“Quo vadis“ Südamerika? Teil 1: Kolumbien

Seit Mitte Oktober, beihnahe zeitgleich, brachen gewalttätige Unruhen in mehreren südamerikanischen Staaten aus. Chile, Ecuador, Bolivien und seit dem 21. November auch in Kolumbien. Selten gab es in der oft gewalttätigen Geschichte Südamerikas so eine perfekte “Orchestrierung“ der Gewalt und der Revolte. Meine Informationen sind teilweise von Freunden und weitestgehend aus der heute üblichen Vernetzung mittels sozialer Medien, auf aktuellem Stand. Dennoch ist es schwer, eine objektive Sichtweise nach Art und Weise sauberer journalistischer Arbeit zu gewährleisten. Der Leser möge mir dies nachsehen. Aus meiner Sicht der Dinge und besagter Quellen, erlaube ich mir folgende Einschätzung der Lage in Kolumbien, Chile, Ecuador und Bolivien abzugeben. Da ich in der unmittelbaren Nähe von Bogota lebe, war ich am 22. November von der von der Regierung verhängten Ausgangssperre betroffen. Am nächsten Tag entspannte sich die Lage und in den vergangenen Stunden sind die Proteste weitestgehend friedlich. Die kolumbianische Opposition, Linke und Gewerkschaften, Lehrer und Studenten, Handwerker, Kleinunternehmer, Tagelöhner und Arbeiter haben sich in einer konzertierten Aktion gegen die seit 15 Monaten im Amt regierende Centro Democratico Partei zu einem Generalstreik organisiert. Die Folgen: Bis zu 10 Tote, Hunderte Verletzte, darunter ein Jugendlicher, welcher von der Sicherheitspolizei ESMAD in Bogota offensichtlich in den Kopf geschossen wurde. Er liegt seither im Koma. Eine der Hauptursachen der Proteste ist der brüchige Friedensvertrag nach 50 Jahren Guerillakrieg in Kolumbien. Die ehemalige kommunistische Guerilla FARC ist mit einem politischen “Arm“ im Parlament vertreten und mit zahlreicher werdenden “Aussteigern“ und Splittergruppen zu den Waffen zurückgekehrt. Splittergruppen, die z.B. am Freitag einen Autobombenanschlag auf eine Polizeistation in Quilichao im Distrikt Santander verübten. Dabei wurden drei Polizeiangehörige getötet. Die Forderungen an die Regierung unter Präsident Ivan Duqü sind allesamt Bringschulden, welche die Regierung seit ihrem Amtsantritt nicht eingelöst hat. Sicherheit, soziale Gerechtigkeit und Bekämpfung der Korruption.

Einige Beispiele: Seit Duqüs Präsidentschaft hat sich der Export von Kokain, nach Aussage der Trump-Administration, um ein Vielfaches gesteigert. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Krebsgeschwür Kolumbiens, dem Koka, sind in den vergangenen Monaten etwa 200 Einheimische, also indigene, ermordet worden. Bürgermeister, Menschenrechtler und auch Kinder. Besonders tragisch: Es wurden acht Kinder und Jugendliche bei einem mißglückten Luftangriff der kolumbianischen Luftwaffe, sozusagen als kollateraler Schaden, ermordet. Durch ehemalige FARC-Guerillas kommen praktisch jede Woche einige Indios ums Leben. Die FARC Dissidenz haben ihre Drogenkartellgeschäfte, in der Hauptsache mit dem mächtigen mexikanischen Kartell von Sinaloa, unbeirrt fortgesetzt. Sie beseitigen jeden der ihnen dabei in die Parade fährt. Es herrscht in Teilen Kolumbiens blanker Horror und absoluter Drogenterror.
Weitere Maßnahmen, die zu dem Generalstreik führten, sind das umstrittene “Paket“, welches die Regierung Duqü ankündigte. Darunter Lohnkürzungen für jugendliche Arbeitnehmer bis 35%, Rentenreform zuungunsten der Rentner, eine Privatisierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung (UPC) nach Leistungskatalog und weitere Maßnahmen der sozialen Ungerechtigkeit. Dies spielt den Linken und den Liberalen in die Hände, sodass es offensichtlich ist, dass Polarisierung und sozialer Unfrieden Teil der Politik und keineswegs mangeldes Know-how sind. Wer die Verhältnisse in Kolumbien kennt, der weiss, die Besitzverhältnisse sind so verteilt, dass wenige Familien das Land besitzen. Es spielt absolut keine Rolle, ob Liberale oder Rechtskonservative die Regierung stellen. Kolumbien ist eines der südamerikanischen Länder, dessen Wohl und Leid in den Händen dieser Familien und der Goldmann und Sachs Bank in Verbund mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) liegt. Dies zu erkennen wäre eine Befreiung und könnte zu einer Versöhnung der beiden Lager des Konservatismus und Liberalismus führen.

Diese beiden Fraktionen wurden seit der Kolonialisierung durch die Spanier, als “divide et impera“ Prinzip sorgsam von den ewig Selbigen aufrechterhalten. Die Kolumbianer wollen Frieden, Sicherheit und erschwinglichen Wohlstand. Zukunft für ihre Kinder. Das sollte für eine Nation, die Anschluss an 2 Ozeane hat, auch möglich sein. Die Spaltung muss überwunden werden und dies ist nur möglich, wenn der wahre Feind, das internationale Bankwesen und seine Verstrickungen im Milliardengeschäft Koka, abgestellt wird. Dieses kann nur durch Legalisierung erfolgen. Diese Forderung stellte bereits Mitte der 80er Jahre Pablo Emilio Escobar, als er sich zur Wahl in politische Ämter stellte. Wohin geht der Weg Kolumbiens? Solange die bestehende Regierung weiterhin kolumbianische Unternehmen wie die Fluglinie Avianca und andere gut aufgestellte Unternehmen an die USA und China verkauft, solange wird Kolumbien den Weg der Sklaverei gehen. Ausgesetzt dem Pokerspiel des internationalen Bankenkartells, allem voran dem IWF. Die Strassen werden dann immer wieder zum brennenden und tragischen Schauspiel einer zerissenen und unfreien Nation werden.

Bernhard Scheida – Bogota, 25.11.2019





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