100 Jahre Deutscher Rundfunk

Jeder hört Radio, doch kaum einer kann auf Anhieb sagen, wann und wie alles in Deutschland begann.

Da sich in diesem Jahr die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks zum 100. Mal jährt, schauen wir auch auf die Anfänge. Unser Blick in die Geschichte des Hörfunks in unserem Land richtet sich auf Königs Wusterhausen, eine Stadt südlich von Berlin.

Die ersten Anfänge

Alles fängt mal klein an und so auch der deutsche Hörfunk. Die ersten Versuche gab es schon im Jahre 1908, mit fahrbaren Funkstationen auf dem heutigen Funkerberg (damals Windmühlenberg).

Wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg ging der Sender Königs Wusterhausen in Betrieb. Zu Beginn war der Sender eine militärische Funkstelle mit vier Lichtbogensendern. Das Rufzeichen damals war LP. Es war die Abkürzung des ersten Stationsführers Rittmeister von Lepel. Der Sender gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges dem Heer. Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Sender in die zivile Nutzung über.

Die deutsche Reichspost wurde 1919 Eigentümer der Sendeanlage. Sie wurde für das Haupttelegrafenamt in Berlin ausgebaut und diente nun, mit vier Sendern, als Hauptfunkstelle des drahtlosen Telegramm-Dienstes. Der Dienst wurde nicht nur fürs Inland genutzt. Es wurde auch ins Ausland gesendet, wie nach Italien und Österreich, sowie in die Staaten in Nordost-, Ost- und Südeuropa. Die Rufzeichen der Sender damals lauteten AFL bis AFT sowie AFV, AFW und AFY.

Das Senden von Telegrammen war nicht die einzige Aufgabe der Hauptfunkstelle. Für die Flughäfen und Funkstellen des Flugsicherungsdienstes in Deutschland gab es mehrmals am Tag Wetterberichte. Diverse Funksonderdienste, wie zum Beispiel der Presserundfunk oder den Drahtlosen Wirtschafts-Rundspruchdienst für Wirtschaftsnachrichten, wurden gesendet. Im Jahre 1922 starte der Wirtschaftsrundfunkdienst.

1920 Erstübertragung von Sprache und Musik aus Königs Wusterhausen

Im Jahr 1920 wurden durch die Reichspost erste Sendeversuche zur Übertragung von Sprache und Musik unternommen. Der erste gesprochene Satz im deutschen Rundfunk erklang: „Hallo hier ist Königs Wusterhausen, auf Welle 2700…“. Dieser unbedeutende Satz ging damit am 22.Dezember 1920 in die Geschichte ein. An diesem Tag wurde, durch Beamte der Reichspost, das erste Weihnachtskonzert über Langwelle gesendet. Von zu Hause brachten sie ihre Instrumente mit und spielten auf ihnen das erste Weihnachtskonzert im deutschen Radio. Seit diesem Tag gilt der Funkerberg in Königs Wusterhausen als die Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland.  Es folgten weitere Konzerte durch die Postbeamten, wie das Osterkonzert im Jahr 1921.

Bis zum Aufkommen des Fernsehens war der Ausdruck „Rundfunk“ und „Hörfunk“ identisch. Das Wort Rundfunk geht auf Dr. Hans Bredow zurück.

1923 Rundfunk nun auch für private Haushalte

In den Anfängen des deutschen Rundfunks war dieser dem Heer vorbehalten und danach der deutschen Reichspost. Nun sollte sich dieses am 29. Oktober 1923 ändern. An diesem Tag wurden Rundfunkwellen für Unterhaltung und Nachrichten freigegeben. Später nannte man es Unterhaltungsrundfunk. Somit war der öffentliche Rundfunk geboren. Doch zu Beginn konnte nicht jeder privat den Rundfunk hören. Der Kauf einer Lizenz war hierfür notwendig. Der Berliner Zigarettenhändler Wilhelm Kolhoff wurde als erster offizieller Rundfunkteilnehmer registriert. Da die Lizenzen sehr teuer waren, hörten viele einfach schwarz mit. Der Preis wurde durch die eintretende Hyperinflation noch höher. Die Kosten für solch eine Lizenz betrugen 60 Goldmark bzw. 780 Milliarden Papiermark.

Der Pionier des Rundfunks Dr. Hans Bredow, prophezeite dem Radio eine große Zukunft, welche über die Ländergrenzen hinausgehen sollte. Recht sollte er behalten, innerhalb weniger Jahre und mit Weiterentwicklung der Technik konnten sich immer mehr Menschen ein Radio leisten. Der Ausbau der Sender in Deutschland ging schnell voran. Waren es zu Beginn vier Sender, konnte man 1925 schon 20 Sender zählen.

Auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen entstanden immer mehr Funkmasten, um die Leistung zu verstärken. Der Größte von ihnen sollte 1925 gebaut werden, mit einer Höhe von 243 Metern. Er wurde von den Einheimischen liebevoll „Der Dicke“ genannt. Nachdem der Platz auf dem Funkerberg langsam eng wurde, wurden in Zeesen weitere Anlagen durch die Reichspost gebaut.

Der Sendeturm von Königs Wusterhausen heute
Der Sendeturm von Königs Wusterhausen heute

Übertragung von Sportereignissen

Der Rundfunk wurde in den Jahren weiter ausgebaut und somit konnte schon 5 Jahre später die erste Rundfunkübertragung via Kurzwelle in die USA gemacht werden.

Der Sportkommentator Bernhard Ernst sprach den ersten Direktkommentar im Radio zu einem Fußballspiel. Es war das Spiel Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld am 1. November 1925.

Die Entwicklung des deutschen Rundfunks ging schnell, so konnte im Jahr 1926 das erste Fußball-Länderspiel, Deutschland – Niederlande, live aus dem Rheinstadion in Düsseldorf gesendet werden.

Während es heute ganz normal ist, ein Fussballspiel im Fernsehen oder Radio zu verfolgen, war das damals eine Sensation und für die Menschen etwas ganz Neues. Es war einem somit möglich, auch wenn man nicht im Stadion war, in Echtzeit mitzufiebern.

Im Jahre 1926 wurde unter anderem der Funkturm eingeweiht und der erste Kurzwellenrundfunk ging in Deutschland in Betrieb. In den darauffolgen Jahren ging in Zeesen der Deutschlandsender über Langwelle auf Sendung (1927). Der Deutschlandsender war zur damaligen Zeit der stärkste Sender Europas. Westlich von Berlin ging im selben Jahr auch der Kurzwellensender in Döberitz an den Start. Die Ereignisse und Übertragungen überschlugen sich in den 20er Jahren, was die Weiterentwicklung des Hörfunks anbelangt, und das nicht nur in Deutschland.

Der Hörfunk – ein Massenmedium

Durch die Weiterentwicklung, die Eröffnung neuer Sender, sowie ab Mitte der 1920er Jahre geringere Rundfunkbeiträge hielt der Hörfunk überall Einzug.

Private Haushalte konnten sich zum Teil ein eigenes Radio leisten und wenn man selbst keines hatte, ging man für wichtige Übertragungen halt zum Nachbarn.

Ab Beginn der 1930er Jahre wurde der Hörfunk unter anderem für die Übertragungen aus der Politik an das deutsche Volk genutzt. Ab 1933 wurden zudem auf Weisung der NSDAP extrem günstige Empfangsgeräte für Mittelwellen und Langwellenrundfunk produziert. Durch den Verkauf der sogenannten Gemeinschafts- oder Volksempfänger konnte die Zahl der Rundfunkhörer von ca. vier Millionen Anfang des Jahres 1932 auf bis zu über zwölf Millionen Mitte 1939 verdreifacht werden.

Ein Modell im Sender- und Funktechnikmusem Königs Wusterhausen zeigt den Ausbauzustand des Funkerberges im Jahre 1938
Ein Modell im Sender- und Funktechnikmusem Königs Wusterhausen zeigt den Ausbauzustand des Funkerberges im Jahre 1938

Zum Höchststand im Jahr 1943 konnte das Deutsche Reich rund 16 Millionen Rundfunk-Gebührenzahler registrieren. Zu Kriegszeiten war das Radio eine noch wichtigere Informationsquelle für das Volk. Die Ereignisse und Geschehnisse von der Front konnten somit schneller an das Volk gebracht werden. Die Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde durch Karl Dönitz im Radio verkündet. Nach 1945 hörte die Geschichte des Rundfunks nicht auf, mit der Zeit veränderten sich auch die Musikstile und immer mehr Radiosender kamen auf.

Bis heute wird an der Entwicklung der Radio-Übertragung gearbeitet, mittlerweile kann Radio in unzähligen Kanälen über den Fernseher, Smartphone usw. empfangen werden.

Die Sendeanlage in Königs Wusterhausen ist heute ein Museum und zeigt dort alles über die Geburtsstunde des Hörfunks. Noch heute wird aus Königs Wusterhausen gesendet. Von den einst zahlreichen Sendemasten steht heute nur noch einer, der als Zeuge der Anfänge des deutschen Rundfunks über Königs Wusterhausen thront.

 

Weitere Informationen:

https://100jahrerundfunk.de/100-jahre-rundfunk/

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_H%C3%B6rfunks_in_Deutschland

https://de.wikipedia.org/wiki/Sender_K%C3%B6nigs_Wusterhausen

http://museum.funkerberg.de/

 





1 Kommentar

  • Vorsicht, Radio und TV lügen, nicht nur bei Wettervorhersagen. Die Nachrichten sind dazu da, dass sich die Menschen danach richten. Wir sagen euch nur das, was wir wollen das sie glauben. Der deutsche Staatsfunk mit seiner täglichen Volksverhetzung. Wer glaubt noch der täglichen Berieselung mit modifizierten Wahrheiten? Staatsfunk: Wir sagen euch nur das, was wir wollen das sie denken. ARD und ZDF treiben Zwangsgebühren ein, für Hetze gegen Russland, Syrien, China, Venezuela, Kuba und gegen die rechtspopuläre AfD. Die Weltnachrichten von ARD und ZDF kommen vermutlich direkt von der Desinformationsabteilung der US-Army. Wir müssen uns selbst die Berieselung mit der staatlichen Propaganda und die Hetze gegen Russland, China, Iran, Syrien und AfD bezahlen. Einige vergewaltigende und raubende Killer-Kommandos in Syrien bezeichnet der Fernseher als “die demokratischen Kräfte”. Ein positives Wort vom Redakteur oder Reporter über die AfD oder über Russland bedeutet Karriereknick oder eine fristlose Kündigung.

    Harald 10.08.2020
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