Die Kurdistan-Frage

Aufgrund der aktuellen türkischen Militärinvasion in Nordsyrien sind die Kurden wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. In Deutschland kämpfen nicht nur Türken und Kurden über die Deutungshoheit über die geplante, sogenannte „Sicherheitszone“ im kurdisch besiedelten Gebiet in Nordsyrien, auch die antideutsche „Linke“ bezieht hier klar Stellung. Dabei greift sie auf verblüffende Argumentationsmuster zurück. Obwohl es allein im kurdischen Siedlungsgebiet etwa 35 Millionen Kurden gibt, hat es noch nie einen kurdischen Staat gegeben. Das wirft die Frage auf, wie ein kurdischer Nationalstaat aus einer ethnosozialistischen Weltanschauung heraus zu werten ist.

 

(…)Das läuft allerdings, in der Realität, darauf hinaus, dass die Bevölkerung hier ausgetauscht werden soll, zulasten der Kurden, da sollen ja mindestens eine Million Araber aus ganz anderen Landesteilen Syriens hier angesiedelt werden. Ja, und damit entstehen hier in der Region neue, schwierige Konflikte, die auf Dauer nur sehr, sehr schwer beherrschbar sein dürften“

-ARD-Korrespondent Daniel Hechler im ARD Brennpunkt „Das wird ein Ethnozid“ -Überschrift einer Analyse von Issio Ehrich auf zeit.de

 

Bevölkerungsaustausch? Ethnozid? Worte, die in den Systemmedien eher selten vorkommen. Die türkische Offensive auf die de facto-autonome „Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien (Rojava)“ hat eine Solidaritätswelle in Presse, Politik und linken Kreisen hervorgerufen. Während das deutsche Volk als Ethnie hierzulande entweder verdammt wird oder in seiner Existenz geleugnet wird, soll die Unterdrückung des kurdischen Volkes beendet werden. Selbst ein Bundeswehreinsatz wird hierfür in Erwägung gezogen.

Die Heimat des kurdischen Volkes ist ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet, das sich in den Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien befindet. Die Kurden haben eine eigene Sprache, die weder dem Arabischen, noch dem Türkischen oder dem Persischen ähnelt. Sie sind überwiegend Anhänger des sunnitischen Islams, legen diesen jedoch weitaus moderater aus als ihre arabischen Nachbarn. Sie haben eine eigene Literatur, Küche und eigene Bräuche. Es fällt also nicht schwer, die Kurden als eigenes Volk zu identifizieren.

Dennoch ist es ihnen nie gelungen, einen eigenen Staat zu bilden.

In der Türkei kämpften die Kurden nach dem Ersten Weltkrieg noch mit den Türken zusammen gegen angelsächsische Fremdbestimmung. Doch schon bei der Ausrufung der türkischen Republik durch Mustafa Kemal Atatürk wurden sie nicht als Minderheit anerkannt. Ihre Sprache wurde verboten. Zahlreiche Aufstände wurden niedergeschlagen. 1984 begann die militante kommunistische Organisation PKK unter dem Führer der Kurden, Abdullah Öcalan, einen bewaffneten Kampf. Dies trug zur Verschlechterung der Lage bei, über deren Gebiete jahrzehntelang der Ausnahmezustand verhängt wurde. Die Kurden sind mitnichten die einzige Minderheit, die in der Türkei verfolgt wurde und verfolgt wird. Bekannte Beispiele sind vor allem die Massenvertreibungen der Griechen und der Genozid an den Armeniern. Aktuell haben allgemein Christen einen schweren Stand in der Türkei. So wurden allein seit 2017 etwa 70 Christen ausgewiesen. Einreiseverbote und Ausweisungen für Christen sollen ein immer drastischeres Ausmaß annehmen, wie beispielsweise die christliche Plattform idea berichtet.1

Die PKK ist in Deutschland verboten. Dennoch hat sie hierzulande Förderer, die auf verschiedenen Wegen versuchen, Geld für die kurdische Sache einzutreiben. So wird sie immer wieder mit dem organisierten Drogenhandel in Verbindung gebracht. Im Februar wurden zudem die Mezopotamien Verlag und Vertrieb GmbH und MIR Multimedia GmbH verboten, da sie Tarnorganisationen der PKK sein sollen. Verschiedene Organisationen wie die Partei „Die Linke“ versuchen eine Aufhebung des Betätigungsverbot der PKK zu erreichen.

Der kurdische Befreiungsnationalismus, nach der Ideologie Öcalans, ist dabei zutiefst widersprüchlich. Auf der einen Seite gibt man sich einem international-orientierten Marxismus hin und kritisiert den „Rassismus“ der türkischen Mehrheitsbevölkerung, auf der anderen Seite gibt es durchaus auch Ansätze der Kurden, die ebenfalls – um im antideutschen Duktus zu bleiben – „rassistisch“ sind. So erklärte Öcalan beispielsweise 1993 in einem Focus-Interview, dass er ausländerfeindliche Aktionen von Deutschen gegen Türken in Deutschland durchaus begrüßen würde, da er es nicht gut fände, dass Türken sich in Deutschland unbegrenzt frei bewegen könnten.2

Da die einflussreiche PKK als marxistisch eingestuft wird, hat sie auch die Herzen deutscher Marxisten gewonnen. Die Begeisterung für den marxistischen Kampf der Kurden hat sogar für die Ausreise von besonders motivierten „Antifaschisten“ gesorgt. So ist die halb-negroide Aktivistin Ivana Hoffmann aus Duisburg in die syrischen Kurdengebiete ausgereist, um da aktiv an den Kämpfen teilzunehmen. Die Kommunistin, die in Deutschland der MLPD-nahen Gruppe „Young Struggle“ nahestand, war 2015 die erste Ausländerin, die im bewaffneten Kampf gegen Daesh (IS) starb. Mit dem „International Freedom Battalion“ existiert eine ganze Brigade ausländischer Antifaschisten, mehrheitlich Türken, die an der Seite der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kämpfen.3

Die Situation der Kurden in der Türkei war auch Thema in einem Interview mit Kurden in dem Fußballfanzine Erlebnis Fußball.4 Dort wurde der Lehramtsstudent Vedat Öz aus Nusaybin zum türkisch-kurdischen Konflikt befragt. „(…) In den Grenzen der heutigen Türkei existiert bereits seit Jahrhunderten eine Nation namens Kurdistan, ein Volk mit eigener Sprache und Kultur. Dieses Land ist heute allerdings Teil der Türkei und anderer angrenzender Staaten. Die Türken kamen als Volk von Osten aus Asien her und haben – da werden mir selbst die Türken zustimmen bzw. haben sie das auch in meinem Geschichtsstudium an der Uni selbst gelehrt – hier eine knapp tausendjährige Siedlungsgeschichte hinter sich. Aber die Geschichte der Kurden auf diesem Boden reicht über 10.000 Jahre bis ins frühe Mesopotamien zurück. Aus den jeweiligen Epochen und Königreichen existieren zahlreiche Belege für unsere Zivilisation. Das nachzuvollziehen ist eigentlich nicht besonders schwer. Allerdings haben die Türken bzw. der türkische Staat eine ganz klare Haltung dazu. Sie erkennen unsere Existenz auf diesem, unserem eigenen Boden nicht an. Wir wollen in unserem Land über uns selbst entscheiden und frei leben können. Wir wollen die gleichen Rechte, wie jede andere Nation. Dafür kämpfen wir. Wir wollen nicht von einer anderen Nation oder einem anderen Staat fremdregiert und geknechtet werden.“

Auch im Iran wurde den Kurden unter Chomeini in der Verfassung keine Autonomie zugesichert. Auch hier gab es, zuletzt 2005, Kurdenaufstände. Diese wurden von der iranischen Regierung entschlossen niedergeschlagen. Im Irak ließ Saddam Hussein zwischen 1988 und 1989 100.000 Kurden töten und 4000 Dörfer niederbrennen. Nachdem die amerikanische Invasion in dem Golfstaat für nachhaltiges Chaos gesorgt hatte, konnten die Kurden ein eigenes, autonomes Gebiet errichten. Mit den Peschmerga gibt es eine eigene Miliz und in Erbil existiert ein eigenständiges Parlament. In dem Gebiet befinden sich wichtige Ölvorkommen. Derzeit leben dort knappe sechs Millionen native Bewohner sowie etwa zwei Millionen Flüchtlinge aus anderen Kurdengebieten. Dennoch untersteht das Gebiet formal der irakischen Zentralregierung in Bagdad und jede fundamental-islamistische Erhebung, wie die Erfahrung mit Daesh (Islamischer Staat) in den letzten Jahren gezeigt hat, stellt eine existenzielle Bedrohung für das zarte Pflänzchen kurdischer Autonomie dar.

Syrien stellte im gesamten Nahen Osten vor dem Ausbruch des Krieges 2011 einen Ruhepol dar. Obwohl auch hier die Kurden eher abschätzig behandelt wurden, war ihre Lage im Vergleich zu ihren Volksgenossen in der Türkei oder im Iran entspannt. Aus diesem Grund kam es bis heute auch zu wiederkehrenden Kooperationen mit den syrischen Regierungstruppen. Es gab keine nennenswerten Kampfhandlungen zwischen den beiden Kriegsparteien, die jeweils gegen die von fremden Mächten finanzierten Terroristen kämpften. Allerdings nutzten die Kurden die Gunst der Stunde und amerikanische Hilfe aus, um die sogenannte „Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien“, auch bekannt als Rojava zu errichten. Dabei handelt es sich um ein staatsähnliches Gebilde, das mehrheitlich kurdisch besiedelt ist, jedoch auch einige weitere Minderheiten umfasst. Dies stößt bei der legitimen syrischen Regierung in Damaskus natürlich auf wenig Gegenliebe. Die Wirtschaftsordnung in Rojava ist dabei durchaus interessant, da Privateigentum und Unternehmertum zwar grundsätzlich geschützt sind, gemeinwirtschaftliche und genossenschaftliche Wirtschaftsaktivität jedoch gefördert wird. Privateigentum soll in den Dienst aller Bürger gestellt werden. Die wirtschaftliche Entwicklung steht unter keinen so schlechten Vorzeichen, da die wichtigsten syrischen Ölvorkommnisse sich unter der Kontrolle der „Föderation“ befinden.

An den Ideen von Kurdenführer Öcalan orientiert, stellt Rojava quasi das Paradies der europäischen Linken dar. Gleichberechtigung der Frau, eine „Fridays for Future Rojava“-Bewegung, marxistische Ansätze, Basisdemokratie, Kampf gegen den „türkischen Faschismus“ – die Gründe für die Begeisterung sind vielfältig. Allerdings wird der kurdische Befreiungsnationalismus nicht von allen „linken“ Gruppen gutgeheißen, da manchen durchaus die Widersprüche in der eigenen Ideologie aufgefallen sind. So findet sich beispielsweise auf der anarchistischen Netzseite graswurzel.net eine Erklärung der „Britischen Anarchistischen Föderation“, in der die „autoritären“ Strukturen in Rojava und der PKK kritisiert werden.5

Die von Erdogan geplante „Sicherheitszone“ schneidet nun mitten durch die kurdischen Kerngebiete der jungen, international nicht anerkannten, „Föderation“. Damit scheint der Traum bereits in der Frühphase wieder ausgeträumt.

Als Nationalist muss man bei konsequenter Auslegung der eigenen Weltanschauung festhalten, dass die Forderung nach einer kurdischen Nation berechtigt ist. Einwände können eigentlich nur nationalchauvinistischer Natur sein, etwa: Kann ein 35-Millionen-Volk Ansprüche anmelden, das es jahrhundertelang nicht schafft, sich aus eigener Kraft zu befreien? Zumal man von eher mittelmäßigen Unterdrückern wie untereinander zerstrittenen Arabern spricht? Abseits dieser chauvinistischen Sicht werden sich kaum stichhaltige Argumente gegen einen Anspruch der Kurden auf einen eigenen Staat finden lassen. Aus deutscher Sicht könnte man die kurdische Nationalfrage auch vor dem Hintergrund ignorieren, dass Kurdistan geostrategisch völlig bedeutungslos für unser Volk ist und keine rassische Verwandtschaft vorliegt. Interessant ist die Thematik jedoch, da sich einmal mehr die Widersprüchlichkeit des antideutschen Kulturmarxismus offenbart. Während in Deutschland Masseneinwanderung eine Bereicherung darstellen soll, es zu keinerlei ethnischen Spannungen kommen könne, da ja alle Menschen gleich seien und Volksgemeinschaft und Nation sowieso widerwärtige Hirngespinste seien, soll das kurdische Volk erhalten bleiben und ein Bevölkerungsaustausch verhindert werden. Wer von „Freiheit für Rojava“ spricht, muss auch von „Freiheit für Deutschland“ sprechen! Wer einen kurdischen Volkstod für möglich hält und ihn verhindern will, der muss auch die Gefahr des deutschen Volkstodes erkennen und bekämpfen!

4: Erlebnis Fussball, Ausgabe 77 April 2019, Seite 115





2 Kommentare

  • Das Verhalten der Antideutschen erinnert sehr stark an Doppeldenk aus George Orwells 1984. „Doppeldenk bedeutet die Fähigkeit, zwei einander widersprechende Überzeugungen zu hegen und beide gelten zu lassen.“

    Schreiner 07.11.2019
  • Ein sehr guter und ausführlicher Artikel zu dem Thema, bei dem eigentlich alles wesentliche festgehalten wird.
    Weiter so!

    Fascist Youth Leipzig 05.11.2019

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