Stimmen der Kurve: Die Lage im Berliner Fußball

Diesmal wollen wir uns mit der Lage der Fußball-Fanszene in Berlin beschäftigen. Hierfür führten wir das Gespräch mit Kevin.

Der III. Weg: In Berlin gibt es ja nun seit letzter Saison zwei Erstligavereine. Wer hat aus deiner Sicht die Oberhand im Bereich Fußball in Berlin, Union oder die Hertha?

Kevin: Auf dem Fußballplatz zur Zeit Union, szenetechnisch immer noch Hertha, wobei Union da aufgeholt hat.

 

Der III. Weg: Was machen die anderen Vereine wie BFC Dynamo, Tennis Borussia Berlin, Berliner AK 07?

Kevin: Nach der ersten Liga kommt ja erstmal nichts. Kein Berliner Verein in der zweiten oder dritten Liga. In der Regionalliga Nordost sind es dann schon 7 Berliner Vereine, zählt man den Speckgürtel von Berlin dazu, kommt man auf 10 Vereine. Da nimmt jeder dem anderen etwas weg, wenn es um Sponsoren und Zuschauer geht. Potenzial wäre also da, um auch eine Mannschaft aus Berlin in der dritten Liga halten zu können.

 

Der III. Weg: Kann man in Berlin eine Fanszene einer bestimmten politischen Richtung zuordnen?

Kevin: Tennis Borussia ganz klar links, wobei sie trotz gleicher Gesinnung bei Babelsberg nicht erwünscht waren, als ihre Veranstaltung “Caravan of Love” stattfand. Bei allen anderen Berliner Vereinen mit relevanter Fanszene wird Politik im Stadion nicht wirklich ausgelebt, bis auf vereinzelte Aktionen des BFC gegen Babelsberg.

Bei den jüngeren von Union merkt man aber langsam den Links-Rutsch. Soweit mir bekannt ist, sind einzelne Mitglieder der sich aufgelösten linken Neuköllner Gruppe Jugendwiderstand bei Union im Stadion anzutreffen. Jedoch sollen sie in keiner Szene-Gruppe sein.

Bei Hertha ging es kurze Zeit eher nach rechts, was aber schnell wieder unterdrückt wurde. Die Leute sind noch da und haben immer noch etwas zu sagen, jedoch wird es im Stadion nicht ausgelebt.

Beim BFC gab es innerhalb der Ultras eine Zeit lang viele Linke, die dies auch immer betonen und zum Thema machen mussten, wodurch unter anderem auch der Bruch mit der Fraktion H kam. Die Fraktion H ist unpolitisch und agiert im Stadion eher wie in den Neunzigern nach dem Motto “erlaubt ist das, was provoziert”.

 

Der III. Weg: Gibt es klare Feindschaften unter den Berliner Fanszenen oder auch Freundschaften?

Kevin: Klar gibt es da welche. Als einzige, die generationsübergreifend “gepflegt” wird, ist die zwischen Union und dem BFC.
Zu DDR-Zeiten gab es mal Kontakte vom BFC zu Tennis Borussia und nach der Wende die Überlegung, beide Vereine zu einem zu machen, was heute aber undenkbar wäre.
Hertha und Union, grad auf der Ultra-Ebene, beharken sich ja auch schon seit einigen Jahren.
Auf der Junghool-Ebene geht ab und an mal was zwischen Hertha und dem BFC.
Bei anderen Berliner Vereinen gibt es ja keine Fanszenen und auch insgesamt juckt die auch keiner.

 

Der III. Weg: Früher galt die Anhängerschaft des BFC Dynamo als stark erlebnisorientiert und eng vernetzt in Rocker- und Türsteherkreise. Ist das heute auch noch so?

Kevin: Auch heute nach wie vor ist die Anhängerschaft des BFC stark erlebnisorientiert. Die Verbindungen zur Rocker- und Türsteherszene bestehen dezenterweise immer noch.

 

Der III. Weg: Linke Ultras erobern sich immer mehr Raum in den jeweiligen Fanszenen und geben bei vielen Vereinen den Ton an. Ist das bei euch in Berlin auch so?

Kevin: In Berlin gibt es keine klar linksorientierten Fanszenen, da hier niemand die Politik ins Stadion bringt.

 

Der III. Weg: Welche Rolle spielen da die als links einzustufenden Vereine Babelsberg und Tennis Borussia?

Kevin: In Potsdam ist Babelsberg schon recht präsent, in Berlin so gut wie gar nicht.
Bei TeBe gibt es ja keine Szene mehr, auch wenn sich da wohl jetzt wieder etwas entwickelt. Ob das hält, wird man sehen, jedoch spielen beide Vereine keine nennenswerte Rolle.

 

Der III. Weg: Haben hier nationalgesinnte Fangruppen zu lange nach dem Motto agiert „Fußball und Politik zu trennen“ und nicht gemerkt, wie linke Fangruppen das Ruder übernehmen?

Kevin: Das ist immer so ein hin und her, linke Fangruppe werden von den jeweiligen Vereinen, der Politik und den Medien gepusht. Mit dem gleichen Auftreten und Verhalten wie linke Fangruppen kommt man als Nationalgesinnter leider nicht weit. Auch würde es dem jeweiligen Verein schaden und von der gesamten Masse nicht akzeptiert werden, da zu viel Gegenwind aus den besagten Richtungen kommen würde.
Zu viel Links kann dem Verein allerdings auch schaden, dies sieht man bei TeBe, dort sind die Alten mehr oder weniger komplett von der Bildfläche verschwunden.

 

Der III. Weg: Hat sich in den letzten 10 Jahren bei euch die Fanszene elementar geändert? Oder ist alles wie vorher? Was waren früher die bestimmenden Fangruppen?

Kevin: In den letzten Jahren gab es viele Gruppen beim BFC, die gegangen sind oder kamen und schon wieder weg sind. Man wird älter und auch sportliche Misserfolge tragen dazu bei.
Bei den Älteren sind immer noch die gleichen Gruppen aktiv und auch fast die gleichen Leute da. Bis zu den Anfängen der 2000er gab es keine namentlichen Gruppen, die das Sagen hatten. Davor, zu DDR-Zeiten, waren es Gruppen wie die 79er, Black Eagles oder die Black Panther. Bei den Jüngeren immer noch Riot Sport und die Fraktion H. Die Ultras bei uns sind noch keine 10 Jahre alt.

 

Der III. Weg: Wäre aus deiner Sicht ein Art Bündnis aller nationalgesinnten Fangruppen in Deutschland ein Ausweg aus dem Niedergang?

Kevin: Eine Vernetzung aller nationalgesinnter Fangruppen wäre ein Anfang. Ob es ein Ausweg wäre, kann man nicht sagen, da man mit entsprechenden Repressalien und Gegenwehr rechnen müsste. Wichtig ist, linken Gruppen im Stadion entschlossen entgegenzutreten. Auch wenn man für den gleichen Verein einsteht. Und ihnen zeigen: hier geht es nicht.

 

Der III. Weg: Nachdem nun der erste rein türkische Verein namens Türkgücü München in die 3. Bundesliga aufgestiegen ist, wird es immer offensichtlicher, daß Deutschland zunehmend überfremdet. Wie siehst du das mit dem Türkenverein im deutschen Profifußball?

Kevin: Als Berliner kann man sagen, das hat man schon erlebt. Migranten-Vereine aus Berlin haben schon in der dritten Liga gespielt.
Dort spielten auch wirklich nur Migranten. Jedoch konnten sie sich nicht lange dort oben halten. In München kommt es einem eher nur vor wie ein PR-Projekt, welches Geld auswerfen soll. Auch Türkgücü München wird sich dort nicht lange halten können. Rein türkisch ist der Verein aber meines Wissens nach nicht, da sie auch deutsche Spieler im Kader haben. Trotzdem können sie dem deutschen Fußball gerne fernbleiben.

 

Der III. Weg: Dank’ dir Kevin für das Gespräch und alles Gute dir und deinem Berliner Lieblingsverein.

 





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