Buchrezension: Benedikt Kaiser: Solidarischer Patriotismus – Die soziale Frage von rechts

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Wohl wenige Bücher wurden innerhalb der sogenannten „Neuen Rechten“ in den letzten Jahren so heiß erwartet wie das angekündigte und mittlerweile vorgelegte Buch des Politikwissenschaftlers Benedikt Kaiser. Kaiser, einer der intelligentesten und fundiertesten Denker im Kreis rund um die Zeitschrift Sezession und dem herausgebenden Institut für Staatspolitik, gehört zu den explizitesten Vertretern einer sozialen Politik innerhalb der heterogenen „Neuen Rechten“. Regelmäßig gibt es innerhalb derselben darum teils erbitterte Diskussionen bis hin zu persönlichen Anfeindungen mit und gegen ihn von neoliberalen und libertären Vertretern der „Neuen Rechten“.

Auch für nicht unerhebliche Teile der AfD stellt er (im übrigen wie auch unsere sozialistischen Forderungen) ein Feindbild dar, predigt man doch in den Kreisen rund um Jörg Meuthen das Mantra des „freien Markts“. Umso gespannter dürften die Vertreter der „sozialpatriotischen“ Minderheit innerhalb der Partei sowie ihres Umfelds auf das Buch gewartet haben, konnten sie doch bislang nicht auf moderne fundierte Werke für ihre Argumentation zurückgreifen. Als solches ist das Buch daher auch zu sehen: Es ist kein weltanschauliches Schlüsselwerk oder gar ideologisches Manifest, sondern ein Sachbuch zur sozialen Frage, das für ein gewisses Publikum geschrieben wurde und einen klaren Zweck verfolgt, nämlich den „sozialpatriotischen“ Vertretern in und außerhalb der AfD ein praxisorientiertes theoretisches Fundament zu bieten.

Vom 19. Jahrhundert zur Erbschaftssteuer

Entsprechend umfangreich ist das Buch, was das behandelte Themenspektrum angeht. Einen Überblick der „rechten“ Positionierung zur sozialen Frage im 19. (jedoch nicht mit dem frühesten Beginnen um Friedrich List und Fichte, sondern mit der späteren preußisch-nationalkonservativen Linie beginnend) und 20. Jahrhundert findet sich genauso wie tagesaktuelle Daten und Beispiele von sozialen Problemen. Der historische Abriss ist dabei für ein Zielpublikum geschrieben, in dem die Behandlung sozialer Themen immer der Geruch des „linken“ und des Feindbildes des Sozialismus anhängt. Dass die gesamte Ideengeschichte des nationalen Sozialismus und ihre führenden Vertreter nicht darin vorkommen und stattdessen völlig unbekannte Autoren der (als Lager konstruierten) „Konservativen Revolution“ herangezogen werden, ist wohl dem gleichen geschuldet. Politisch mag dies im Sinne des Konzepts klug sein, es geht aber zu Lasten der historischen und intellektuellen Korrektheit. Dennoch finden alle, die sich bislang nicht mit der Thematik beschäftigt haben, einen guten Grundüberblick.

Sachbuch, nicht Theoriewerk

Der größte Pluspunkt des Buches ist jedoch die fundierte Schilderung sozialer Probleme. Auch bekennende Sozialisten werden hier zahlreiche Argumente, Daten, Beispiele und Verweise auf weiterführende Literatur finden. Sozialisten selbst wird das Buch wohl nicht hervorbringen, zum einen finden sich in ihm nur sehr gemäßigte Positionen (des ansonsten in diesem Punkt durchaus radikalen Autoren), zum anderen befindet sich dahingehend kein entsprechender Abschnitt des Buches. Auch der titelgebende „Solidarische Patriotismus“ bleibt sehr vage, das Buch vermeidet jeden konkreten Staats- und Gesellschaftsentwurf. Nicht umsonst dürfte der Titel „Die Soziale Frage von rechts“ und nicht etwa „Sozialismus von rechts“ heißen. Es füllt damit eine Lücke innerhalb des eigenen Lagers, bietet Sozialisten gute Argumente und punktet mit der fundierten Argumentation, der Menge an Quellen und weiterführenden Literatur. Bei der Lektüre ist jedoch die Konzeption im Hinterkopf zu behalten und zu berücksichtigen, dass Nationalrevolutionäre nicht zu der zu überzeugenden Zielgruppe gehören dürften. Radikale Antikapitalisten werden daher für eine theoretische Untermauerung ihrer Positionen weiterhin auf andere Bücher zurückgreifen müssen, können jedoch für praktische Argumente und Ergänzung ihres bestehenden Wissens zugreifen.

1 Kommentar

  • Guten Tag,
    welche Schlüsselwerke zum Themenkomplex „Sozialismus von Rechts“ empfiehlt denn der Autor dieser Rezension?

    Interessent 12.11.2020