Trump kündigt amerikanischen Truppenrückzug aus Syrien an

Völlig überraschend hat US-Präsident Donald Trump den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Syrien verkündet. Über erste Truppenbewegungen aus dem arabischen Staat liegen Berichte vor. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen haben kann. Der Rückzug soll zwischen 60 und 100 Tage dauern. Während die Türkei und Russland den Schritt begrüßen, sind das zionistische Gebilde Israel, die Kurden und NATO-Staaten wie Großbritannien und Frankreich alarmiert. Die syrische Regierung hat Zweifel, ob Trumps Ankündigung wirklich in die Tat umgesetzt wird.

Der offizielle Grund für den amerikanischen Truppenabzug ist die mittlerweile fast vollständige Ausrottung von Daesh (Islamischer Staat). Die verbliebenen Terroristen, die sich in einem schmalen Streifen am Euphrat in Südostsyrien, nahe der Grenze zum Irak befinden, werden Stück für Stück vernichtet. Die Amerikaner selbst übernehmen in den Kämpfen einen eher geringen Part, da die Hauptaufgabe von den kurdischen Verbänden der sogenannten SDF (Syrian Democratic Forces) übernommen wird. Diese sind bereits militärisch gut ausgerüstet und können so den – wenn auch verlustreichen – Kampf ohne große Hilfe führen. Derzeit befinden sich noch etwa 2000 amerikanische Soldaten in Syrien.

Dass die amerikanische Mission mit dem Sieg über Daesh erledigt sein soll, ist verblüffend. Denn klar ist, dass die USA mit ihrer Unterstützung für diverse Terroristengruppen den Krieg in Syrien erst möglich gemacht haben. Von Beginn an zielte ihr Engagement auch auf den Sturz des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Aufgrund des entschlossenen Widerstandes des syrischen Volkes, aber auch durch die Unterstützung von Russland, dem Iran und der Hisbollah scheiterte dieses Vorhaben. Obwohl die Aussichtslosigkeit des Kampfes gegen das freie Syrien offensichtlich war, ließ auch Trump in sinnlosen Luftangriffen syrische Militäreinrichtungen attackieren. Der Ruf nach stetig neuen Angriffen kam dabei vor allem aus Tel Aviv. Mittels kurdischer Bodentruppen konnten sich die USA den Zugriff auf die wichtigsten syrischen Ölfelder sichern. Es schien daher so, als würden die USA wenigstens den Status quo zementieren wollen. Wenn der Regimewechsel scheitert, sollte es wenigstens ein nachhaltig gespaltenes Land geben, das als regionaler Machtfaktor ausscheidet.

Über die Gründe für Donald Trumps Entscheidung kann spekuliert werden, offenbar kennt sie jedoch nur der amerikanische Präsident selbst. Am wahrscheinlichsten ist, dass Trump seiner Wählerschaft einen Wunsch erfüllen wollte, denn viele seiner Wahlversprechen wie den Bau der Mauer an der mexikanischen Grenze konnte er noch nicht erfüllen.

Im Judenstaat ist das Entsetzen dagegen groß. Die jüdische Presse fürchtet bereits eine schrankenlose iranische Einflusssphäre vom Iran bis zum Mittelmeer. Man fürchtet daher auch die direkte Konfrontation mit der schiitischen Achse Iran – Syrien – Hisbollah. In einer Videobotschaft erklärte der Zionistenführer Netanjahu, die Amerikaner hätten ihm versprochen, auch weiterhin Einfluss in Syrien zu nehmen. Mit dem Wissen um die Sprunghaftigkeit des amerikanischen Präsidenten ist daher durchaus Skepsis angebracht. Niemand weiß, ob nicht ein plötzliches „Giftgasbombardement“ zur erneuten Kehrtwende führen würde.

Türkische Medien berichten bislang jedoch tatsächlich von beobachteten amerikanischen Truppenabzügen. So sollen bereits am 19. Dezember etwa 150 US Lkws mit Waffen und Ausrüstung Syrien in Richtung Irak verlassen haben. Ankara kommt der Truppenabzug sehr gelegen, denn solange die Amerikaner die Kurden unterstützt haben, konnte man nur eingeschränkt gegen die kurdisch-kontrollierten Gebiete vorgehen. Ohne den amerikanischen Rückhalt wird die Situation für die Kurden nun sehr ernst. Plötzlich sind die Kurden auch wieder an den Verhandlungstisch mit Damaskus zurückgekehrt. Sogar die Rückgabe der wichtigen Ölgebiete in Ostsyrien ist im Gespräch, wenn die syrische Regierung sich bereit erklärt, die Grenze zur Türkei zu sichern. An der türkischen Grenze zogen bereits die ersten Truppen der Türkei auf.

Auch der formell von der sogenannten „Freien syrischen Armee“ (FSA) kontrollierte Stützpunkt At-Tanf könnte nun fallen. Angriffe der syrischen Truppen um die strategisch wichtige Zone um den Ort einzunehmen, gingen bislang hoffnungslos im amerikanischen Feuer unter. Ohne die amerikanische Unterstützung stehen die selbst ernannten Rebellen plötzlich allein auf weiter Flur. Starke Truppenverbände der syrischen Armee und ihrer Verbündeten werden bereits in die Nähe der Zone gezogen.

Abzuwarten bleibt, wie sich die Lage im Nordwesten Syriens entwickelt. In den Gouvernements Idlib und Hama befinden sich dicht gedrängt diverse verbliebene Terroristengruppen, von FSA über Ahrar-Al-Sham bis hin zu Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Die veränderte Situation im Osten könnte Kräfte der syrischen Armee lösen. Den Terroristen könnten somit neue Spielräume entstehen, die diese für Angriffe auf die angrenzenden Gebiete in Nordhama und Nordlatakia nützen könnten. Israel dagegen hat bereits die ersten neuen völkerrechtswidrigen Luftangriffe auf Syrien gestartet und ist offensichtlich gewillt, den Krieg auch ohne Hilfe Washingtons weiter zu befeuern.





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