Chinesisches Unternehmen sammelt Daten über Ausländer

Die chinesische Firma Zhenhua Data soll Daten von 2,4 Millionen Personen aus verschiedenen Ländern gesammelt haben. Die Aktivitäten des Unternehmens waren vor Kurzem an die Öffentlichkeit gelangt und auch wenn noch nicht bekannt ist, welchem Zweck die Datensammlung dient, schlägt die Nachricht bereits hohe Wellen. Indiens Regierung berief bereits den chinesischen Botschafter ein und kündigte eine Untersuchung an. Beide Länder befinden sich aktuell in einem Grenzkonflikt im Himalaja, was ebenfalls in Delhi die Sorgen um die Aktivitäten chinesischer Unternehmen im digitalen Inland nicht dämpfen dürfte.

 

Kein Einzelfall

Indien hatte aus Datenschutzbedenken vor Wochen bereits 118 chinesische Apps gesperrt, die zusammen mehrere Millionen Nutzer im Land umfassten. Ähnliche Bedenken hatten in den USA fast zu einer Sperre der Videoapp TikTok und dem Chatdienst WeChat geführt. Beides war in letzter Sekunde noch verhindert worden. Die Sperre von WeChat war durch ein Gericht verhindert worden und für TikTok kam es zu einer Einigung, die vorsieht, dass das US-amerikanische Softwareunternehmen Oracle in Zukunft die Nutzerdaten der App verwalten soll. Nicht lang zurückliegend und noch immer schwelend sind zudem die Sorgen um die Rolle des chinesischen Telekommunikationsunternehmens Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes. In diesem Zusammenhang wurden weltweit Sorgen geäußert, Huawei könnte in der Hard- und Software, die es beisteuert, Hintertüren einbauen, die Peking Zugriff auf kritische Infrastruktur fremder Länder erlauben.

 

 

Die Sorgen um chinesische Aktivitäten, ob seitens des Staates oder privater Unternehmen, dürfte durch die Veröffentlichung von Zhenhuas Datensammlung weiter befeuert werden. Verantwortlich für das Datenleak ist der US-Amerikaner Chris Balding, der die Daten an ein australisches IT-Sicherheitsunternehmen weiterleitete. Etwa 250.000 Datensätze konnten ausgewertet werden, wovon 52.000 Datensätze US-Amerikaner betreffen, 35.000 Australier, 10.000 Inder und 10.000 Briten. Ebenfalls vertreten sind einflussreiche Personen aus Kanada, den Arabischen Emiraten, Neuseeland und auch der BRD. Die Daten umfassen teilweise ganze Biografien und Stammbäume, aber auch einzelne Twitterposts.

Der Großteil, wenn auch nicht alle Daten sollen aus öffentlichen Quellen wie sozialen Medien stammen, was Zhenhua zu seiner Verteidigung anführt. Auch besteht das Unternehmen darauf, dass es keine Verbindung zur chinesischen Regierung habe. Die Existenz der Datensammlung an sich ist jedoch weniger interessant als ihr Zweck. Google oder Facebook haben sicherlich viel mehr Informationen über viel mehr Menschen in ihren Datenbanken, um damit personalisierte Werbung und Ähnliches zu schalten. Auch westliche Geheimdienste sammeln mit Sicherheit fleißig Daten über relevante Individuen im Ausland, da dies mehr oder weniger zu ihrer Aufgabe gehört.

 

Neue Mittel, alter Zweck

Warum Zhenhua die besagten Daten zusammenstellte ist jedoch unbekannt, Gründe nennen möchte das Unternehmen nicht. Auf seiner nicht mehr aktiven Webseite rühmte sich das Unternehmen jedoch damit, soziale Medien manipulieren zu können, womit sich die militärischen und wirtschaftlichen Kräfte eines Landes schwächen und interne Konflikte, soziale Polarisierung und Radikalisierung herbeiführen ließen. Dementsprechend finden sich in der Datensammlung des Unternehmens auch einflussreiche Personen aus allen Schichten der Gesellschaft. Akademiker, Unternehmer, Polizisten, Militärs, Politiker, Beamte, Diplomaten, Künstler, NGO-Mitarbeiter und sogar Personen aus der organisierten Kriminalität. Teilweise sind auch Familienangehörige in der Sammlung enthalten.

 

 

Die Enthüllung von Zhenhuas Aktivitäten passt damit ins Bild des expandierenden Chinas, dass nicht nur die physischen Grenzen seines Territoriums testet, sondern auch digital auf Expansionskurs ist. Der Informationskrieg um die Wahrheit, das richtige “Framing” von Ereignissen und die öffentliche Wahrnehmung ist heute allgegenwärtig. Wo früher nur in Kriegszeiten von Kollaborateuren betriebene Sender Propaganda unter fremden Völkern verbreiteten, stehen die modernen Propagandaapparate niemals still und arbeiten so subtil, dass man dem „Feind“ zuhören kann, ohne es zu wissen.
China hat dies erkannt und nutzt seine technologische Macht, um auf diesem Schlachtfeld die Hoheit zu erlangen. Die westlichen Staaten erkennen dagegen erst langsam, dass der offene Weltmarkt in dieser Hinsicht ein Einfallstor für Staaten darstellt, die an mehr als nur an neuen Absatzmärkten interessiert sind.





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