im Gespräch steht. Campagnolo war schlagartig bekannt geworden, als sie vor fünf Jahren der Geschichtsprofessorin, die ihre Masterarbeit betreute, vorwarf, Feminismus zu propagieren. Anschließend verklagte sie sie sogar wegen „ideologischer Verfolgung und religiöser Diskriminierung“ und, obwohl Campagnolo die Klage verlor, markierte die Kontroverse den Beginn ihrer politischen Karriere als Antifeministin. Ihre Feindschaft auf linke Ideologie ist dabei stark katholisch geprägt, was sich unter anderem daran zeigt, dass auch der Sexualkundeunterricht als Verstoß gegen Anstand und Sitte auf ihrer Abschussliste steht. Campagnolo und andere wie sie, können dementsprechend auf die Rückendeckung der in Brasilien einflussreichen Freikirchen zählen, die auf eine Stärkung traditioneller Familienwerte hoffen. Noch deutlicher war der Einfluss christlicher Traditionen auf Brasiliens Rechte an Alessio Ribeiro Souto zu sehen, welcher im November noch für den Posten des Bildungsministers zur Debatte stand. Dieser wollte ebenfalls nicht nur den Sexualkundeunterricht streichen, sondern auch noch den Kreationismus neben der Evolutionstheorie an den Schulen einführen. Kreationismus bezeichnet die Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch buchstäblich so entstanden sind, wie es in den Heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen und insbesondere in der alttestamentlichen Genesis geschildert wird. Inwiefern der derzeitige Kandidat für den Posten des Bildungsministers, der gebürtige Kolumbianer, Philosophieprofessor und Mitbegründer der Idee der „parteilosen Schule“, Ricardo Vélez Rodríguez, diese Ansichten teilt, ist unbekannt, aber auch er gilt als konservativer Katholik.

Auch wenn derartige innenpolitische Fragen nur jedes Volk für sich selbst entscheiden kann, ist es doch bedauerlich, dass man in Brasilien scheinbar dabei ist, die Märchen eines Marx gegen die der Bibel einzutauschen. Dass die Kirchen in Brasilien scheinbar deutlich konservativer sind, als die Unsrigen lässt zwar hoffen und auch ihre offene Ablehnung des Kulturmarxismus ist begrüßenswert, doch gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch sie auch überholter Ballast, wie Kreationismus, transportiert wird.

Ebenfalls von Interesse ist Campagnolos Anhängerschaft zu Olavo de Carvalhos Bewegung „Olavetes“. Carvalho wandelte sich vom Journalisten zum Astrologen und schließlich zum Philosophen und verfügt über einen Youtube Kanal mit über einer halben Million Abonnenten, auf dem er „Vorlesungen“ zu verschiedenen politischen Themen hält. Die meisten laufen wenig überraschend dem politischen Mainstream entgegen. So macht er beispielsweise die Afrikaner für den transatlantischen Sklavenhandel mitverantwortlich, spricht von einer seit 200 Jahren anhaltenden Kompanie, die die weiße Rasse als die Versklavte der ganzen Welt darstellen möchte und kritisiert den damit einhergehenden Schuldkult. An anderer Stelle stellte er die Behauptung auf, der Nationalsozialismus sei eine „linke“ Ideologie und keine „rechte“ gewesen. Trotz dieser gewagten Behauptung, die wohl auf die unterschiedlichen ökonomischen Vorstellungen der europäischen und südamerikanischen Rechten zurückzuführen ist, reicht Carvalhos Einfluss bis nach ganz oben. Nicht nur wurde eines seiner Bücher während eines Videos im Regal Bolsonaros entdeckt, sondern auch sein Sohn, ein ebenfalls einflussreicher Politiker, teilte in der Vergangenheit Carvalhos Ansichten über die Natur des Nationalsozialismus. Im September sah sich die Botschaft der BRD in Brasilien sogar gezwungen in einem Video diesen Fehler zu korrigieren und bei Gelegenheit selbstverständlich noch einmal die Existenz des Holocaust zu bestätigen.

Das Konzept der „parteilosen Schule“ hat sich indes zu einem Gesetzesentwurf gewandelt, der momentan noch auf dem Weg durch den Kongress ist, doch sollte er beschlossen werden, wäre es Lehrern und Universitätsprofessoren verboten, ihre politischen Ansichten im Klassenraum zu äußern. Weiter soll das Gesetz die Ausdrücke „Gender“ und „sexuelle Orientierung“ verbieten und die Lehrer zu einer „moralischen und religiösen Erziehung“ der Kinder zwingen, wenn die Eltern dies wünschen.
Versuche, das Gesetz in der Vergangenheit auf den Weg zu bringen, scheiterten bis jetzt, doch im Lichte Bolsonaros Wahl zum Präsidenten erhoffen sich die Befürworter der „parteilosen Schule“ nun bessere Chancen. Aber auch ohne juristische Grundlage haben sie ihren Angriff auf die linke Hegemonie in den Bildungseinrichtungen begonnen. Campagnolo rief auf Facebook beispielsweise Schüler dazu auf, Lehrer, die politisch motiviert einseitige Kritik an Bolsonaro üben, zu filmen und öffentlich an den Pranger zu stellen und auch schon während des zurückliegenden Wahlkampfes kam es an Universitäten zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Bolsonaros.

Die Linke in Brasillien sowie die Presse sind selbstverständlich über diese Aussichten in Aufruhr und sprechen von einer Hexenjagd auf Linke und einem Angriff auf die Meinungsfreiheit. Dass Linke bereit sind, Konservative, geschweige denn Rechte, mit allen Mitteln in Schulen und Universitäten zu bekämpfen, ist hinreichend bekannt. Es sei an dieser Stelle nur auf die Probleme, mit denen sich die Hochschulgruppen der AfD konfrontiert sehen oder auf die gewalttätigen Ausschreitungen im Jahr 2017 an der UC Berkeley verwiesen, als dort Milo Yiannopoulos sprechen sollte.
Wenn Linke sich also nun auf hohe Werte berufen, die sie an anderer Stelle mit Füßen treten, dann ist dies nichts anderes als ein Versuch, diese als moralische Waffe im Kulturkampf zu missbrauchen. Ohnehin ist die Debatte um politische Beeinflussung durch Lehrer an den Schulen, die dank der AfD auch bei uns ein wenig Aufmerksamkeit bekam, ein Symptom eben dieses Kulturkampfes und des tiefen Spaltes, den dieser durch die Gesellschaft treibt. Sie kann daher auch erst beigelegt werden, wenn eine Seite diesen Kampf für sich entschieden hat, denn am Ende ist fast alles politisch in einer Gesellschaft, die sich mit sich selbst über ihre Natur an sich im Konflikt befindet. Der scheinbar neutrale Charakter unserer Bildungseinrichtungen rührte auch nur daher, dass die von ihnen gelehrten Prinzipien, die der liberalen Demokratie, von der Masse der Gesellschaft als die Norm akzeptiert wurden. Inhärent neutral sind diese Prinzipien jedoch nicht, da auch sie auf bestimmten Vorstellungen aufbauen, die als unverrückbar gelten. Die Politisierung jeder Kleinigkeit wird weiter durch ein Klima verschärft, in dem jede Seite das Wort der anderen auf die Goldwaage legt und nur darauf wartet, einen Grund zu finden, entrüstet zu sein. Ist dieser Konflikt beseitigt, wandelt sich vieles, wie Rollenbilder oder das Selbstverständnis der Gesellschaft, vom Politischem, aufgrund des Mangels einer (bedeutenden) Gegnerschaft, zum Konsens, womit die Debatte an sich schon weitgehend entschärft ist.

Es wäre daher müßig, sich an dieser Stelle damit zu befassen, inwiefern ein Konzept wie das der „neutralen Schule“ auch für die BRD von Bedeutung sein könne, denn besonders jetzt kann nur das Gegenteil, die Politisierung der Schulen in ihrem Sinne, das Ziel einer revolutionären Bewegung sein. Das heißt, die Kontrolle über die Schulen und Universitäten nicht nur linken Intellektuellen zu entreissen und sie zu neutralem Boden zu erklären, sondern, wie es die Linke beim Marsch durch die Institutionen vorgemacht hat, sie zum Schlachtfeld im Kampf um die Köpfe zu erklären, schlussendlich zu übernehmen und eine neue „Neutralität“ zu erklären. Die „neutrale Schule“ Bolsonaros ist hier keine Ausnahme. Die religiösen und damit ebenfalls politischen Vorstellungen ihrer Befürworter sind offensichtlich und beim besten Willen nicht „neutral“. Was auch immer man jedoch von seiner Vorstellung von „Neutralität“ halten mag, tut er das einzig Richtige. Anstatt zu versuchen der Hydra den Kopf abzuschlagen, greift Bolsonaro das Problem an seiner Wurzel an und versucht, den nie endenden Strom linksliberaler Demokraten und Kommunisten, die die Schulen ausspucken, abzustellen, indem er die Deutungshoheit, die deren Ideen dort haben, angreift und den kommenden Generationen Alternativen zur Kultur des Verfalls aufzeigt.





2 Kommentare

  • Daß Bolsonaro und seine Söhne glühende Zionisten sind und mit „Israel“ im Bett liegen, ist Ihnen bekannt?
    Also wie die ganzen „neuen Rechten“ in Europa auch, von Frau Le-Pen über Strache bis zum Wilders.
    Sicherlich kein Vorbild für Rechte und Nationale; ganz im Gegenteil.

    Beobachter 27.12.2018
    • Siehe hierzu unseren letzten Artikel zum Thema

      admin 27.12.2018

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