Die Türkei will ihre syrischen Asylbewerber nicht mehr

Im Jahre 2012 sprach Recep Tayyip Erdogan noch davon, dass syrische Asylanten die Türkei als zweite Heimat ansehen sollten. Allerdings dürfte mittlerweile diese idyllische Stimmung gekippt sein. Im Jahre 2014 lebten in der Türkei bisher 150.000 Syrer. Doch geht man von den neuesten Zahlen der Uno aus, hat sich die Ziffer erheblich gesteigert. Jetzt spricht man von 3,6 Millionen Syrern. So wie auch in Deutschland führt dieser Zuwachs zu ständigen Konflikten und von der einst gastfreundlichen AKP hört man gegenwärtig andere Töne.

Diese wirbt mit der Rückführung von 500.000 Fremden. Des Weiteren sollen noch eine zusätzliche halbe Million folgen laut Präsident Erdogan. Grund für den Kurswechsel ist, dass türkische Berufsnehmer keine richtige Arbeit mehr bekommen, da die Syrer die Löhne drücken. Deswegen ist die Arbeitslosigkeit extrem gestiegen und die Preise der Waren kaum noch bezahlbar. Obendrein sucht die Wohnungsknappheit ihres Gleichen. Beruft man sich auf eine Studie der Bilgi-Universität von 2017, wollen 86 Prozent der Türken, dass die Syrer das Land sofort verlassen. Dies zeigt sich auch in der Gewaltrate, da die Eindringlinge nicht gerade zimperlich mit ihrem gastfreundlichen Volke umgehen. Vor ein paar Tagen kam es erneut im Istanbuler Stadtteil Kücükcekmece zu antisyrischen Protesten. Der Auslöser war, wie schon sooft, ein sexueller Übergriff auf ein einheimisches Mädchen. Das hatte zur Folge, dass eine Gruppe von ungefähr 60 Mann Geschäfte von Syrern demolierten und Steine und Flaschen auf sie warfen.

Angeblich soll es sich bei diesem Missbrauch am Kind um eine Falsch-Meldung handeln, dennoch zog eine wütende Meute durch die Straßen, welche nur mit Tränengas und Wasserwerfern zu bändigen war. Anlässlich des Vorfalls äußerte sich der hiesige Bürgermeister, Ekrem Imamoglu. Er erklärte, dass die Bürger ruhelos sind und sie keinen sicheren Ort mehr haben. Deshalb seien sie auf der Straße. Der Bürgermeister, welcher in der Partei CHP tätig ist, will, dass Asylanten nur einen gewissen Zeitraum im Land bleiben dürfen. Dazu setzte ihre Partei ein Schreiben auf, um die Fremden schrittweise und sicher zurückzuführen. Auch in einem Fernsehauftritt bei dem Sender Habertürk gab Imamoglu zu verstehen, dass die syrischen Asylbewerber meist illegal beschäftigt werden. Dies hätte zur Folge, dass die Einkommen der ehrliche Arbeiter gefährdet seien. Außerdem gab er von sich, dass man die Interessen des türkischen Volkes schützen müsste. Des Weiteren beklagte er, dass die eigene Kultur von den Eindringlingen verdrängt würde und dass es eine zunehmende Verbreitung von arabischen Schildern und Plakaten gibt.

Um das Problem in den Griff zu bekommen hat, Innenminister Süleyman Soylu eine neue Regelung erlassen, nach der mindestens 75 Prozent der hiesigen Schilder türkisch verfasst sein müssen. Bei einer Inspektion der Lage wurden mittlerweile über 700 Ladenbesitzer allein in Istanbul dazu aufgefordert, ihre Schilder zu tauschen. Zudem zeigt sich über die soziale Plattform Twitter, dass es auch in ländlichen Regionen brodelt. So gab der Bürgermeister aus der Provinz Bolu bekannt, dass es kein Geld mehr für Syrer aus dem türkischen Stadtbudget geben wird, und kürzte sofort deren finanziellen Unterstützungen. Ein anderer Politiker der Partei AKP gab via Twitter bekannt, dass er die Asylanten loswerden wolle. Dieser stammt aus Izmir, einem dörflichen Teil der Türkei. Außerdem ist der Hashtag #SuriyelilerDefoluyor (DieSyrerVerpissenSich) soeben auf Hochkonjunktur. Für weitere Volksfremde aus Syrien habe die Türkei laut dem Innenminister Soylu keinen Platz mehr. Dem aufmerksamen europäischen Leser werden einige Parallelen zur eigenen Heimat auffallen, bis auf die in unseren Breitengeraden mittlerweile unbekannte konsequente Politik für das eigene Volk.





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