Demokratiefeindlich? Neue Studie zu Querdenkern erschienen

Gerne werden Querdenker, also Gegner der aktuellen Corona-Schutz-Maßnahmen, in den Systemmedien als Extremisten abgestempelt. Mit diffamierenden Titeln wie „Covidioten“ wird dabei nicht gegeizt. Nun hat eine Studie die soziale Zusammensetzung der Querdenker am Beispiel einer Demonstration in Koblenz erforscht. Das Ergebnis: Bei den Querdenkern handelt es sich überwiegend um bürgerliche Menschen, die keinem konkreten politischen Lager zugeordnet werden können. Das Bild vom weltfremden „Aluhut“, der exemplarisch für die gesamte Querdenker-Bewegung steht, ist falsch.

 

 

Bürgerliche Intelligenz statt sozialer Unterschicht

Schenkt man den Systemmedien glauben, so handelt es sich bei den Querdenkern um eine Ansammlung von Axel Stoll-Inkarnationen und Peter Fitzek-Verehrern, Anhänger von absurden Theorien und schrägem Auftreten. Dem objektiven Beobachter ist jedoch klar, dass diese Klientel nur einen Teil der Querdenker ausmacht. Schwer abschätzbar ist jedoch beispielsweise, zu welchem Anteil die Querdenker dem rechten beziehungsweise nationalen Lager zuzuordnen sind. Eine neue Studie eines Soziologenteams der Uni Koblenz um Sebastian Kroos hat sich nun um Aufklärung bemüht.

Herausgekommen ist eine Studie, die freilich mit Vorsicht zu genießen ist, und dennoch interessante Tendenzen aufzeigt. Die Aussagekraft der Studie muss deshalb skeptisch betrachtet werden, weil sich einerseits nur 138 Teilnehmer beteiligt haben. Zum anderen kann sich die Zusammensetzung der Demonstration in Koblenz natürlich auch stark von Demonstrationen in anderen Städten unterscheiden. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Teilnahme an der Umfrage freiwillig war und es natürlich möglich ist, dass sich fundamentale Systemkritiker überproportional oft von der Studie ferngehalten haben. Dennoch lohnt es, einen Blick auf die Ergebnisse der Studie zu werfen. Ein interessanter Aspekt der Studie ist nämlich sein umfangreiches Ausmaß, das größere Rückschlüsse zulässt.

Die Teilnehmer der Studie verfügten über einen überdurchschnittlichen Bildungsgrad. Frauen waren stärker beteiligt als Männer. Etwa ein Fünftel der Teilnehmer gab an, konkrete finanzielle Nachteile aufgrund der Maßnahmen der Regierung zu erfahren. Besonders häufig werden die Querdenker nicht zuletzt aufgrund des ähnlichen Logos mit QAnon in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um Anhänger einer angeblichen Regierungsquelle aus dem Umfeld von Donald Trump, die über dessen vermeintlichen Kampf gegen den „tiefen Staat“ informiert. Eine Frage richtete sich daher nach den Sympathien der Teilnehmer für QAnon. Hierbei konnte zwischen „Ablehnung“, „Unterstützung“ und „Weder noch“ gewählt werden. Zudem konnte die Frage auch einfach übersprungen werden. Nur fünf Prozent bekundeten Sympathien, gut 40 Prozent Ablehnung, 51 Prozent wählten „Weder noch“ aus. Der Aussage, die Bundesrepublik Deutschland sei kein Staat, stimmten zwei Prozent zu, zwei Drittel lehnten die These ab und 32 Prozent entschieden sich für „weder noch“.

 

 

Eine weitere Frage richtete sich ganz allgemein gehalten nach der grundsätzlichen Möglichkeit umfassender Verschwörungen. Hier hielten es drei Viertel für „gut möglich“, dass „einflussreiche Geschäftsleute die Bevölkerung zwangsimpfen lassen“ wollen. Weiterhin teilten sie die Einschätzung, dass möglicherweise „Gruppen von Wissenschaftlern manipulieren“ würden, „um die Öffentlichkeit zu täuschen.“ Von dem politischen System zeigte sich eine Mehrheit der Teilnehmer enttäuscht. Mehr als drei Viertel gaben an, die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland würde nicht gut funktionieren. Fast 90 Prozent sind der Ansicht, dass sich „die meisten Politiker in Wirklichkeit gar nicht für die Probleme der einfachen Leute interessieren“. Nur eine kleine Minderheit hält eine Diktatur für eine bessere Staatsform. Nur jeder zwanzigste bekundet Vertrauen in den Bundestag. Mehr als die Hälfte steht keiner Partei nahe. Davon profitiert jedoch nicht die AfD: Auch die „Alternative für Deutschland“ wird nur von einem geringen Anteil der Befragten geschätzt.

Die Studie bestätigt daher die Annahme, dass es sich bei den Querdenkern nicht um eine revolutionäre Bewegung handelt. Nicht allein fehlt die einheitliche Ausrichtung, es liegen oftmals sogar fundamentale Unterschiede in der politischen Zielsetzung vor. Ein typisches Charakteristikum ist sicher, dass viele Querdenker grundsätzlich eher als „unpolitisch“ eingestuft werden können. Politisches Desinteresse ist seit Jahren kennzeichnend für die BRD-Gesellschaft. Wahlentscheidungen werden oftmals aufgrund oberflächlicher Entscheidungen getroffen und sind selten einer festen Verbundenheit zur gewählten Partei zuzuschreiben. Es muss jedoch kein Nachteil sein, dass es sich bei den Querdenkern nicht um eine umgruppierte Pegida-Bewegung handelt. Viele Pegida- und AfD-Anhänger sind heute stark dogmatisch festgelegt und daher nicht mehr offen für fundamental-oppositionelle Politik. Die nationalrevolutionäre Bewegung sucht jedoch wirkliche Querdenker, die auch bereit sind, Grundsatzfragen zu stellen.

Nach wie vor könnten Querdenker-Demonstranten zumindest grundsätzlich gesprächsbereit sein. Eine durchweg positive Feststellung konnte die Studie zudem ebenfalls präsentieren: Kaum ein Querdenker informiert sich noch aus den Systemmedien. Die überwiegende Mehrheit gab an, sich über Messenger wie Telegramm oder WhatsApp zu informieren. Das Interesse an neuen Perspektiven ist also gegeben.

 





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